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Assisi

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Entdecke Assisi

Ob Sie vom Bahnhof oder von der Straße aus hierherkommen ist egal, denn die kleine, imposante und engelhafte Stadt, die am Gipfel ihres Hügels am Fuße des Bergs Monte Subasio errichtet wurde, wird Sie schon von der Ferne verblüffen. Schon von der Ebene, die übersät mit Korn- und Sonnenblumenfeldern ist, können die Umrisse des Sacro Convento mit unglaublicher Klarheit unterschieden werden. Es begrenzt den östlichen Bereich der Stadt und scheint den Rest des Ortes, der sich bis knapp unter den Gipfel erstreckt., auf dem die Rocca Maggiore zu finden ist, nach oben zu heben. Sie scheint durch einen Waldstreifen abgegrenzt zu sein, sodass sie nachts, wenn das natürliche Licht verschwindet und nur noch künstliches Licht vorhanden ist, wie schwebend erscheint. Der hier beschriebene Anblick ist der klassische Anblick von Assisi, den Sie in allen Souvenirläden und überall im Web finden. Schade, dass der tatsächliche Anblick von den Sonnenblumenfeldern aus, niemals wiedergegeben werden kann.

In Wahrheit benötigt Assisi jedoch überhaupt keine großartige Präsentation, denn es ist die weltweit berühmteste Stadt Umbriens. In dieser Stadt wurden der Hl. Franziskus, einer der größten Revolutionäre der katholischen Kirche, und die Hl. Klara, seine treue Anhängerin, geboren. Die Stadt ist seit der Antike ein Tempel der Heiligkeit und Spiritualität, sodass sie auch den Namen „Stadt des Friedens“ erhielt.

Aber Achtung, davon dürfen Sie sich nicht täuschen lassen. Trotz der rettenden und himmlischen Aura, die die Stadt umgibt, erlebte sie lange Zeiten, während der man ihr besser fernblieb. Über Jahrhunderte galt sie als Schauplatz blutiger Kriege, interner Kämpfe und kontinuierlicher Plünderungen. Feldherren wie Karl der Große, Friedrich Barbarossa, Cesare Borgia und viele andere wollten die Stadt beherrschen.

Die kontinuierlichen Invasionen lösten Hungersnöte und Epidemien aus, wodurch die Bevölkerung deutlich geringer wurde. Die Einwohner Assisis standen den Fremden um nichts nach. Die Rivalität zwischen den Guelfen, Unterstützer des Papstes, und den Ghibellinen, Unterstützer des Kaisers, war in der Stadt deutlicher zu vernehmen als sonst irgendwo. Selbstmorde und Rache standen bei den verschiedenen Familien auf der Tagesordnung. Es erscheint paradox, aber im 14. Jahrhundert wurden in der Stadt auf Anordnung des Papstes die katholischen Sakramente verboten und ein Großteil der Bevölkerung wurde exkommuniziert! Unbewaffnet durch die Stadt zu gehen war vollkommen gefährlich. Als ob das noch nicht genug wäre, haben Erdbeben die Stadt nie verschont. Es reicht aus sich vorzustellen, dass zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert gut 40 Erdbeben verzeichnet wurden, die das Zentrum zerstörten und die Einwohner in die Knie zwangen.

Assisi hat gleich wie alle anderen Städte auch eine dunkle Seite und wer die Stadt besucht, kann sich vorstellen wie all das im Laufe der Geschichte auf den weiß gepflasterten Straßen, auf den friedvollen Piazze und vor den wunderbaren Kirche geschah. Die Schönheit und Bedeutung dieses Ortes wird jedem sofort ins Auge stechen.

Auf Erkundungstour durch Assisi

Assisi wurde im Jahr 2000 dank der Bedeutung jener Orte, die der Hl. Franziskus in der Geshichte besuchte, in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen. Die Reise zu all diesen Wundern muss an der Gedenkstätte für den Hl. Franziskus par excellence, der Basilica di S. Francesco, beginnen. Sie liegt auf dem Hügel Colle Paradiso, einer Anhöhe im Osten der Stadt. Ein monumentaler Koloss aus gut drei Kirchen, die übereinander angeordnet sind, und dem Kloster Sacro Convento mit seinem 53 meisterhaften Stützbögen. Die kleinere Schwester, die Basilica di S. Chiara, ist ein absolutes Muss für alle, die die Geschichte der vom Hl. Franziskus unter seinen Schutz genommenen Heiligen kennenlernen möchten. Die Reise zur Erkundung des Lebens zweier wichtiger Persönlichkeiten der christlichen Religion geht in den verschiedenen Kirchen und heiligen Stätten der Stadt weiter. Die Kirche Chiesa di S. Maria Maggiore, in der Franziskus einer Überlieferung zufolge öffentlich all seine Besitztümer abgelegt hat, die Kirche Chiesa Nuova, die auf dem Haus errichtet wurde, in dem der Arme seine Kindheit verbrachte, die Kathedrale Cattedrale di S. Rufino, zusammen mit der Kirche Abbazia di S. Pietro eines der ältesten religiösen Gebäude der Stadt.

Wer den Spuren des bürgerlichen Assisi und seiner unendlichen kriegerischen Vergangenheit folgen möchte, dem bieten die Rocca Maggiore und die Rocca Minore einen Einblick in diese turbulenten Jahre und in die unglaublichen Techniken, die angewendet wurden, um die Stadt gegen die Feinde zu verteidigen. Die Piazza del Comune mit dem Palazzo del Capitano del Popolo, dem Turm Torre Civica, dem Palazzo dei Priori und dem Tempel Tempio di Minerva ist der schönste und geschichtsträchtigste Ort, den Sie in der Stadt vorfinden. Unterhalb der Piazza erstreckt sich das primitive Assisi. Am Forum Romanum und in der archäologischen Sammlung können die Reste des Römischen und Vorrömischen Zeitalters der Stadt bestaunt werden, mit den Geheimnissen der mysteriösen umbrischen Bevölkerung. Wem das noch nicht genug ist, der kann den Domus del Lararium und den Domus di Sesto Properzio besichtigen, um in den Alltag und die Intimität der Wohnhäuser der früheren Bewohner einzutauchen.

Unterschätzen Sie auch die Schönheit eines ziellosen Spazierganges zwischen den gepflasterten Straßen und Gassen nicht, Sie werden wunderbare Perspektiven erblicken. Wir empfehlen Ihnen die zauberhafte Via Fontebella, die Via Bernardo da Quintavalle, die sich mit der Zeit durch die unendlichen Kämpfe im Mittelalter entwickelt zu haben scheint, und natürlich die Via S. Francesco, eine Straße, die zur Basilika führt und schon seit acht Jahrhunderten von allen Pilgern der Welt beschritten wird. Zu ihr hin ist auch der wunderbare Palazzo del Monte Frumentario ausgerichtet.

Ihren Spaziergang können Sie auch außerhalb der Stadtmauern fortsetzen, wo die Verbindung zwischen der natürlichen und der menschengeschaffenen Landschaft nicht weniger wunderbare Atmosphären entstehen lässt. Beim Anstieg auf den Berg Monte Subasio müssen Sie unbedingt Eremo delle Carceri, den Tempel der franziskanischen Mystik, die alte Abtei Abbazia di S. Benedetto al Subasio und die Kirche Chiesa di S. Angelo in Panzo besichtigen. Beim Abstieg in Richtung Tal gelangen Sie hingegen zum Wallfahrtsort Santuario di S. Damiano, wo sich die Geschichte von Franziskus und Klara unzertrennlich kreuzt. Noch weiter unten (am besten nehmen Sie einen Bus), finden Sie die majestätische Basilika Basilica S. Maria degli Angeli.

Die Burg Rocca Maggiore ist jene Sehenswürdigkeit Assisis, die von jeder Entfernung und jedem Standort im Tal aus zu sehen ist. Sie beherrscht und überragt den Hügel von Assisi, umgeben von einer reichen Vegetation, die nachts einen dunklen Streifen als Kontrast zu den Lichtern der Stadt entstehen lässt und die Burg vom Rest trennt, sodass sie beinahe im Sternenhimmel zu schweben scheint. Je näher man der Burg kommt, nimmt man ihre schlichte und starre Ansehnlichkeit war, die daran erinnert, dass Assisi – die Stadt des Friedens und der Spiritualität – eine verfluchte Seele in ihren Erinnerungen verbirgt. Die Vergangenheit von Assisi war durch ständige Kriege, Volksaufstände, Hungersnot und Pest gekennzeichnet. Die Burg ist heute das direkteste und maßgeblichste Zeugnis dafür.

Die ersten sicheren Beweise gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, als der Erzbischof von Agonza diesen Ort von strategischer Bedeutung verwendete, um die Festung zu errichten, die Federico Barbarossa beherbergte, und so die Macht des Kaisers den Gemeindebehörden, die damals in Mittelitalien entstanden, zum Trotz zu festigen. Die Burg bot auch Friedrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer Unterschlupf, dem größten und strahlendsten Herrscher, den das germanische Geschlecht je gesehen hatte, auch wenn er damals noch en Kleinkind war und von seiner Mutter Konstanze von Sizilien der Kaiserin von Urslingen, Ehefrau des Herzogs von Spoleto und Comes von Assisi Corrado, Vertrauter des Schwäbischen Monarchen, anvertraut wurde. Friedrich war nur vier Jahre alt, als sich die Einwohner Assisis auf Drängen des Papstes Innozenz III. hin auflehnten und die Stadt von der “fremden” Herrschaft befreiten.

Fast ein ganzes Jahrhundert lang blieben das Blut und die Erinnerungen dieser schrecklichen Ereignisse auf den Ruinen der Burg, die teilweise zerstört und nicht mehr in Verwendung war, festgetrocknet. Die Gemeindeverwaltung übersiedelte tatsächlich etwas weiter hinunter, in die Räumlichkeiten, wo sich heute der Palazzo del Capitano del Popolo und der Stadtturm Torre Civica erheben, bis der Schatten einer neuen Bedrohung am Horizont erschien. Diesmal ging die Gefahr von Osten, von der Person Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino, und seinen verbündeten Ghibellinen aus, unter denen sich auch ein Einwohner Assisis befand. Er hieß Muzio Brancaleoni und seine Mitbürger bezeichneten ihn als einen der listigsten und gnadenlosesten Feldherren der Geschichte der Stadt. Muzio fügte sich zusammen mit den Montefeltro, den Visconti, Herrschaften aus Mailand, und mit den Scaligern, Herrschaften aus Verona, die Assisi als eine Festung gegen die von den Welfen geprägte und mächtige Stadt Perugia nutzen wollten, in die Allianz der Ghibellinen ein. Dies geschah in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts, denn damals erreichte die althergebrachte Rivalität zwischen Assisi und Perugia ihren gewaltbereitesten Zeitabschnitt. Um die drückende Rivalität mit den Einwohnern Perugias fortzuführen, griff Muzio auf unsagbare Taten zurück, darunter Vandalismus, Hinrichtungen und – hauptsächlich – der Verkauf des Schatzes aus der Basilika S. Francesco (Basilika zum Hl. Franziskus), der ihm die Exkommunikation sowie den unvergänglichen Hass seiner Mitbürger einbrachte.

Nachdem die Macht nach der Zeit Muzios wieder an den Papst übergeben wurde, zeigte sich die Burg wie auch Assisi im Allgemeinen zerstört.

Nach einigen friedvollen Jahrzehnten, als der Zeitpunkt für den Wiederaufbau der Stadt gekommen war, keimten die Spannungen zwischen Welfen und Ghibellinen wieder auf und der spanische Kardinal und Feldherr Egidio Albornoz, der sich wie fast alle Kirchenherren zur damaligen Zeit mehr für Krieg als für Frieden interessierte, machte die Burg zu einem Teil seiner kolossalen Arbeiten zur Befestigung der päpstlichen Ländereien. Neben den ex-novo hergestellten Festungen , darunter die imposante Burg Rocca Albornoziana in Spoleto, ordnete er eine Reihe an Renovierungs- und Wiederherstellungsarbeiten an den alten Festungen an, um ein Verteidigungssystem entstehen zu lassen, das die gesamte Ebene überragte. Die Stadtmauern von Assisi wurden befestigt und unweit von der Burg wurde eine zweite Festung errichtet, die Rocca Minore oder Rocchicciola, die Erzählungen zufolge durch einen langen Stollen im Inneren der Mauern mit der großen Schwester verbunden ist.

