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Basilika zu unserer lieben frau von den engeln

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Die kleine Kapelle Cappella di S. Maria degli Angeli alla Porziuncola, die im Inneren der Basilika noch zur Gänze erhalten ist, wurde der Tradition zufolge von vier Heimkehrern des Heiligen Krieges in der waldigen Ebene unterhalb Assisis, die als Cerretto della Porziuncola bezeichnet wird, errichtet. Sie brachten ein Teil des Grabsteins der Madonna mit in die Heimat.

Dort schien der starke Wind, der jede Wolke vom Himmel sowie durch das Laub der Blätter blies, an bestimmten Herbsttagen dem Gesang der Engel ähnlich. Die Kapelle wurde seit dem 10. Jahrhundert von den Benediktinermönchen des Klosters S. Benedetto al Subasio verwaltet. Wahrscheinlich wäre dieser Ort vollkommen in Vergessenheit geraten, wenn die Wege von Franziskus und Klara nicht dorthin geführt hätten. Dank ihnen finden wir die Porziuncola heute intakt vor, wie etwa vor gut 1.000 Jahren. Aber anstelle des lärmenden Dickichts befindet sich hier heute eine große Basilika, die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert errichtet wurde und die Kapelle wie eine fürsorgliche Mutter umhüllt und schützt. Durch diesen Anblick im Inneren des Gebäudes erscheint die Kapelle noch kleiner, fast unglaublich klein.

Die Kirche wurde von den oben erwähnten Benediktinermönchen dem armen Heiligen geschenkt, um hier den Hauptsitz des gegründeten Franziskanerordens zu errichten. Als Franziskus zum ersten Mal hierher kam, war die Kirche verwahrlost und seiner Heiligenlegende zufolge widmete er das dritte Jahr nach seiner Bekehrung ausschließlich der Renovierung der kleinen Kapelle. Genau hier erkannte er beim Lesen des Evangeliums, dass seine Mission jedoch nicht das Restaurieren von verfallenen religiösen Gebäuden war, sondern der Wiederaufbau und die Predigt des ganzen Reiches Gottes, indem er in Armut, Buße und Einfachheit lebte. Von hier ging Franziskus mit seinen Mitbrüdern aus, um seine Nachricht in ganz Italien zu verbreiten, und hierher kehrten sie immer wieder zurück. Eines Nachts im Jahr 1211 klopfte die verzweifelte und verängstigte Chiara d’Offreduccio, die von zu Hause und von ihrer aristokratischen Familie geflüchtet war, an die Türen von Porciuncola. Einige Tage später legte sie in dieser Kapelle das Ordensgelübde ab und versprach ihre Buße, um sich Gott hinzugeben und ihre spirituelle Reise zu beginnen, die sie zur Gründung des weiblichen Franziskanerordens, der Klarissen, führte und sie zur wichtigsten Heiligen der Stadt machte.

In der Porziuncola wurde im Jahr 1216 zum ersten Mal der „Perdono di Assisi” („Vergebung Assisis“), ein Ritual zur vollständigen Absolution, bei dem festgelegt wurde, dass all jene, die die Kirche mit einem aufrichtigen Gefühl der Reue betreten, nach der Beichte sofort von allen Sünden erlöst werden. Die Absolution wurde im Mittelalter in der katholischen Kirche häufig praktiziert, aber damals musste dafür ein Obolus bezahlt werden. Dabei handelte es sich um eine Geldsumme, die sich nur Reiche leisten konnten, eine sehr lange Wallfahrt zu den wichtigsten Orten des Christentums wie etwa in die Heilige Stadt, oder spezielle Praktiken der Abtötung, zum Beispiel Fasten oder das Schlafen auf einem Bett aus Brennnesseln. Franziskus gelang es diese außergewöhnliche „Ausnahme“ durchzusetzen, indem er persönlich Papst Honorius III. aufsuchte und ihn von der Heiligkeit seiner Bitte überzeugte. Als er nach Assisi zurückkehrte, verkündete er von einer extra außen an der Porziuncola montierten Kanzel die glorreichen Neuigkeiten vor tausenden Menschen. Der „Perdono di Assisi“ wurde zu einer umstrittenen und innerhalb der Kirche im Laufe der Geschichte häufig diskutierten Praxis. Die Regel wurde über die Zeit mehrmals verändert. Zuerst wurde sie auf alle Franziskanerkirchen ausgeweitet, dann auf alle Pfarrkirchen, aber das Ritual wurde auf zwei Tage im Jahr beschränkt: 1. und 2. August. Im Jahr 1988 legte die Apostolische Pönitentiarie fest, dass im Inneren der Porziuncola die Absolution an jedem Tag des Jahres möglich ist, und bestätigte damit ein weiteres Mal die außergewöhnliche Bedeutung dieses Ortes für die Christenheit.