Dank der Befestigungsarbeiten wurde Assisi einmal mehr zu einem strategischen sowie von den damaligen Söldnern und Feldherren, die für die eine oder die andere Seite kämpften, geschätztem Ort. Das Verteidigungssystem von Albornoz stürzte jedoch ein Jahrhundert später unter den Angriffen von Niccolò Piccinino, dem Metzger aus Perugia, der zu einem der größten Glücksmänner seiner Zeit wurde, ein. Seine Heldentaten wurden selbst von Leonardo da Vinci verehrt. Er belagerte nicht zuletzt auch dank der Hilfe eines betrügerischen Ordensbruders, der ihm einen geheimen Weg verriet, um die Mauern im Inneren des alten, römischen Aquädukts zu überqueren, im Jahr 1442 Assisi und legte die mittlerweile wieder unter der Herrschaft der Ghibellinen sowie unter dem Schutz des Herren Pesaro Alessandro Sforza stehende Stadt in Schutt und Asche.

Die Berichte aus dieser Zeit erzählen, dass Niccolò, zu dessen besten Eigenschaften Nachsicht und Mitleid nicht gehörten, von der Schönheit der Stadt so stark beeindruckt war, dass er ein gewaltiges Angebot (15 Millionen Gulden!) der Gemeinde Perugia, um Assisi dem Erdboden gleich zu machen und den Feindseligkeiten damit endgültig ein Ende zu setzen, nicht annahm. Die Kämpfe und Belagerungen gingen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen während des gesamten folgenden Jahrhunderts weiter, um danach schrittweise an Intensität zu verlieren, als sich die Macht des Papstes in Form eines der mächtigsten Staaten der Halbinsel festigte und Assisi seine strategische Position im Gebiet verlor.

Das letzte Restyling der Burg wurde von Papst Paul III. im Jahr 1535 veranlasst, der ein Prälat der Schwachen war. Da er den zänkischen Stadtbewohnern Umbriens nicht traute, ließ Paul III. die Wachttürme verstärken und den runden Bergfried errichten, der imposant hervorragt, sobald man in den steilen Weg nach oben einbiegt, der sich ausgehend vom Tor Porta Perlici aus entlangwindet: Nur ein Auftakt für sein grandioses Werk zur Verteidigung in Umbrien – die Festung Rocca Paolina.

Während des darauffolgenden Zeitabschnittes verlor die Festung nach und nach ihre Verteidigungsfunktion. Sie wurde zuerst zur Residenz der Schlossherren, die zur Kontrolle des Gebietes abgeordnet waren; in weitere Folge wurde die Festung als Gefängnis und später als Lager genutzt.

Die Burg kann innen besichtigt werden. Auch wenn sie heute nüchtern erscheint und nur noch wenige Gegenstände beherbergt, können über die Schlitze die kahlen Wände und engen Gänge wahrgenommen werden, sowie das Leiden und der Schmerz, den die Menschen an diesem Ort des Krieges verspürt haben. Der Eingang liegt in der Nähe des Schutzwalls aus dem 16. Jahrhundert, im Inneren befindet sich ein Gang mit einem Boden aus Klinker aus dem 14. Jahrhundert; daran grenzt der Senkkasten, in dem sich die Arbeitsräume befanden. Im Inneren des Bergfriedes, der als Wohnraum für den Burgherren diente, befinden sich fünf Räume übereinander, die über eine Wendeltreppe miteinander verbunden sind.

Inmitten der Oliventerrassen unmittelbar unterhalb des historischen Zentrums ist der Wallfahrtsort S. Damiano der wahrscheinlich beste Vertreter aller religiösen Gebäude in Assisi für Tugenden und Werte, die die Verehrung des Hl. Franziskus der Welt hinterlassen hat. In S. Damiano läuft die Spiritualität der ganzen Stadt zusammen, da hier abgesehen von den Legenden ein besonders wichtiger Ort für das Leben der beiden berühmten Heiligen aus Assisi war. Hier fand sich der damals noch junge, aufstrebende Bürger der Stadt eines Tages, nachdem er durch das Land gezogen war, mit den schleierhaften Ideen und einem eigenartigen Gefühl der inneren Leere ein. Er war reich, stark und absolvierte eine militärische Karriere, aber er fühlte, dass ihm das nicht reichte. Er betrat das kleine, leere und baufällige Kirchlein. Die warme und wohlige Atmosphäre vermittelte ihm sofort ein Gefühl des Friedens. Er setzte sich in eine der Kirchenbänke vor dem Altar und betrachtete das Kreuz über dem Altar. Eine geformte, gekonnt bemalte, jedoch flache Holzplatte. Auf der Höhe des Kopfes nur eine Halbkugel aus Holz, die zutage trat und an der Oberfläche dem Gesicht von Jesus Dreidimensionalität verlieh. Franziskus beobachtete mit erhobenem Kopf das Gesicht, das sich zu ihm herunterzubeugen schien, als er auf einmal das Gefühl hatte, dass ihn die Augen anblickten und der Mund sprach: „Vade Francisce, repara domum meam!“. Das im 12. Jahrhundert von einem bislang unbekannten Künstler bemalte Kreuz ist noch heute dort vorzufinden, wo Franziskus es betrachtete, auch wenn es sich dabei lediglich um eine Kopie handelt. Das Original wurde von den Klarissen mitgenommen, als sie 1257 vom Kloster S. Damiano ins Kloster bei der Basilica di S. Chiara übersiedelten, wo es sich bis heute befindet.

„Gehe und baue mein Haus wieder auf“ waren die Worte, die Jesus zu Franziskus sprach. So übernahm Franziskus eine wichtige Mission und sein Herz war erleichtert. Zu Beginn verstand er die Bedeutung nicht und gemäß der Legende beschäftigte er sich mit der Restaurierung der Kirche S. Damiano selbst, weil er der Meinung war, dass Christus von diesem „Haus“ gesprochen hatte. In Wahrheit hatte er jedoch vom „Haus“ aller Seelen gesprochen, also der Kirche als Institution, die zur damaligen Zeit eine schwere Krise erlebte. Das verstand der Heilige Franziskus erst später. Sobald er die mahnenden Worte gehört hatte, machte sich der Heilige auf den Weg nach Foligno, verkaufte sein Pferd und die Stoffe aus dem Laden des Vaters und brachte den Erlös zum Kaplan von S. Damiano. Das Geld wurde abgelehnt, aber Franziskus gab sich noch nicht geschlagen und entschlossener denn je, die ihm zugeteilte Aufgabe zu erfüllen, wartete er, bis er von niemandem gesehen wurde und warf das Geld durch eines der Kirchenfenster. Das Fenster ist im Inneren der Kirche bis heute zu erkennen. Es befindet sich an der rechten Seite und ist von Fresken aus dem 14. Jahrhundert umgeben, die an diesen Augenblick erinnern. In S. Damiano lebte die Hl. Klara 41 Jahre lang und starb auch dort. Hier wurde dank ihrer Anstrengungen sowie mit der Unterstützung ihres Meisters, des Hl. Franziskus, der Orden der Klarissen gegründet. Vom Hauptschiff der Kirche aus führt eine Treppe in das Obergeschoss, wo sich das Oratorium sowie der Schlafsaal, in der die Heilige ihren letzten Atemzug nahm,  befinden.

Außen ist die Kirche wie alle Franziskanerklöster einfach und karg gestaltet. Die Fassade verfügt im unteren Bereich über ein Tor, das aus drei Rundbögen besteht, die von Pfeilern aus Ziegeln gehalten und von einer runden Rosette überragt werden. Sofort nach dem Eintreten in das Gebäude ist sein Alter zu erkennen, sobald man bemerkt, dass das bescheidene Hauptschiff der Kirche nicht die gesamte Breite der Fassade einnimmt. Denn die Fassade enthält auch andere Gebäude und Räume, die an die Kirche angrenzen. Sie sind das Ergebnis der ununterbrochenen Änderungs-, Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten, die bereits ab dem 8.-9. Jahrhundert, also ab dem Zeitpunkt der Errichtung der Kirche, über den Lauf der Jahre durchgeführt wurden. Im Inneren unterscheidet sich die Bauweise der Kirche nicht besonders von jener in der Kirche, in der Franziskus und Klara beteten – insbesondere die Apsis, der älteste Bereich, mit einem niedrigeren Gewölbe im Vergleich zur Aula und einem wunderschönen Chor aus Holz aus dem 16. Jahrhundert. Dahinter befindet sich ein kleines, verriegeltes Fensterchen. Von dort wohnten Klara und ihre Mitschwestern der Heiligen Messe bei, versteckt aufgrund der Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit. Dorthin wurde auch der Leichnam von Franziskus zum letzten Gruß gebracht. In der Mitte der rechten Seitenwand befindet sich eine rechteckige Kapelle, die ein wertvolles Kreuz aus Holz, geschnitzt von Innocenzo da Petralia im Jahr 1637.

Außerdem verfasste der teilweise erblindete Franziskus während seiner letzten Lebensjahre in S. Damiano den Sonnengesang, das erste poetische Werk in der Sprache „Volgare“, also auf Italienisch. Im Inneren des Wallfahrtskirchleins befindet sich auch eine kleine Ausstellung, mit der diese Legende gefeiert wird. Sie trägt den Namen Galleria del Cantico (Galerie des Sonnengesangs). Ein Großteil der Kollektion besteht aus einer Reihe originaler Kupferstiche, die vom Sonnengesang inspiriert sind und von einer Gruppe aus umbrischen Meistern geschaffen wurden – alles Schüler von Padre Diego Donati, einem der besten Holzschneider im 20. Jahrhundert. Diego Donati ist auch ein Raum im Kloster Convento di Monteripido in Perugia gewidmet, in dem über 200 grafische Kunstwerke des meisterhaften Franziskaners ausgestellt sind.

Am Morgen des 26. Oktober 1786 fuhr ein Wagen mit voller Geschwindigkeit durch die Tore von Assisi. Er hatte nur ein Ziel: das Zentrum der Stadt, wo sich das befand, was heute als Piazza del Comune bekannt ist. Der Konvoi drehte auf dem staubigen Kopfsteinpflaster eine enge Kurve und hielt dann abrupt an. Das Quietschen der Räder vermischte sich mit dem Gewieher der Pferde und die Glocke der Kirche S. Maria sopra Minerva erklang, als ob die Ankunft auf dem Platz still ankündigen wollte. Ein eleganter Mann stieg vom Wagen herab, seine Augen waren rund unter seiner breiten Stirn und sein graues Haar sammelte sich in einem Pferdeschwanz, der unter seinem breitkrempigen Hut erschien. Er war nach Assisi gekommen, um nur eines zu bewundern. Er hatte davon gelesen und sich jahrelang nach diesem Besuch gesehnt, und jetzt stand er endlich davor: der Tempel der Minerva. Eines der am besten erhaltenen und bekannten Wunder der Antike.

Einige Stimmen behaupteten, dass der Tempel der Minerva acht Jahrhunderte vor der Entstehung Roms von dem legendären Dardanus, einer hybriden Gestalt der etruskischen und griechischen Mythologie, dem Vorgänger der Gründer der Stadt Troja, errichtet worden war, aber dies war ein Gründungsmythos, der von den Bewohnern der Stadt überliefert wurde, kein echter historischer Beweis. Die Legende gilt oftmals als unbegründet, birgt jedoch immer einen Hauch von Wahrheit in sich. Der elegante Mann wusste, dass der Tempel in der Form, die er mehr oder weniger intakt vorfand, erst um das erste Jahrhundert n. Chr. gebaut wurde, aber er wusste auch, dass der Grund für die Auswahl dieses bestimmten Ortes, der in der Sorgfalt der Geschichte untergegangen war, ebenso wichtig war. Tatsächlich war dort von den Römern ein Tempel errichtet worden, weil dieser Ort bereits in der Vergangenheit als heilig galt, möglicherweise aufgrund einiger Thermalquellen, und sich allmählich zum Zentrum der Spiritualität entwickelte, die in Assisi unabhängig von den Völkern und Kulturen, die die Stadt bewohnt haben, stets vorhanden war.

Der gute Erhaltungszustand des Gebäudes ist auch auf seine ununterbrochene Nutzung zurückzuführen: Nach dem Zerfall des Römischen Reichs ging es in den Besitz der Benediktinermönche von Monte Subasio über; im 13. Jahrhundert fiel es in die Hände der Stadt, die es als Gefängnis nutzte; im 16. Jahrhundert wurde es wieder zu einer Kirche, die dem Hl. Donatus gewidmet war, um im darauffolgenden Jahrhundert zur Kirche S. Maria sopra Minerva zu werden, die bis heute erhalten ist.