Im Inneren der Basilika, unweit von der Porziuncola, befindet sich der Ort, an den Franziskus gebracht werden wollte, um dort die letzten Augenblicke seines Lebens zu verbringen und den letzten Vers seines Sonnengesangs zu schreiben: die Kapelle Capella del Transito. An diesem engen Ort, der von der Krankenstation des alten Klosters übrigblieb, das für die Ordensbrüder errichtet wurde, wurde Franziskus bis zu seinem letzten Atemzug versorgt, bis er in der Nacht des 3. Oktober 1226 verstarb. In der Kapelle befinden sich einige Fresken eines Schülers von Perugino, der Spagna genannt wurde. Hinter dem steht sich eine wunderbare und bewegende Statue von Franziskus, die Andrea della Robbia, einer der bedeutendsten Keramikkünstler der Renaissance, geschaffen hat. Außerdem ist im Inneren der Kapelle auch eine wichtige Reliquie des Heiligen zu finden: der Strick. Dabei handelt es sich um das Band, mit dem sich Franziskus seinen Habit in der Taille zusammenband.

Die Nachricht über den Perdono d’Assisi verbreitete sich in Italien und Europa sehr schnell, und bereits ab den direkt auf die Verkündigung von Franziskus folgenden Tagen wurde die Porziuncola zu einem kontinuierlichen Pilgerziel. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Zustrom der Pilger derart stark, dass beschlossen wurde die Kirche zu vergrößern und andere Beherbergungsbetriebe zu errichten. Nach dem Plan von Galeazzo Alessi entstand die majestätische Basilica di Santa Maria degli Angeli mit einer Länge von 126 und einer Breite von 65 Metern, in der die hunderttausenden Pilgern, die jedes Jahr hierher kamen, Platz fanden. Das Projekt war derart anspruchsvoll, dass die Errichtung der Kirche mehr als ein Jahrhundert dauerte.

In Wahrheit können wir heute weit weniger als das originale Projekt des Architekten aus Perugia sehen. Das 19. Jahrhundert war für die Basilika ein sehr dunkles: Zuerst die Plünderungen durch das napoleonische Heer und danach das sehr schwere Erdbeben im Jahr 1832, wodurch das Gebäude zu einem großen Teil zerstört wurde. Die von Alessi geplante Kuppel stürzte desaströs über der Porziuncola ein, die jedoch wie durch ein wunder intakt blieb. In den darauffolgenden Jahren wurde die Gestalt der Kirche durch Restaurierungsarbeiten deutlich verändert. Die Fassade, die mit der typischen Madonnenstatue aus vergoldeter Bronze endet, wurde im Jahr 1930 fertiggestellt. Vom originalen Projekt blieben nur die Apsis und die Kuppel erhalten, die nach ihrem Einsturz in nur acht Jahren wieder aufgebaut wurde. Außen, an der linken Seite der Basilika, die zur Straße nach Assisi hin ausgerichtet ist, befindet sich der Brunnen Fonte delle 26 cannelle, der fast an der gesamten Länge der Wand verläuft und im Jahr 1610 von den Medici, die ebenfalls große Verehrer des Hl. Franziskus waren, in Auftrag gegeben wurde. In den Dekorationen, die abwechselnd die Wasserschnabel zieren, ist ein Schild mit sechs Kugeln als Relief zu erkennen. Dieses Symbol war das Wappen der Familie aus Florenz, mit dem sie in ganz Europa bekannt war.

Der Innenraum der Basilika, der sich vom Gegenstück, der Basilica di San Francesco, unterscheidet, ist einfach und hager, nicht stark verziert, und passt so perfekt zu den Prinzipien der Franziskus-Regel. Die Kirche besteht aus drei Schiffen und jedes Seitenschiff beherbergt fünf Kapellen, die als einzige Bereiche der Basilika mit Fresken und Dekorationen verziert sind, die im Laufe der Jahre von gottesfürchtigen, adeligen Familien oder von öffentlichen Einrichtungen in Auftrag gegeben wurden.