Der Mann betrachtete den Tempel der Minerva im Licht der warmen Morgensonne. Auf den Zeichnungen, die er in den Handbüchern von Palladio in der Weimarer Bibliothek studiert hatte, entsprachen Fassade und Größe nicht dem tatsächlichen Gebäude. Sechzehn Meter Höhe, zu der die Größe von drei Statuen, die sich auf der Spitze des Tympanums befinden, hinzukommen sollten. Es waren weibliche Statuen, wie sie im Mittelalter bei einigen Ausgrabungen gefunden wurden. Die Widmung des Tempels an die Göttin Minerva ergab sich genau aus diesem Fund, obwohl auf einer Votivtafel, die Jahrhunderte später gefunden wurde, zu lesen ist, dass der Tempel Herkules gewidmet war. Palladio hatte nicht einmal all die Löcher dargestellt, die den Architrav und das Tympanon über den Säulen umgaben. Was war das? Der Mann war zunächst überrascht, aber dann wurde ihm sofort klar: Es waren die Löcher für die Befestigung der bronzenen Buchstaben zu Ehren der Errichter des Tempels: die Brüder Cesio, Gneo Tirone und Tito.

Er beobachtete stundenlang das Gebäude vor sich. Er hatte nicht das geringste Bedürfnis, das Innere zu betreten und zu erkunden, denn er wusste, was ihn erwartete: das Kirchenschiff einer einfachen und modernen Barockkirche, die einige Jahre zuvor fertiggestellt wurde, und daran war er nicht besonders interessiert. Aber er wollte die Kirche dennoch betreten, und dabei erfüllte seine Reaktion nicht seine Erwartungen. In den vergoldeten Stuckarbeiten, in den Fresken von Francesco Appiani, die das Gewölbe schmückten, im funkelnden Altar, der das klassische Motiv der Fassade aufgriff, fand der Mann ein außergewöhnliches Gefühl der Spiritualität. Eine ewige Spiritualität, die in diesem eher einzigartigen als seltenen Fall seit ihrer Entstehung immer wieder das Gebäude durchdrungen hat. Vielleicht sogar schon früher. In einem Moment erkannte er, dass der Ort, an dem er sich befand, vielleicht der älteste heilige Ort der Welt war. Die Kraft seiner Heiligkeit hatte ihn über die Jahrtausende bewahrt und ihn vor Invasionen, Bürgerkriegen, Hungersnöten und Naturkatastrophen geschützt. Das Kreuz, die Engel und Heiligen, die in diesem Raum dargestellt wurden, schienen für ihn eine noch tiefere Bedeutung einzunehmen als sie schon hatten, falls dies möglich war.

Er bemerkte, dass er seinen Hut nicht abgenommen hatte, er schämte sich dafür, obwohl in diesem Moment niemand da war, und behob diese Unachtsamkeit hastig. Die breite Krempe erzeugte eine Luftzug, und das Licht in der Kirche, das größtenteils von einer Gruppe aus Kerzen in der Nähe stammte, flackerte für einen Moment, wie ein Husten, der von Peinlichkeit ablenkt.

Als er wieder draußen in der Sonne war, war er vom Licht und von der aufregenden Beobachtung erschüttert. Auf einmal stand er vor vier Männern, die in der Zwischenzeit von der mitten auf der Piazza abgestellten Kutsche angezogen wurden.

Doktor!”, bedrängen sie ihn. „Möchten Sie nicht die Basilika unseres geliebten Franziskus ansehen? Sie werden sehen, wie viel Kunst in ihr verborgen ist.“ Der Mann öffnete leicht seine Augen und sprach: „Hm? Ähm…nein, danke“.

Die Männer waren überrascht, fast schon sprachlos, und eine Sekunde später verwandelte sich ihr schurkisches Lächeln in ein argwöhnisches Grinsen. „Was? Nicht einmal eine Spende haben Sie für den Armen übrig? Das zeugt nicht von gutem Verhalten“.

Johan Wolfgang von Goethe beobachtete sie genauer, nahm schnell eine Hand voll Silbermünzen aus der Tasche, überreichte sie den Männern und stieg wieder in seine Kutsche, die mit quietschenden Rädern und wiehernden Pferden so schnell verschwand wie sie gekommen war.

[Frei übersetzt aus Goethe, J., W., Italienische Reise 1786-87 (1787)]

Vom römischen Tempel sind heute noch die Vorhalle aus Marmor sowie andere kürzlich bei Ausgrabungen gefundene Elemente erhalten, darunter etwa die Seitenmauern und die Stützmauer des Erdwalls. Das Gebäude gehört der Art eines korinthischen Prostiltempels in Antis an und verfügt über eine Pronaos, die seitlich durch die Wände der Zelle begrenzt ist, mit sechs geriffelten Säulen, die auf hohen viereckigen Sockeln, Trabeation und Giebel stehen. Giotto stellte ihn im ersten der Fresken des Franziskanerzyklus der Basilica Superiore im Gemälde „Hl. Franziskus und der einfache Mensch“ dar. Das Innere der Zelle wurde bei den ersten Renovierungsarbeiten im 16. Jahrhundert zerstört. Das Fresko auf dem Gewölbe des einzigen Schiffes stellt „S. Filippo Neri in Gloria“ von Francesco Appiani dar. Die Gemälde, die die Seitenaltäre schmücken, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgeführt und zeigen den „Tod des Heiligen Andreas von Avellino“ von Anton Maria Garbi und den „Tod des Heiligen Josef“ des Österreichers Martin Knoeller. Der Hochaltar, der wie die meisten Kirchen mit Darstellungen von Engeln und Putten in vergoldetem Stuck verziert ist, enthält das Gemälde „Gott mit den Engeln“ des Malers und Architekten Giacomo Giorgetti, der auch Leiter der letzten Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche war, die etwa zwanzig Jahre vor der Ankunft Goethes fertiggestellt wurden.

Die Straße, die sich durch die Wälder windet und bis zum Eremeo delle Carceri führt, lässt eines der ältesten und rätselhaftesten Gebäude auf dem Monte Subasio verborgen. Das Kloster San Benedetto al Subasio erscheint unmittelbar außerhalb des dicht verwachsenen Waldes nach einer Kurve und ist in ihrer ganzen Ansehnlichkeit zu erblicken. Seine versteckte, jedoch gleichzeitig das gesamte darunterliegende Tal überragende Position, lässt sofort ihre strategische Bedeutung und ihre wichtige, dieses Gebiet beherrschende Rolle in der Vergangenheit erahnen.

Der Beginn der Geschichte verliert sich in den Labyrinthen des Hochmittelalters, aus dem nur sehr wenige, unstrukturierte Beweise zurückgeblieben sind, die keine sicheren Daten liefern. Die Elemente, an denen man sich orientieren kann, um diesem sehr alten Komplex ein genaues Alter zuzuweisen, beziehen sich auf einige Legenden, die von den Schriftstellern aus dem 17. Jahrhundert vermerkt wurden, darunter Vitale oder Iacobilli, die das Kloster – mit sehr viel Optimismus – auf die Lebenszeit des hl. Benedikt (S. Benedetto) selbst zurückdatieren. Beim Besuch der „Cripta triastila“ der Kirche, deren Name auf die besondere Form des Raumes zurückzuführen ist, wird sofort klar, dass die Füße nicht nur einen Boden aus roten Steinen, die im Fischgrätmuster verlegt wurden betreten, sondern einen geschichtsträchtigen Ort. Den neuesten Interpretationen zufolge geht die Krypta auf das 7. bis 8. Jahrhundert zurück und war das Gebäude eine christliche Kapelle, die bei der Umwandlung eines zuvor bestehenden, heidnischen Tempels entstand.

Ungenaue historische Belege beginnen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, als das Gebäude noch von der einflussreichen und blühenden Abtei Farfa in Sabina abhing und als Verwaltungszentrum der Benediktinermönche für die umliegenden Ländereien diente. Sichere Belege stammen erst vom späteren Erscheinen der Privilegien der Päpste Eugenio III. und Alessandro III. im 12. Jahrhundert sowie im darauffolgenden Jahrhundert, als das Gebäude an die Zisterziensermönche überging und über die Jahre zu einem Zufluchtsort für kriminelle Gruppen wurde, die in Assisi durch die häufig auftretenden Rivalenkämpfe verfolgt wurden. Dies stellte im Lauf der Zeit eine Gefahr für die regierenden Politiker dar, denn die Verbannten konnten ihre Streitigkeiten in Frieden unweit von der Stadt beilegen. So wurde dieses Kloster plötzlich von einem Ort des Kultes zu einem beliebten militärischen Bollwerk: Im 14. Jahrhundert wurde es zuerst auf Anordnung des Bannerträgers von Assisi teilweise zerstört, um anschließend vom Herr aus Perugia eingenommen zu werden. Vom Kloster bleibt nicht viel mehr als die Kirche übrig. Sogar der Kirchturm wurde zerstört, dessen einzige verbliebene Spur im Fresko von Giotto in der Basilica Superiore im Zyklus der „Geschichten über Franziskus“ erhalten ist.

Nach dem Einfall der Heere wurde das Gebäude über zwei Jahrhunderte lang vernachlässigt, um anschließend von verschiedenen, aufeinanderfolgenden klösterlichen Gruppen wieder bewohnt und restauriert zu werden. Im Jahr 1945 gelangte es in den Besitz der Benediktiner von S. Pietro di Assisi, die zwanzig Jahre Lang am Gebäude arbeiteten und es restaurierten, wodurch das Kloster sein heutiges Erscheinungsbild erhielt. Die Erdbeben, die sich in den letzten Jahren in der Region ereigneten, haben die Stabilität einiger Bereiche des Gebäudes beeinträchtigt, aber die Mönche haben erneut zu arbeiten begonnen, um diesem wichtigen Stück historischen und kulturellen Erbes seinen Glanz zurückzugeben und es wieder aufleben zu lassen.

Der Komplex besteht aus einer Reihe an Kloster- und Kirchengebäuden. Die Kirche ist im einfachen romanischen Stil gestaltet und verfügt über ein Schiff sowie über ein erhöhtes Presbyterium. Die Abdeckung ist eingestürzt und der Anblick, der einen beim Betreten der Kirche erwartet, ist wirkungsvoll. Unter dem Presbyterium befindet sich die romanische Krippe, die in fünf kleine Schiffe unterteilt und mit Säulen mit fein gemeißelten Kapitellen begrenzt ist. Beim Umherstreifen im Presbyterium findet man einen Grabstein mit einer alten Inschrift, der wahrscheinlich auf die darunter begrabene Person hinweist: ein Abt mit Mitra und Stab. Beim Weitergehen durch einige Gänge mit Bögen aus Stein, findet man den Zugang zum Herzstück der Abtei, die “Cripta triastila”, die bereits weiter oben erwähnt wird, die aus einem quadratischen Raum und einer halbrunden Apsis besteht. Im dreieckigen Bereich, der durch die Säulen begrenzt ist, befand sich wahrscheinlich der Alter oder ein Sarkophag. Die Aura der Altertümlichkeit und des Mysteriums wird Sie sofort ergreifen und erst wieder loslassen, wenn Sie sich wieder an der Oberfläche befinden.

Die Piazza del Comune ist der aus historischer Sicht wichtigste Punkt Assisis. Auf diesem Kreuzungspunkt, von dem die wichtigsten Verkehrswege im historischen Zentrum ausgehen, befinden sich Zeugnisse aus allen Epochen der Stadt – von den Überresten der römischen Kultur bis zu Zeugnissen aus unserer Zeit. An der Nordseite der Piazza folgen ohne Unterbrechung der Tempio di Minverva, die Torre Civica oder Torre del Popolo und der Palazzo del Capitano del Popolo aufeinander. Die beiden zuletzt erwähnten Gebäude sind nahezu gleich alt und entstanden am Ende des 13. Jahrhunderts, als in der jungen Gemeinde Assisi erstmals ein Verwalter ernannt wurde, der sich im gesamten mittelalterlichen Italien bewährte: der Capitano del Popolo (Volksvorsteher). Er war der Vertreter der aufkommenden Schicht der Popolares, die sich hauptsächlich aus Bürgern der unteren sozialen Schichten zusammensetzte, die durch ihr Geschäft reich wurden: Händler, Anwälte, Richter und Chirurgen. Der Capitano del Popolo musste ein politisches Gegengewicht zum Podestà darstellen, eine weitere Figur der Gemeindepolitik, der den Adel vertrat, der über alte herrschaftliche und ritterliche Privilegien verfügte. Neben diesen beiden Personen wurde der Rat durch die Vertreter von Kunst und Handwerk, die später als Priori anerkannt wurden, und durch die Gonfalonieri, Vorsteher von bewaffneten Militärkompanien aus den verschiedensten Kirchen der Stadt, zusammengesetzt.

Neben dem Palazzo erhebt sich der hohe Turm (Torre Civica) – mit ca. 47 m Höhe – der Ursprünglich errichtet wurde, um die Familie des Capitano del Popolo zu beherbergen. Angelo di Latero aus Perugia, ein Capitano aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, ließ an der Basis des Turms die damals geltenden Referenzmaße für Bauherren und Händler einmauern. Noch heute ist die Dicke der Ziegel, der Dachziegel, der Fliesen und der Hohlziegel zu sehen, die in der Stadt verwendet wurden. Daneben befinden sich drei Eisenstäbe, die die Länge des Stabes, des Pfades und der Spanne angeben. Damit wurden beim Tausch von Waren hauptsächlich die Stoffe abgemessen.

Im 15. Jahrhundert wurde der Turm abgetreten, um die Sala delle udienze del Collegio dei Notai, eine weitere wichtige Macht in der Stadt, errichten zu lassen. Dies bezeugt das zufällig errichtete Portal, an dem oben die typischen Arbeitsgeräte der Notare zu sehen sind: Buch, Stift und Tintenfass. Wenig später wurde auch das Holztor nach dem Modell des majestätischen Tors des Collegio del Cambio (Austauschgilde) in Perugia in Auftrag gegeben.

Über den Lauf der Jahre wurden die Räume des Torre Civica und des Palazzo del Capitano del Popolo vielseitig genutzt. Heute wird ein Teil der Räume von einer kleinen Carabinieri-Kaserne eingenommen, um daran zu erinnern, dass das Gebäude nach acht Jahrhunderten noch immer eine wichtige Rolle in der Stadt einnimmt. Beim Betreten der Piazza del Comune zieht der Turm sofort alle Blicke auf sich und sorgt für Erstaunen – sowohl aufgrund seiner Größe wie auch aufgrund seines eindeutig mittelalterlichen Erscheinungsbildes, das nicht zuletzt auch den deutlich erkennbaren Ghibellinenzinnen zu verdanken ist, die die Dächer der beiden angrenzenden Gebäude zieren. Die Ironie des Schicksals sorgt dafür, dass ausgerechnet der am ältesten erscheinende Bestandteil am wenigsten alt ist. Die Zinnen waren tatsächlich Teil einer “leichtsinnigen” Restaurierung, angeleitet vom Architekten Ruggero Antonelli im Jahr 1926, anlässlich des siebenhundertsten Todestages von hl. Franziskus, in deren Rahmen auch der gegenüberliegende Palazzo dei Priori restauriert wurde. Ursprünglich waren die Dächer dieser Gebäude anders als man vermuten möchte nicht mit Zinnen verziert – die hauptsächlich auf Gebäuden zur Verteidigung und nicht zur Verwaltung angebracht wurden – sondern mit einem schrägen Dach bedeckt. Eine anachronistische, und man könnte sagen auch etwas “hinterlistige” Maßnahme, die unsere Vorstellung vom Mittelalter nutzt, um tatsächlich eine Veränderung vorzunehmen, die die Authentizität mindert, aber zweifelsohne die Wirkung und die Schönheit des Ortes, den wir besuchen, steigert. Vielleicht hätten viele von uns ein gewöhnliches, authentisches geneigtes Dach den wunderbaren, jedoch falschen Zinnen bevorzugt. Nun kennen Sie die Wahrheit und können selbst entscheiden. Das ist am wichtigsten.

Ab dem Ende des 13. Jahrhunderts kaufte die entstehende Gemeinde von Assisi drei Gebäude, die sich im südlichen Bereich der Piazza Maggiore, heute Piazza del Comune genannt, um sie zusammenzulegen und einen einzigen, großen Palazzo daraus zu machen, der der Öffentlichkeit zugänglich war und die wichtigsten institutionellen Organe zur Führung des Ortes enthielt. Der Palazzo dei Priori ist heute ein eleganter Komplex aus Gebäuden in weißem Ziegel, errichtet nach dem mittelalterlichen architektonischen Stil Assisis und in der Mitte offen mit einem Bogen, durch den die Hauptader des historischen Zentrums verläuft: die Via dell’arco dei Priori. Diese verläuft von der Piazza nach unten ins Tal und führt zur Porta del Mojano auf der alten Straße nach Bettona. Der Name des Palazzo leitet sich von seinen Bewohnern ab, die ihn ab den 30er-Jahren des 14. Jahrhunderts bewohnten. Die Priori waren die Vertreter der Zünfte der Künstler und Handwerker – entspricht den heutigen Verbänden, die jedoch viel einflussreicher sind – und ihr Gericht befand sich der Beletage des Gebäudes. Wie aufgrund der heutigen Gliederung des Gebäudes zu vermuten ist, befand sich im Erdgeschoss eine Galerie, in der ein Bereich Geschäften gewidmet war, die an Handwerker und Händler vermietet wurden. Die Mieteinnahmen waren wiederum notwendig, um die sehr hohen Erhaltungskosten für den Palazzo sowie die Lebenskosten der Bewohner finanzieren zu können. Letztere nahmen auf niemanden Rücksicht, um diese Kosten tragen zu können. Im hinteren Bereich des Palazzo, im Erdgeschoss, auf dem stützenden „Schuh“, der zur Verstärkung des Gebäudes dient, befinden sich weitere bogenförmige Tore, die den Toren an der Hauptfassade ähnlich, jedoch kleiner und unauffälliger sind. Hier, im verstecktesten Bereich der „Rückseite der Geschäfte“, wurde 1341 das Bordell der Stadt errichtet, das gut 20 Jahre später in den Palazzo Nuovo unterhalb das wunderschöne Gemälde Volta Pinta, das im 16. Jahrhundert mit raffinierten Grotesken verziert wurde.

Im Jahr 1442 bestürmte der vom verfeindeten Perugia bezahlte Niccolò Piccinino mit seinem Heer aus 20.000 Mann Assisi. Er gelangte anhand einer Lücke im Wassersystem der Stadt nach Assisi, legte es in Schutt und Asche und ließ dabei auch Frauen und Kinder nicht außen vor. Der Palazzo dei Priori erlebte kein gutes Schicksal und wurde schwer beschädigt, jedoch wurde er auf Wunsch von Papst Sixtus IV. und der Kardinäle Orsini und Savelli schnell wieder restauriert. Ein Gedenkstein oberhalb des Arco dei Priori dient als Erinnerung daran. Im Zuge der Restaurierung wurde der Palazzo erweitert und umfasst rechts außen auch den Monte di Pietà und die Residenz des apostolischen Herrschers, der direkt vom Papst entsendet wurde, um mehr Kontrolle über die Gegend der verfeindeten und rebellischen Ständte Perugia und Assisi zu haben.

Die Welfenzinnen, die auf dem Dach eines Gebäudes des Komplexes sowie auf dem gegenüberliegenden Palazzo del Capitano del Popolo und auf der Torre Civica zu sehen sind, wurden später hinzugefügt und gehen nicht auf die mittelalterliche Ära des Palazzo zurück. Sie wurden während des Faschismus im Rahmen einer großen Renovierung der Piazza errichtet, die anlässlich des siebenhundersten Jahrestates des Todes von hl. Franziskus stattfand.

Im Inneren des Palazzo dei Priori, der heute die Büros der Stadtverwaltung beherbergt, sind noch die Sala del Consiglio und die Sala degli Stemmi erhalten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, als Assisi dem Königreich Italien angeschlossen wurde. Die Fresken und die Einrichtung stammen von Alessandro und Carlo Venzani, bekannte Künstler aus der Region.

Eine der schönsten Erfahrungen, die man in Assisi machen kann, ist mit Sicherheit jenen Bereich des historischen Stadtteils zu erkunden, der versteckt, mysteriös und dem Großteil der Touristen unbekannt ist. Ohne den wunderbaren Kirchen und Gebäuden an der Oberfläche Abbruch zu tun, beherbergt die Stadt einen faszinierenden und außergewöhnlichen unterirdischen Bereich, der immer mehr hervorzukommen erscheint, um aus der Dunkelheit aufzublühen und seine verdiente Anerkennung zu erhalten. Jeden Tag wird ein kleines Stück des römischen und prärömischen Lebens in Assisi entdeckt und der Domus del Lararium ist eines der neusten Fundstücke, sodass die Ausgrabungen und die Erforschung dieses wunderbaren Ortes noch nicht abgeschlossen wurden.

Im Jahr 2001 wurden im Zuge der Arbeiten, die unterhalb des Palazzo Giampè durchgeführt wurden, um einen Lift zu errichten, Reste von antikem Stuck auf römischen Kapitellen gefunden wurden, die die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf sich zogen. Die Untersuchungen wurden fortgeführt und das, was unter dem Palazzo – in dem sich heute das Gericht befindet – gefunden wurde, übertraf alle Erwartungen. Die Kapitelle waren Teil von drei Säulen mit vier Metern Höhe aus dem 1. Jahrhundert, als das römische Reich von Kaiser Nero beherrscht wurde. Es waren die Säulen des Innenhofs, auch Peristyl genannt, eines typischen römischen Domus. Aufgrund der Form und Größe des Peristyls wurde angenommen, dass rundherum mindestens dreizehn weitere Räume liegen müssen. Dieser Schatz konnte nicht verborgen bleiben. Zuerst wurde ein Wohnraum und unmittelbar danach ein Triclinium, ein wichtiger Bestandteil jedes römischen Hauses, gefunden, auf dem sich ein Großteil des Soziallebens abspielte – bequem liegend und essend. Bei ihren Arbeiten an den Ausgrabungen fanden die Forscher zahlreiche Hindernisse vor, die sowohl wirtschaftlicher als auch struktureller Natur waren. Die Palazzi des 17. Jahrhunderts, die sich über dem Domus befinden, wurden nicht so errichtet, dass ihre Fundamente auf den römischen Mauern und Säulen befinden, sondern – wie dies so oft der Fall ist – einfach nur auf dem Boden. Die Projektplaner wussten wahrscheinlich nicht einmal, was sich unter ihren Füßen befand, als die ersten Steine gelegt wurden. Dadurch ist der Domus über die Jahrhunderte perfekt aufrecht erhalten geblieben, konnte jedoch von den Forschern nicht zur Gänze erforscht werden, da ansonsten die darüberliegenden Gebäude eingestürzt wären.

So wurden die Arbeiten unter zahlreichen Schwierigkeiten und Schwerfälligkeiten fortgesetzt, und fast 10 Jahre nach der ersten Entdeckung wurden alle Anstrengungen belohnt. Aus dem Inneren der Erde kam diesmal das Cubiculum, das Schlafzimmer hervor, das in vollem Glanz erstrahlte. Ein Raum, der laut den Einrichtungs- und anderen Gegenständen, die  hier gefunden wurden, wahrscheinlich der Hausherrin gehörte. Das lebhafte und leuchtende Rot der Wände war gut erhalten und lediglich durch raffinierte Wandmalerei-Zyklen unterbrochen, die ein Hochzeitsbild mit einem verliebten Mann und einer verliebten Frau sowie vier elegante Damen, die eine fünfte Dame beobachten, die mit einer Magd am Schminktisch steht, darstellen. Am Boden fanden die Archäologen zahlreiche Haarspangen und ein Oscillum, einen großen Talisman aus Marmor im Form eines Halbmondes, der an der Decke aufgehängt wurde und sich bei Wind bewegte, um das Haus zu schützen und Glück zu bringen. Die kleine Skulptur befand sich auf dem Boden, der aus einem wertvollem Mosaik mit weißen und schwarzen Steinen besteht, und war zerbrochen. Das Profil der beiden gemeißelten Gesichter – eines gegenüber vom anderen – die den Halbmond verzieren, sahen sich nicht mehr an. Der Talisman war wahrscheinlich im Lauf der Zeit zerbrochen, da er durch ein plötzliches,  heftiges Ereignis zu Boden fiel. Dieses Ereignis war auch dafür verantwortlich, dass der Domus von seinen Bewohnern schnellstmöglich verlassen werden musste. Vielleicht ein Wasseraustritt aus der nahegelegenen Zisterne, vielleicht auch etwas anderes. Sicher ist jedoch, dass die Bewohner ihr Haus schnell und in großer Hetze verlassen mussten, ohne dass sie dabei die Möglcihkeit hatten, ihre Habseligkeiten mitzunehmen.