Die Porziuncola befindet sich genau in der Mitte der Basilika wie ein fester Kern, von dem alles ausgeht. In ihrem Inneren ist an der Wand hinter dem Altar eine Tafel zu finden, die Ilario da Viterbo 1393 gemalt hat, und die von den Streitigkeiten um den Perdono d’Assisi berichtet. Die Geschichte, die wie bereits erwähnt mit der ruhmreichen Verkündigung vor tausenden Menschen endete, begann in Wirklichkeit in einigen Metern Abstand von der Kirche, im Rosengarten eines an die Basilika angrenzenden Hofes. Dem Hagiographen zufolge wird die Vision, die Franziskus antreibt den Papst aufzusuchen, um ihn um den Ablass, den Perdono, zu bitten, wird durch eine große und mysteriöse Versuchung vorweggenommen, die dem Heiligen begegnet, als er in einem Moment in das Gebet versunken war. Um nicht in die Falle zu geraten entkleidete er sich und warf sich in den Rosengarten, der sofort alle Dornen verlor. Noch heute hat die „Rosa Canina Asssiensis“, die in diesem Teil des Klosters wächst, keine Dornen. Die Kapelle, die sich in der Nähe des Rosengartens befindet und zu Ehren dieses wunderbaren Ereignisses errichtet wurde, enthält noch heute in einer unterirdischen Grotte die Balken, die Erzählungen nach die Kanzel formten, von der Franziskus den Perdono verkündete.

Auch wenn sich an diesem Ort keine berühmten Kunstwerke befinden, sind die Basilika und die Porziuncola eine einzigartige Erfahrung, die auch gemacht werden kann, wenn man sich nur die Geschichten und Personen vorstellt, die in über einem Jahrtausend diese Räume betreten haben. Von außen und von innen können mit etwas Vorstellungskraft die Szenen der Menschenmassen, die die Kirche für den Perdono überströmten, noch einmal erlebt werden; im Inneren der Kapelle der Porziuncola ist auch die Intimität der Weihung von Klara im zarten Alter von 18 Jahren wahrzunehmen, entblößt und Gott hingegeben, während Franziskus ihr das Haar im Licht von schwachen und zitternden Öllampen schnitt.

Als ob all das noch nicht genug wäre, hält die Basilika noch weitere Überraschungen bereit, die auf dem Weg zum Museum Museo della Porziuncola entdeckt werden können. Das Museum beherbergt einige Meisterwerke der katholischen und franziskanischen Kunst, beginnend beim sehr alten Kreuz von Giunta da Pisano, das auf das Jahr 1236 zurückgeht und eines der ersten Kreuze ist, auf dem der Christus leidend und menschlich dargestellt ist, im Gegenteil zum vorherrschenden Stil dieser Epoche – mit griechisch-byzantinischer Inspiration – des selbst zum Zeitpunkt seiner Kreuzigung ruhmreichen und triumphierenden Christus. Giunta da Pisano kann zusammen mit Cimabue und Giotto als einer der wichtigsten Erneuerer der mittelalterlichen Kunst angesehen werden, da er zu den Ersten gehörte, die den Grundstein für die Kunst der Renaissance setzten. Unter den zahlreichen Kunstwerken und wertvollen Gegenständen befinden sich im Museum auch zwei bemalte Tafeln, auf denen jeweils der Hl. Franziskus dargestellt ist. Seine Geschichte wird dabei wie so oft mit einigen Mythen vermischt. Die erste Tafel stammt vom Maestro di S. Francesco, der auch viele Fresken im Inneren der Basilica di S. Francesco gemalt hat, und ist das älteste Bild von Franziskus, das jemals gefunden wurde. Sie geht auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Ursprünglich in der Cappella del Transito untergebracht, wurde das Kunstwerk Erzählungen zufolge auf derselben Tafel gemalt, auf der Franziskus geschlafen hatte und auf der auch sein letzter Atemzug erfolgte. Die zweite Tafel wird Cimabue zugeordnet. Dies ist auf die außergewöhnliche Ähnlichkeit zum Porträt des Heiligen zurückzuführen, das der Meister aus Florenz in der erhabenen unteren Basilika der Basilica di San Francesco malte und auf dem der Heilige so wahrheitsgetreu wie sonst nie dargestellt ist. Auch hier lassen Mythen darauf schließen, dass die Tafel der Deckel des Sarges war, in den der Leichnam von Franziskus zuerst gebettet wurde. In einem der sechs Räume, aus denen das Museum besteht, befindet sich noch ein weiteres wichtiges Kunstwerk von Andrea della Robbia: ein Altarretabel aus glänzender, glasierter Keramik, ungefähr aus dem Jahr 1475, auf dem heilige Szenen und Geschichten von Franziskus dargestellt sind. Dazu gehört auch die Szene, in der der Hl. Franziskus im Wallfahrtsort La Verna Wundmale erhält. Geschichte, Kunst, Spiritualität und Mythos: das perfekte Rezept für ein einzigartiges Erlebnis.

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