Die Theorie der plötzlichen Flucht wurde außerdem durch ein weiteres Element bestätigt, das für einen Ort dieser Art sehr ungewöhnlich war und so zum namensgebenden Element wurde. Auf der Schwelle des Cubiculum, über einem kleinen Altar aus Terrakotta, stand über Jahrhunderte eine kleine Statue. Der Altar war ein Lararium, wovon sich der Name des Domus ableitet, und die Statue war ein Lar, also ein römischer Gott, der Haus, Familie und Aktivitäten beschützen sollte. In einem Domus gab es nichts Wichtigeres, daher musste der Grund, aus dem die Bewohner das Haus verlassen hatten, ohne zuerst die wertvolle Statue in Sicherheit zu bringen, wirklich triftig gewesen sein.

Die Archäologen, die den Domus nach gut 2.000 Jahren zum ersten Mal betraten, konnten genau diesen Moment erleben, als ob unterirdisch die Zeit zusammen mit allen anderen Gegenständen stehengeblieben wäre.

Die Kirche Santa Maria Maggiore ist ein weiteres uraltes und wertvolles Zeugnis für die historische Tiefe dieser Stadt. Der Ort, an dem sich die Kirche erhebt ist unglaublich vielschichtig und nur an wenigen anderen Orten kann so tief in die vor allem sehr gut erhaltene Geschichte in sieben Metern höhe eingetaucht werden. Dieser Ort, den es noch zu erkunden und erforschen git, war ein Haus, das einer reichen Persönlichkeit der Stadt gehörte, wahrscheinlich einem Dichter; Wahrscheinlichkeit war es ein heidnischer Tempel, der anschließend zu einer frühchristlichen Kirche wurde, die gemäß der Tradition des Bischofs Savinio im IV. Jahrhundert gegründet wurde. Ihre Fassade änderte sich bis ins 12. Jahrhundert mehrmals. Dann aber nahm sie die heutige Form an. Als Bestätigung ihrer endgültigen Version ist auf der einzigen Rosette der Fassade folgende Inschrift zu lesen: “ANNO DOMINI 1162 IOHANNES FECIT”. Der in der Inschrift erwähnte Iohannes ist wahrscheinlich Giovanni da Gubbio, der einige Jahre zuvor die Cattedarle di San Rufino geplant hat.

An diesem Ort, wo – wie auch im übrigen Assisi – die Geschichte gekonnt mit dem Mythos verflochten ist, erfolgte eines der wichtigsten Ereignisse der Geschichte von Franziskus: die „Spogliazione“, also der Moment des vollständigen Überganges von Franziskus zur christlichen Mission. Bischof Guido, ein Freund des jungen und ambitionierten Aristokraten, der an diesem Ort symbolisch und physisch sein ganzes Besitztum abgelegt hat, ist einer der Hauptdarsteller der Geschichte. Die Spogliazione erfolgte während eines Ereignisses, bei dem Franziskus angeklagt wurde und in die Räumlichkeiten des Bischofssitzes einberufen wurde. Letzterer befand sich damals in der Kirche Santa Maria Maggiore. Pietro di Bernardone beschuldigte seinen Sohn öffentlich viele Güter der Familie ohne seine Zustimmung verschwendet zu haben, um sie Armen zu schenken. Dabei hoffte er, dass durch das öffentliche Urteil auf der Piazza der Verstand zu seinem Sohn zurückkehrte. Franziskus reagierte darauf, indem er sich vollständig entkleidete und vollkommen Nackt seine Kleidung dem Vater als letzte Gegenstände, die ihm gehörten, übergab. Diesen Schritt schloss er mit folgendem berühmten Satz ab, mit dem er sich endgültig Gott anschloss: „Bislang habe ich dich als meinen Vater auf Erden angesehen; nun kann ich mit Sicherheit sagen: Vater unser, der du bist im Himmel, denn ihm habe ich all meine Schätze anvertraut und in ihn habe ich mein Vertrauen und meine Hoffnung gelegt“.

Während sich Bischof Guido beeilte Franziskus mit seinem Mantel zu bedecken und ihm die Menschenmenge zujubelte, verstand Pietro di Bernardone, dass er keine Anschuldigungen mehr vorbringen konnte, weil Franziskus nicht mehr sein Sohn war. Im Lauf der Jahrhunderte haben viele von der Spogliazione berichtet, doch am besten gelang der Bericht wohl Giotto, der die Szene in seinem Freskenzyklus zur Geschichte des Heiligen in der Basilica Superiore di San Francesco verewigte. Es ist nicht sicher, an welchem Ort dieses Ereignis tatsächlich stattfand, es gibt drei Hypothesen: im Thronsaal des Bischofspalastes, heute als Sala della Spogliazione bezeichnet, im davor liegenden Kreuzgang oder direkt im Freien, auf dem Platz vor der Kirche. Alle drei Orte sind öffentlich zugänglich. Besuchen Sie sie und machen Sie sich selbst einen Eindruck davon, wo die Angelegenheit vonstatten gegangen sein könnte.

 

Die Fassade im romanischen Stil enthält als einzige Dekorationselemente die Rosette mit acht Armen und zwei vertikale Rippenlinien, die drei Bereiche einteilen, die im Inneren mit den Bereichen der Schiffe übereinstimmen. Am Boden zwei schüchterne Tore – ein großes Tor in der Mitte, ein sehr kleines Tor links. Sie sind die einzigen Zugänge und die einzigen Elemente, die dieses rosige, steinerne Meer unterbrechen. Santa Maria Maggiore zeichnet sich durch einen außergewöhnlich einfachen Baustil aus und stellt die Idee der Franziskanerkirche, die in Assisi verbreitet war, mit großer Wahrscheinlichkeit am besten dar. Tatsächlich weist ein Stein an der Rückseite, außen an der Apsis, darauf hin, dass im Jahr 1216 Renovierungsarbeiten erfolgten. In diesem Jahr war Franziskus noch am Leben und aufgrund seiner Nähe zu Bischof Guido könnte er auf irgendeine Weise das Aussehen der Kirche entsprechend seiner Grundsätze beeinflusst haben.

Der Innenbereich zeichnet sich wie bereits erwähnt durch drei Schiffe aus und ist mit Fresken, oder mit dem, was noch von den Fresken übrig ist, verziert. Viele der Kunstwerke, die die Wände und Säulen der Kirche bedeckten, haben sich über die Jahrhunderte gelöst, und der Rest scheint zufällig unter dem weißen Putz angeordnet zu sein, der mit rohen Ziegeln abwechselt, wie die letzten Blätter, die stur an den winterlichen Zweigen hängenbleiben. Einige der dargestellten Persönlichkeiten, die auf den Beginn des 14. Jahrhunderts zurückgehen, sind deutlich erkennbar, andere sind hingegen nur Farbflecken, die die Zeit nur schwer wegwischen kann. Beim Hinuntergehen in die Krypta erfolgt die erste Zeitreise in das Innere der vorchristlichen Basilika. Unter den niedrigen Ziegelbögen sind einige romanische Kapitelle und ein Sarkophag aus Stein aus dem Zeitalter der Longobarden, der auf das 9. Jahrhundert zurückgeht, zu sehen. Nach einem weiteren Abstieg gelangt man über die Krypta zu einer weiteren Schicht, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts während Ausgrabungen von Studierten aus der Gegend gefunden wurde.

Was man nun erblickt sind die Reste eines Domus, eines römischen Hauses oder genauer eines Kryptoportikus, also des Eingangs zum Untergeschoss, der in der Antike der Verbindung der verschiedenen Räume in einem Gebäude diente. Dieser Kryptoportikus wurde von einigen als jener des Hauses, in dem Sesto Properzio in seiner Jugend lebte, anerkannt. Er war einer der größten Dichter des imperialen Roms und arbeitete am Hof von Kaiser Augustus. Dank seiner Elegien, eine besondere Art der Poesie griechischen Ursprungs, die im Mittelalter wieder aufgenommen und von Autoren wie Carducci, Leopardi, D’Annunzio und Goethe zu neuem Leben erweckt wurden, ging er in die Geschichte ein. In Wahrheit ist die Theorie des Besitztums des Hauses durch den Elegiendichter jedoch ein Mysterium. Die These wird durch die Analyse eines entlang der Wände des Domus gefundenen Zeichnung bestätigt, die ein Besucher zwei Jahre nach der wahrscheinlichen Errichtung angebracht hat, um ein Zeichen für seine Anwesenheit zu setzen – ähnlich der Schnitzereien in Bäumen von Verliebten. Das, was heute als ein Vandalenakt gelten würde, wurde im 18. Jahrhundert paradoxerweise zu einem Zeugnis von unschätzbarem Wert. Die Schrift ist nicht eindeutig leserlich und weist einige Auslassungen auf, aber sie wurde wie folgt interpretiert: „Am 22. Februar des Jahres 367 habe ich unter den Konsulen Giovino und Lupicino das Haus der Muse geküsst“. Margherita Guarducci, die die Inschrift entdeckt und sich ihrer Erforschung sowie den Ausgrabungen in den 70er-Jahren gewidmet hat, war der Meinung, dass das Wort „Muse“ für den Geist der Poesie steht und daher eine metaphorische Übersetzung von „Dichter“ sein könnte. Die Vorstellung liegt darin, dass dieses Haus im 4. Jahrhundert schon ein Ort des Kultes betreffend den großartigen, in Assisi geborenen Poeten war und von vielen Neugierigen und Anhängern besucht wurde. Vielleicht ein Museum ante litteram oder ein Tempel, auf jeden Fall ein öffentlicher und nicht ein privater Ort, an dem alle, die ihn betraten, die Möglichkeit hatten eine Inschrift wie diese zu hinterlassen. Außerdem wurden im Rahmen der Ausgrabungen im Inneren des Domus Teile eines Gedenksteines gefunden, der auf einen Mann mit dem Namen „Sex. Propertius“ (Sextus?) als Auftraggeber für das Theater der Stadt hinweist.

Um zu erfahren, wem diese Räumlichkeiten gehörten oder wozu sie dienten, müssen wir noch einige Zeit warten, aber dadurch wird die außergewöhnliche Schönheit ihrer Machart nicht beeinträchtigt. Der Teil des Domus, der aus dem Boden herausragt und mit den alten mittelalterlichen und römischen Mauern verbunden ist, besteht aus vier Haupträumen, drei Sälen und einem langen Gang. Die Dekorationen an Böden und Wänden sind besonders gut erhalten und leicht zu erkennen. Am Boden befinden sich wertvolle Stücke aus hochwertigem Marmor, die entsprechend der Technik „opus sectile“ angeordnet sind, um bunte, geometrische Muster entstehen zu lassen. Auch die Fresken, die neben den Wänden wahrscheinlich auch die Decke bedeckten, verfügen noch immer über eine besonders lebendige Farbe. Eine besondere Erwähnung betrifft das Viridarium: Ein Fresko, das eine Nische im Inneren des Gangs einnimmt und auf dem ein idyllischer Garten aus Zweigen mit kleinen, roten Blüten in Herzform dargestellt ist. In diesem Garten sitzen 96 zwitschernde Vögel. Zwei der Fresken sind gut erkennbar: Das erste Fresko ist eine mythologische Darstellung von Apollo, das außerdem bezeugt, dass sich hier auch ein Orakeltempel befand; das zweite bereitete den Forschern viel Kopfzerbrechen und zeigt zwei dargestellte Menschen, deren Gesichter ähnlich eines Erstentwurfs skizziert wurden: eine ungewöhnliche Technik, die sonst nirgendwo vorkommt.

Wenn Sie all diese Mysterien zu sehr verwirren, können Sie nach draußen in die Gärten der Kirche gehen und dort frische Luft schnappen, die Reste der alten Stadtmauer besichtigen und den Geist ruhen lassen, während Sie das Panorama des Tals erblicken.

Wer nicht mehr länger durch die überfüllten Straßen Assisis spazieren möchte, für den gibt es einen Ort außerhalb der Stadt, an dem „besichtigen“ nicht nur „beobachten“ und mehr oder weniger Informationen erhalten bedeutet. Diesen Ort zu besuchen bedeutet dank seiner Geschichte, Position und Atmosphäre ein einzigartiges Erlebnis rundum „wahrzunehmen“. Das Leben ist hier weit ruhiger als außerhalb. Die Gerüche und Geräusche, die wahrzunehmen sind, entsprechen genau jenen von vor 800 Jahren. Es wird schnell klar, dass im Eremo delle Carceri, gut fünf Kilometer vom Zentrum in Richtung Berg Monte Subasio entfernt, der Frieden, die Betrachtung und die Spiritualität, die in den Räumen der Franziskaner im Mittelalter wahrzunehmen waren, so wirklich wie an keinem anderen Ort sind.

In der Antike wurde mit dem lateinischen Wort carceres nicht nur ein Ort der Strafe, sondern auch ein Ort des Rückzugs, der Buße und der Einsamkeit bezeichnet.  Genau das machten Franziskus und seine Mitbrüder, als sie die kleine Cappella di S. Maria (Kapelle zur Hl. Maria) erreichten und sich in die natürlichen Grotten und Schluchten zurückzogen, die ihnen die Bergwelt dort in der Nähe bot, um zu beten und zu meditieren. Nur die Kapelle wies ursprünglich auf diesen Ort hin. Sie wurde Franziskus – wie auch der Rest der Porziuncola – von den Benediktinermönchen der Gegend Subasio geschenkt. Später errichteten die Ordensbrüder dort in der Nähe einen kleinen Gebetsraum, und im 15. Jahrhundert wurde nach Anordnung des Ordensvorstandes S. Bernardino da Siena (Hl. Bernhardin von Siena) aus der kleinen Kapelle eine – ebenfalls kleine, jedoch besser strukturierte – Kirche und der dreieckige Kreuzgang, der auf das Tal und die waldige Rückwand des Berges hin ausgerichtet ist wurde hinzugefügt.

Im Lauf der Zeit fügten die Franziskaner, die Eremo seit jeher verwalteten, dem kleinen Komplex weitere Bauten hinzu. So nahm das Gebäude im 19. Jahrhundert seine endgültige Form an. Die Regel, nach der die Brüder einfache und unbearbeitete Gebäude errichten mussten, einerseits, und ihr Einfallsreichtum und ihre Kreativität andererseits, ermöglichten die Errichtung dieses außergewöhnlichen Komplexes, der sich teilweise vom ihn umgebenden Felsen abzuheben und teilweise damit zu verschmelzen scheint.

Heute können die originalen Räumlichkeiten wie die Kapelle, der Gebetsraum und die Grotten, die Franziskus und seine ersten Mitbrüder nutzten, um dort ihre Momente der Einsamkeit und Meditation zu verbringen, besichtigt werden. Die Grotta di Francesco (Grotte des Hl. Franziskus), die erste beim Hinabgehen zur Kapelle, die in den Wald hineinführt, enthält nur zwei „Einrichtungsgegenstände“, die selbstverständlich auch aus Stein bestehen: eine ebene Fläche, die zum Schlafen genutzt wurden, und ein Felsblock, der wahrscheinlich als Sitzgelegenheit diente. Ein kleines Loch im Boden der Grotte weist traditionsgemäß auf die Stelle hin, in der der Teufel verschwand, nachdem er mehrmals versucht hatte den Heiligen zu verführen. Außerhalb der Grotte windet sich ein Steig zu den jahrhundertealten Steineichen. Entlang dieses Steiges sind noch weitere historische Grotten zu finden, in die sich Leone, Egidio, Silvestro, Bernardo da Quintavalle und Andrea da Spello zum Beten zurückzogen. Eine der ältesten Steineichen, die mit einem Schild gekennzeichnet ist, das auf die Ära von Franziskus zurückgehen könnte, wurde in der Vergangenheit als der Baum der berühmten Vogelpredigt gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um eine Episode aus der Heiligengeschichte von Franziskus, die ihn würdigt, zusammen mit der Komposition des Sonnengesangs, der so erscheint, als wäre Franziskus der erste Mensch auf Erden gewesen, der die Prinzipien des Umweltschutzes und des Respekts gegenüber der Natur verbreitet hat.

Heute wissen wir, dass die Predigt nicht nur einmal erfolgte, sondern mehrmals an verschiedenen Orten. Historische Quellen bezeugen, dass die am nächsten zu Assisi gelegene Predigt nicht bei Eremo delle Carceri, sondern in der Umgebung von Cannara, einem kleinen Ort am Fuß des Gebirges, stattfand. Weiter über den Steig verbindet eine Brücke zwei Vorsprünge des Felsens. Zwischen diesen Vorsprüngen liegt ein tiefer Graben. Der Legende zufolge beherbergte der Graben ursprünglich einen Wasserlauf, den Franziskus mit der Hilfe Gottes trockengelegt hatte, denn er störte die Meditation. In Wirklichkeit haben einige Studien gezeigt, dass aufgrund der Beschaffenheit des Karst dieses Gebirges die oben am Berg gelegene Quelle immer wieder unterbricht und im Durchschnitt alle 20-30 Jahre wieder zu fließen beginnt. Die Volkstradition bringt solche Ereignisse mit einigen Unheilen im Lauf der Jahre in Verbindung und sieht das erneute Fließen der Quelle als ein unheilvolles Vorzeichen an. Auf der anderen Seite der Brücke gelangt man zur Cappella di Santa Maddalena (Kapelle zur Hl. Magdalena), unter der im Jahr 1477 Barnaba Manassei, ein Franziskaner, der die Monti die Pietà – Kreditinstitute, die zum ersten Mal auch den ärmsten Staatsbürgern zugänglich waren – ernannt hatte, begraben wurde.

Eremo delle Carceri ist ein Ort komplexer Verflechtungen, der allen Besucher die Möglichkeit eines einzigartigen Erlebnisses, der weit über eine touristische Besichtigung hinausgeht, bietet. Geschichte verschmilzt mit Legende, Natur umhüllt Spiritualität und vor allem vereint sich die Vergangenheit mit der Gegenwart. Die Realität, die inner- und außerhalb der kahlen und strengen Mauern verborgen liegt, ist seit Jahrhunderten gleich. Beim Beobachten des Lebens, das ein Ordensbruder heute im Eremo führt, bekommt man einen weltweit seltenen und wertvollen Einblick in die Vergangenheit, um zu verstehen, wie Franziskus die Regel für sein Leben hier wie folgt festgelegt hat:

[136] Coloro che vogliono condurre vita religiosa negli eremi, siano tre frati o al più quattro. Due di essi facciano da madri ed abbiano due figli o almeno uno. I due che fanno da madri seguano la vita di Marta, e i due che fanno da figli quella di Maria.

[137] E questi abbiano un chiostro, nel quale ciascuno abbia una sua piccola cella, nella quale possa pregare e dormire. E sempre recitino compieta del giorno, subito dopo il tramonto del sole, e cerchino di conservare il silenzio e dicano le ore liturgiche e si alzino per il mattutino, e prima di tutto ricerchino il regno di Dio e la sua giustizia. […] E quei frati che fanno da madri procurino di stare lontani da ogni persona e, per obbedienza al loro ministro, custodiscano i loro figli da ogni persona, così che nessuno possa parlare con essi. E questi figli non parlino con nessuna persona se non con le loro madri e con il ministro e il loro custode, quando piacerà ad essi di visitarli, con la benedizione del Signore Iddio.

[138] I figli però talora assumano l’ufficio di madri, come sembrerà loro opportuno disporre per un necessario avvicendamento, e cerchino di osservare con attenzione e premura tutte le cose sopraddette. […]

(Fonti Francescane, Regola di Vita negli eremi)

Unser Tipp? Kaufen Sie sich eine Landkarte mit den Wanderwegen am Berg Monte Subasio nehmen Sie außerhalb des östlichen Ortsteils von Assisi einen der zahlreichen Wege im Park, die nach Eremo führen. Der anstrengende Aufstieg wird die Schönheit dessen, was Sie umgibt, nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: Sobald Sie das Ziel wie tausende Menschen vor der Errichtung der Asphaltstraße im vergangenen Jahrhundert schon vor Ihnen, wird alles noch authentischer wirken.

Unmittelbar unterhalb der Piazza del Comune befand sich ein altes Haus im Besitz eines Einwohners von Assisi, genauer Giambattista Bini. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war dieses Haus ein Ziel für Pilger, denn einige Dokumente bezeugten, dass es einem Neffen von Franziskus, Piccardo D’Angelo, vererbt wurde. Diese Beweise ließen die Annahme entstehen, dass genau in diesem Haus der Sohn des reichen Textilhändlers Pietro di Bernardone seine Kindheit verbrachte und die Inspiration für seine späteren heiligen Missionen erhielt. Bini schien sich jedoch nicht besonders für die Geschichte dieses so wichtigen Ortes zu interessieren, denn am Beginn des 17. Jahrhunderts war das Gebäude teilweise vernachlässigt. Der damalige Vorsteher der Ordensbrüder, ein Spanier mit dem Namen Antonio de Trejo, erkannte jedoch die Bedeutung des Gebäudes, auch wenn der Orden zur damaligen Zeit nicht mehr im Glanz der vergangenen Jahrhunderte erstrahlte und nicht über ausreichend Geld verfügte, um Arbeiten zu veranlassen, die dem Elternhaus von Franziskus wieder Leben einhauchten und es würdig erschienen ließen. Der Ordensbruder gab sich jedoch nicht geschlagen und es begann ein langer Zeitraum, über den reger Schriftverkehr samt Apellen an die Wohltätigkeit von freiwilligen und vermögenden Wohltätern erfolgte. Der Kult des Hl. Franziskus war damals im besonders katholischen Königreich Spanien weit verbreitet, aber Antonio de Trejo konnte sich nicht einmal vorstellen, dass einer der ersten, der auf seine Schreiben antwortete kein geringerer als der König, Philipp III., höchstpersönlich war. Am 27. November 1614 übermittelte der spanische Botschafter des Heiligen Stuhls die Bitte des Vorstehers um eine außergewöhnliche Zuwendung von 6.000 Dukaten an den König, um das Haus kaufen und in einen Wallfahrtsort verwandeln zu können. Der König unterzeichnete die Bitte, begleitet mit einem Sprichwort „Como os parece“, höchstpersönlich.

 

Der auf dem ehemaligen Wohnhaus von Giambattista Bini errichete Kirche wurde der Name „S. Francesco Converso“ gegeben, aber niemand nannte sie jemals so. Seit dem Beginn ihrer Errichtung sagten die Einwohner Assisi zu dieser Kirche „Chiesa Nuova“, und dieser Name blieb bis heute erhalten. Der Name selbst lässt uns über die Anzahl der im Mittelalter in der Stadt vorhandenen Kirchen nachdenken, denn es waren so viele, dass die Errichtung einer Kirche in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert ein derart besonderes und einzigartiges Ereignis war, dass die Kirche einfach als „Chiesa nuova“ (neue Kirche) bezeichnet werden konnte.

 

Die Kirche wurde im barocken Stil errichtet und dekoriert, wodurch sich ihre „Neuartigkeit“ gegenüber den anderen romanischen und gotischen Kirchen auszeichnet, die mehrheitlich in Assisi vorzufinden sind. Außen bezeugen die Fassade aus rosaroten Ziegeln, die dekorativen Lisenen und das Tor aus weißem Travertin-Gestein diesen Unterschied ganz deutlich. Ein weiterer Unterschied zu den bereits bestehenden Kirchen in der Stadt sind der Grundriss – er weist die Form eines griechischen und nicht eines lateinischen Kreuzes auf – sowie die verzierten und geschwungenen Dekorationen im Inneren, die fast alle bemalt sind und von den damals wichtigsten Künstlern der Region wie Cesare Sermei und Giacomo Giorgetti geschaffen wurden. Am Eingang, in einer Ecke, erinnert etwas an die Geschichte dieses Ortes: Eine kleine Nische, die durch ein Gitter aus Eisen verschlossen ist und in deren Inneren sich eine Statue des betenden Franziskus befindet, weist auf den Ort hin, an dem Pietro di Bernardone seinen rebellischen Sohn einschloss, da er all seine Stoffe verkauft und den Erlös für die Renovierung des Konventes Santuario di S. Damiano gespendet hatte.

Außerhalb des Klosters betritt man tatsächlich das, was von den Räumen, in denen Franziskus seine Kindheit verbracht hatte und in denen das Verhältnis zum immer schlechter wurde, um schließlich für immer zu zerbrechen, übriggeblieben ist. Einige Stufen tiefer liegt das Erdgeschoss des alten Wohnhauses, der Bereich, in dem die Familie arbeitete und ihre Stoffe verkaufte. Wer den Blick zum Boden richtet sieht noch heute die alte Straße, die perfekt erhalten ist und zu der das Geschäft ausgerichtet war, die jedoch später in den Grundriss der Kirche integriert wurde.

An das Kloster der Kirche ist auch eine Bibliothek angeschlossen, in der wertvolle Raritäten des Franziskus-Kultes aufbewahrt werden: Bilderhandschriften, Pergamente, Inkunabeln, Schriftstücke und andere, sehr alte Dokumente. Insgesamt 16.000 Ausgaben begleiten Sie auf einer Reise durch die Zeit.

Dank der kontinuierlichen Erforschung jener Orte, die der verarmte Heilige aufsuchte, richtete Piccardo D’Angelo im 14. Jahrhundert einen Raum des Hauses wieder ein und errichtete einen kleinen Gebetsraum. Er behauptete, dass ausgerechnet dieser Raum – wie es eine Inschrift aus dem 15. Jahrhundert über dem Eingang bezeugt – „der Stall eines Ochsen und eines Esels [war], in dem der Hl. Franziskus, der Spiegel der Welt” geboren wurde. In Wahrheit ist die Legende um die Geburt von Franziskus in einem Stall, wie es seiner tiefgläubigen Mutter von einem Bettler angeraten wurde, zwar sehr alt, jedoch nicht durch historische Quellen belegt und auch nicht in den ersten Biografien über den Heiligen wie etwa von Tommaso da Celano oder Bonaventura da Bagnoregio erwähnt.  Dennoch wird dem Gebetsraum Oratorio di S. Francesco Piccolo dadurch nicht seine mythische und spirituelle Aura genommen, die ihm als jahrelanges Pilgerziel verliehen wurden. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Orte der Stadt, die von der tatsächlichen oder übertragenen Anwesenheit einer der revolutionärsten Persönlichkeiten der Geschichte berührt wurden.

Von der Piazza Matteotti, einem der höchsten Punkte der Stadt Assisi, nach unten in Richtung Stadtzentrum gehend, erreicht man zu allererst die Piazza S. Rufino durch einen kleinen Bogen. Sobald man unter dem Bogen durchgegangen ist, befindet man sich direkt vor der Piazza, die halbrund zu seinen scheint und von der die Straßen, die durch das Herz des historischen Zentrums führen, wie Sonnenstrahlen ausgehen. Die Cattedrale San Rufino ist etwas versteckt und überraschend auf der gegenüberliegenden Seite der Piazza zu finden und bleibt beim Betreten der Piazza von den Gebäuden, die an die Fassade angrenzend verlaufen und die davor liegende Piazza begrenzen, ähnlich der Szene einer riesengroßen Bühne, verdeckt. Unser Körper ist beim Abwärtsgehen auf natürliche Weise darauf ausgerichtet nach vorne zu gehen, wohingegen unsere Augen nach hinten gerichtet bleiben, angezogen von der Reinheit des Kalks dieser Szene, die hinter unseren Schultern liegt. Sie wird von vielen als eine der schönsten Fassaden ihrer Zeit angesehen, die den Betrachter dazu zwingt stehenzubleiben, um sich nicht den Hals zu verrenken. Wer hier an einem späten Herbstnachmittag vorbeikommt, wird den Effekt noch intensiver erleben, denn die perfekten Symmetrien und Geometrien der Fassade erleuchten in feurigem Orange, das mit dem Fortschreiten des Abends langsam verblasst.

Rufinus von Assisi ist der Patron dieser Kirche und war der erste Bischof der Stadt. Er starb im 3. Jahrhundert n. Chr. als Märtyrer. Er lebte unter dem Römischen Reich und seine Heiligenlegende berichtet von einer langen Reise, um das Evangelium zu verkünden, die ihn ausgehend von der heutigen Türkei nach Italien, genauer in die Abruzzen und in die Gegend von Marsica führte, um sich anschließend in Assisi niederzulassen und Bischof zu werden. Damals wurde die christliche Religion von den Herrschern nicht geduldet, weshalb ihn der Prokonsul Aspasio pausenlos verfolgte. Nachdem Rufinus gefangen genommen wurde, musste er seinen Glauben beichten. Daraufhin wurde er zum Tode verurteilt und der Überlieferung zufolge zeigte sich ausgerechnet während seiner Hinrichtung – seiner ersten Hinrichtung – seine Heiligkeit. Er verließ den Scheiterkaufen unverletzt, um erst beim zweiten Hinrichtungsversuch, bei dem er an einen großen Felsblock gebunden in den Fluss Chiascio geworfen wurde, zu sterben. Seine Anhänger fanden den Körper im Tal, wo sich heute das zur Gemeinde Bastia Umbra gehörende Dorf Costano befindet. Die Wallfahrtskapelle Santuario del Crocifisso, die innerhalb der alten Stadtmauern des kleinen Ortes liegt, erinnert an dieses Ereignis. Im Inneren der Kapelle befindet sich ein unbearbeiteter Stein, der als Altarplatte dient, der jenem Stein ähnlich ist, durch den der Heilige starb. Nachdem der Leichnam gefunden war, wurde er an den Ort gebracht, an dem sich heute die schneeweiße Kathedrale erhebt.

Aber die Kirche, die heute zu sehen ist, ist nichts als die im Lauf der Zeit dritte an diesem so wichtigen spirituellen Ort der Stadt errichtete Kirche. Die Arbeiten an der heutigen Kirche wurden im Jahr 1100 vom Architekten Giovanni da Gubbio aufgenommen, aber die vorhergehende Kirche, die auf den Beginn des Jahres 1000 zurückgeht, ist mit einer faszinierenden Geschichte der Volksepik verbunden. Der Bischof Ugo wollte den Sarg, der ihm zufolge die heiligen Überreste von Rufinus enthielt, ausgraben und in die Hauptkirche, S. Maria Maggiore, bringen. Damals befand sich dort nämlich der Bischofssitz. Das Volk, das diesen Ort als Hüter einer großartigen spirituellen Kraft ansah, protestierte heftig dagegen, sodass es zu einem Konflikt mit dem Heer der Kurie kam. Dem Mythos zufolge war es die wunderbare Fürbitte des Heiligen, durch die der Streit beigelegt werden konnte. Der Zusammenstoß zwischen dem Volk und der Miliz erforderte kein Blutvergießen und als die Miliz den Sarg ausgraben und transportieren wollte, fand sie eine Überraschung vor. Das Behältnis aus weißem, gemeißeltem Marmor konnte aus unerklärlichen Gründen nicht aus der Erde genommen werden. 60 Militärs waren nicht dazu in der Lage es zu bewegen. Es brauchte jedoch nur sieben Personen aus dem Volk, um das Behältnis vom Boden hochzuheben. Das Wunder war deutlich, sodass sich Bischof Ugo schnell davon überzeugen ließ, seine Meinung zu ändern. Er ordnete die Verschönerung und Vergrößerung der Kathedrale an und im Jahr 1035 wurde der Bischofssitz dorthin verlegt.

Das Innere der heutigen Kirche wurde im Jahr 1500 vom großen Architekten aus Umbrien Galeazzo Alessi geplant. Der Innenraum ist in drei Schiffe unterteilt, die von majestätischen Rundbögen, gehalten von Säulen mit quadratischem Grundriss, voneinander getrennt werden. Im rechten Schiff befindet sich ein sehr altes Taufbecken aus Marmor, in dem einer Überlieferung zufolge der Kopf aller großen Hauptdarsteller der Geschichte Assisis gewaschen wurde: vom Hl. Franziskus über die Hl. Klara bis hin zu Friedrich II. Weiter vorne, auf der Höhe des dritten Bogens, ist die prunkvolle Capella del Santissimo Sacramento (Kapelle zum heiligsten Sakrament), das großartigste Barockwerk der Stadt, zu finden.

Am Übergang zum linken Schiff ist sehr gut das Alter dieses Gebäudes wahrzunehmen. An der Stelle, an der sich der erste Bogen erhebt, wurde bei den zuletzt durchgeführten Restaurierungsarbeiten der älteste Teil der Kathedrale gefunden. Dort befindet sich die Mauer einer römischen Zisterne, auf der das Gebäude errichtet wurde. Es sind auch die Namen jener Männer dort zu lesen, die den Bau angeordnet hatten: die Marones.  Dabei handelte es sich um autochtone Amtspersonen, die sich mit der Verwaltung der Stadt im Namen der Republik beschäftigten.

Wer noch tiefer in die Geschichte dieses Ortes eintauchen möchte, muss nichts anderes tun als in die Krypta hinabzusteigen, wo man sofort in das Jahr 1000 zurückversetzt wird, mitten in den verbitterten Streit zwischen Bischof Ugo und dem Volk Assisis. Hier erfolgten die Auseinandersetzungen, von denen die Geschichte erzählt, und der Sarg, der hier aufbewahrt wird, ist wirklich derselbe, der dem gemeinsamen Willen unterstand und für die Schlechten so schwer und für die Guten so leicht war. Die Krypta war einer der von Franziskus zum Beten gewählter Ort, ähnlich wie ein kleiner, unterirdischer Raum unter der Sakristei der Kathedrale, der als Oratorio di S. Francesco (Gebetsraum des Hl. Franziskus) bezeichnet wird. Man erzählt sich, dass sich der Heilige ausgerechnet in diesen Raum zurückzog, um vor den Predigten in der darüberliegenden Kirche zu beten. Die Krypta ist im Inneren des Ausstellungsbereichs des Museums Museo Diocesano gelegen, das 1941 eröffnet wurde und außerdem noch die Ausstellungsbereiche im Palazzo dei Canonici mit unterirdischen Räumlichkeiten und den Kreuzgang der angrenzenden Kathedrale umfasst. Das Museum beherbergt die sehr seltenen Beispiele für hochmittelalterliche Malerei der Stadt und ist zusammen mit dem Forum Romanum und der archäologischen Sammlung der beste Ort, um die Spuren der alten, römischen und vorrömischen Stadt anhand von Kapitellen, Inschriften und anderen steinernen Gegenständen zu entdecken. Einige Räumlichkeiten enthalten außerdem wertvolle Kunstwerke aus der Renaissance und Vorrenaissance, darunter die Fresken von Maestro di S. Chiara und ein wunderbares Kunstwerk von Niccolò Liberatore, genannt l’Alunno, einer der Hauptdarsteller der Renaissance in Umbrien zusammen mit Perugino und Pinturicchio: Polittico di S. Rufino, in dem der Maler aus Foligno von den Vorfällen des Heiligen, der der Patron dieser Kirche ist, und von seinem Martyrium erzählt.

Die kleine Kapelle Cappella di S. Maria degli Angeli alla Porziuncola, die im Inneren der Basilika noch zur Gänze erhalten ist, wurde der Tradition zufolge von vier Heimkehrern des Heiligen Krieges in der waldigen Ebene unterhalb Assisis, die als Cerretto della Porziuncola bezeichnet wird, errichtet. Sie brachten ein Teil des Grabsteins der Madonna mit in die Heimat.

Dort schien der starke Wind, der jede Wolke vom Himmel sowie durch das Laub der Blätter blies, an bestimmten Herbsttagen dem Gesang der Engel ähnlich. Die Kapelle wurde seit dem 10. Jahrhundert von den Benediktinermönchen des Klosters S. Benedetto al Subasio verwaltet. Wahrscheinlich wäre dieser Ort vollkommen in Vergessenheit geraten, wenn die Wege von Franziskus und Klara nicht dorthin geführt hätten. Dank ihnen finden wir die Porziuncola heute intakt vor, wie etwa vor gut 1.000 Jahren. Aber anstelle des lärmenden Dickichts befindet sich hier heute eine große Basilika, die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert errichtet wurde und die Kapelle wie eine fürsorgliche Mutter umhüllt und schützt. Durch diesen Anblick im Inneren des Gebäudes erscheint die Kapelle noch kleiner, fast unglaublich klein.

Die Kirche wurde von den oben erwähnten Benediktinermönchen dem armen Heiligen geschenkt, um hier den Hauptsitz des gegründeten Franziskanerordens zu errichten. Als Franziskus zum ersten Mal hierher kam, war die Kirche verwahrlost und seiner Heiligenlegende zufolge widmete er das dritte Jahr nach seiner Bekehrung ausschließlich der Renovierung der kleinen Kapelle. Genau hier erkannte er beim Lesen des Evangeliums, dass seine Mission jedoch nicht das Restaurieren von verfallenen religiösen Gebäuden war, sondern der Wiederaufbau und die Predigt des ganzen Reiches Gottes, indem er in Armut, Buße und Einfachheit lebte. Von hier ging Franziskus mit seinen Mitbrüdern aus, um seine Nachricht in ganz Italien zu verbreiten, und hierher kehrten sie immer wieder zurück. Eines Nachts im Jahr 1211 klopfte die verzweifelte und verängstigte Chiara d’Offreduccio, die von zu Hause und von ihrer aristokratischen Familie geflüchtet war, an die Türen von Porciuncola. Einige Tage später legte sie in dieser Kapelle das Ordensgelübde ab und versprach ihre Buße, um sich Gott hinzugeben und ihre spirituelle Reise zu beginnen, die sie zur Gründung des weiblichen Franziskanerordens, der Klarissen, führte und sie zur wichtigsten Heiligen der Stadt machte.

In der Porziuncola wurde im Jahr 1216 zum ersten Mal der „Perdono di Assisi” („Vergebung Assisis“), ein Ritual zur vollständigen Absolution, bei dem festgelegt wurde, dass all jene, die die Kirche mit einem aufrichtigen Gefühl der Reue betreten, nach der Beichte sofort von allen Sünden erlöst werden. Die Absolution wurde im Mittelalter in der katholischen Kirche häufig praktiziert, aber damals musste dafür ein Obolus bezahlt werden. Dabei handelte es sich um eine Geldsumme, die sich nur Reiche leisten konnten, eine sehr lange Wallfahrt zu den wichtigsten Orten des Christentums wie etwa in die Heilige Stadt, oder spezielle Praktiken der Abtötung, zum Beispiel Fasten oder das Schlafen auf einem Bett aus Brennnesseln. Franziskus gelang es diese außergewöhnliche „Ausnahme“ durchzusetzen, indem er persönlich Papst Honorius III. aufsuchte und ihn von der Heiligkeit seiner Bitte überzeugte. Als er nach Assisi zurückkehrte, verkündete er von einer extra außen an der Porziuncola montierten Kanzel die glorreichen Neuigkeiten vor tausenden Menschen. Der „Perdono di Assisi“ wurde zu einer umstrittenen und innerhalb der Kirche im Laufe der Geschichte häufig diskutierten Praxis. Die Regel wurde über die Zeit mehrmals verändert. Zuerst wurde sie auf alle Franziskanerkirchen ausgeweitet, dann auf alle Pfarrkirchen, aber das Ritual wurde auf zwei Tage im Jahr beschränkt: 1. und 2. August. Im Jahr 1988 legte die Apostolische Pönitentiarie fest, dass im Inneren der Porziuncola die Absolution an jedem Tag des Jahres möglich ist, und bestätigte damit ein weiteres Mal die außergewöhnliche Bedeutung dieses Ortes für die Christenheit.

Im Inneren der Basilika, unweit von der Porziuncola, befindet sich der Ort, an den Franziskus gebracht werden wollte, um dort die letzten Augenblicke seines Lebens zu verbringen und den letzten Vers seines Sonnengesangs zu schreiben: die Kapelle Capella del Transito. An diesem engen Ort, der von der Krankenstation des alten Klosters übrigblieb, das für die Ordensbrüder errichtet wurde, wurde Franziskus bis zu seinem letzten Atemzug versorgt, bis er in der Nacht des 3. Oktober 1226 verstarb. In der Kapelle befinden sich einige Fresken eines Schülers von Perugino, der Spagna genannt wurde. Hinter dem steht sich eine wunderbare und bewegende Statue von Franziskus, die Andrea della Robbia, einer der bedeutendsten Keramikkünstler der Renaissance, geschaffen hat. Außerdem ist im Inneren der Kapelle auch eine wichtige Reliquie des Heiligen zu finden: der Strick. Dabei handelt es sich um das Band, mit dem sich Franziskus seinen Habit in der Taille zusammenband.

Die Nachricht über den Perdono d’Assisi verbreitete sich in Italien und Europa sehr schnell, und bereits ab den direkt auf die Verkündigung von Franziskus folgenden Tagen wurde die Porziuncola zu einem kontinuierlichen Pilgerziel. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Zustrom der Pilger derart stark, dass beschlossen wurde die Kirche zu vergrößern und andere Beherbergungsbetriebe zu errichten. Nach dem Plan von Galeazzo Alessi entstand die majestätische Basilica di Santa Maria degli Angeli mit einer Länge von 126 und einer Breite von 65 Metern, in der die hunderttausenden Pilgern, die jedes Jahr hierher kamen, Platz fanden. Das Projekt war derart anspruchsvoll, dass die Errichtung der Kirche mehr als ein Jahrhundert dauerte.

In Wahrheit können wir heute weit weniger als das originale Projekt des Architekten aus Perugia sehen. Das 19. Jahrhundert war für die Basilika ein sehr dunkles: Zuerst die Plünderungen durch das napoleonische Heer und danach das sehr schwere Erdbeben im Jahr 1832, wodurch das Gebäude zu einem großen Teil zerstört wurde. Die von Alessi geplante Kuppel stürzte desaströs über der Porziuncola ein, die jedoch wie durch ein wunder intakt blieb. In den darauffolgenden Jahren wurde die Gestalt der Kirche durch Restaurierungsarbeiten deutlich verändert. Die Fassade, die mit der typischen Madonnenstatue aus vergoldeter Bronze endet, wurde im Jahr 1930 fertiggestellt. Vom originalen Projekt blieben nur die Apsis und die Kuppel erhalten, die nach ihrem Einsturz in nur acht Jahren wieder aufgebaut wurde. Außen, an der linken Seite der Basilika, die zur Straße nach Assisi hin ausgerichtet ist, befindet sich der Brunnen Fonte delle 26 cannelle, der fast an der gesamten Länge der Wand verläuft und im Jahr 1610 von den Medici, die ebenfalls große Verehrer des Hl. Franziskus waren, in Auftrag gegeben wurde. In den Dekorationen, die abwechselnd die Wasserschnabel zieren, ist ein Schild mit sechs Kugeln als Relief zu erkennen. Dieses Symbol war das Wappen der Familie aus Florenz, mit dem sie in ganz Europa bekannt war.

Der Innenraum der Basilika, der sich vom Gegenstück, der Basilica di San Francesco, unterscheidet, ist einfach und hager, nicht stark verziert, und passt so perfekt zu den Prinzipien der Franziskus-Regel. Die Kirche besteht aus drei Schiffen und jedes Seitenschiff beherbergt fünf Kapellen, die als einzige Bereiche der Basilika mit Fresken und Dekorationen verziert sind, die im Laufe der Jahre von gottesfürchtigen, adeligen Familien oder von öffentlichen Einrichtungen in Auftrag gegeben wurden.

Die Porziuncola befindet sich genau in der Mitte der Basilika wie ein fester Kern, von dem alles ausgeht. In ihrem Inneren ist an der Wand hinter dem Altar eine Tafel zu finden, die Ilario da Viterbo 1393 gemalt hat, und die von den Streitigkeiten um den Perdono d’Assisi berichtet. Die Geschichte, die wie bereits erwähnt mit der ruhmreichen Verkündigung vor tausenden Menschen endete, begann in Wirklichkeit in einigen Metern Abstand von der Kirche, im Rosengarten eines an die Basilika angrenzenden Hofes. Dem Hagiographen zufolge wird die Vision, die Franziskus antreibt den Papst aufzusuchen, um ihn um den Ablass, den Perdono, zu bitten, wird durch eine große und mysteriöse Versuchung vorweggenommen, die dem Heiligen begegnet, als er in einem Moment in das Gebet versunken war. Um nicht in die Falle zu geraten entkleidete er sich und warf sich in den Rosengarten, der sofort alle Dornen verlor. Noch heute hat die „Rosa Canina Asssiensis“, die in diesem Teil des Klosters wächst, keine Dornen. Die Kapelle, die sich in der Nähe des Rosengartens befindet und zu Ehren dieses wunderbaren Ereignisses errichtet wurde, enthält noch heute in einer unterirdischen Grotte die Balken, die Erzählungen nach die Kanzel formten, von der Franziskus den Perdono verkündete.

Auch wenn sich an diesem Ort keine berühmten Kunstwerke befinden, sind die Basilika und die Porziuncola eine einzigartige Erfahrung, die auch gemacht werden kann, wenn man sich nur die Geschichten und Personen vorstellt, die in über einem Jahrtausend diese Räume betreten haben. Von außen und von innen können mit etwas Vorstellungskraft die Szenen der Menschenmassen, die die Kirche für den Perdono überströmten, noch einmal erlebt werden; im Inneren der Kapelle der Porziuncola ist auch die Intimität der Weihung von Klara im zarten Alter von 18 Jahren wahrzunehmen, entblößt und Gott hingegeben, während Franziskus ihr das Haar im Licht von schwachen und zitternden Öllampen schnitt.

Als ob all das noch nicht genug wäre, hält die Basilika noch weitere Überraschungen bereit, die auf dem Weg zum Museum Museo della Porziuncola entdeckt werden können. Das Museum beherbergt einige Meisterwerke der katholischen und franziskanischen Kunst, beginnend beim sehr alten Kreuz von Giunta da Pisano, das auf das Jahr 1236 zurückgeht und eines der ersten Kreuze ist, auf dem der Christus leidend und menschlich dargestellt ist, im Gegenteil zum vorherrschenden Stil dieser Epoche – mit griechisch-byzantinischer Inspiration – des selbst zum Zeitpunkt seiner Kreuzigung ruhmreichen und triumphierenden Christus. Giunta da Pisano kann zusammen mit Cimabue und Giotto als einer der wichtigsten Erneuerer der mittelalterlichen Kunst angesehen werden, da er zu den Ersten gehörte, die den Grundstein für die Kunst der Renaissance setzten. Unter den zahlreichen Kunstwerken und wertvollen Gegenständen befinden sich im Museum auch zwei bemalte Tafeln, auf denen jeweils der Hl. Franziskus dargestellt ist. Seine Geschichte wird dabei wie so oft mit einigen Mythen vermischt. Die erste Tafel stammt vom Maestro di S. Francesco, der auch viele Fresken im Inneren der Basilica di S. Francesco gemalt hat, und ist das älteste Bild von Franziskus, das jemals gefunden wurde. Sie geht auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Ursprünglich in der Cappella del Transito untergebracht, wurde das Kunstwerk Erzählungen zufolge auf derselben Tafel gemalt, auf der Franziskus geschlafen hatte und auf der auch sein letzter Atemzug erfolgte. Die zweite Tafel wird Cimabue zugeordnet. Dies ist auf die außergewöhnliche Ähnlichkeit zum Porträt des Heiligen zurückzuführen, das der Meister aus Florenz in der erhabenen unteren Basilika der Basilica di San Francesco malte und auf dem der Heilige so wahrheitsgetreu wie sonst nie dargestellt ist. Auch hier lassen Mythen darauf schließen, dass die Tafel der Deckel des Sarges war, in den der Leichnam von Franziskus zuerst gebettet wurde. In einem der sechs Räume, aus denen das Museum besteht, befindet sich noch ein weiteres wichtiges Kunstwerk von Andrea della Robbia: ein Altarretabel aus glänzender, glasierter Keramik, ungefähr aus dem Jahr 1475, auf dem heilige Szenen und Geschichten von Franziskus dargestellt sind. Dazu gehört auch die Szene, in der der Hl. Franziskus im Wallfahrtsort La Verna Wundmale erhält. Geschichte, Kunst, Spiritualität und Mythos: das perfekte Rezept für ein einzigartiges Erlebnis.

Es war im Sommer 1228, nicht einmal zwei Jahre nach seinem Tod, als Franziskus von Assisi heilig gesprochen wurde. Er hatte die besten Voraussetzungen, um einer der weltweit bekanntesten Männer und Heiligen zu werden. Frate Elia, Generalminister des Franziskanerordens, hatte einen schweren Konflikt mit seinen Mitbrüdern auszutragen. Er war der Meinung, dass ihr Lehrer in der Kirche eine enorme, unüberwindbare Leere hinterlassen hatte. Die Erinnerung an seine Werte und seine Gesten musste bis zum Tag des jüngsten Gerichts an die Nachkommen weitergegeben werden und über die Zeit durfte kein bisschen der Herrlichkeit und der Bedeutung dieses Reichtums verloren gehen. Zeit zerstört alles, das wusste Elia ganz genau. Aus diesem Grund war es unbedingt erforderlich die Regel, also den Willen von Franziskus selbst, zu brechen, die dem Orden Demut, Armut und die Verweigerung von Geld, außer „für die Bedürfnisse von Kranken und zum Bekleiden weiterer Ordensbrüder” auferlegte. Elia war bewusst, dass zur Aufrechterhaltung der außergewöhnlichen Botschaft von Franziskus über die Zeit diese Botschaft anhand der Schönheit und Großartigkeit seines Mausoleums vermittelt werden musste – dieselben Eigenschaften, mit denen die Tempel, Grabsteine und Erinnerungen großartiger Menschen aus der Antike für uns erhalten geblieben sind. Die Untreue zur Regel und in gewisser Weise auch zu seinem Meister erfüllte Elia mit Schmerz, aber dennoch war er davon überzeugt, dass dies der einzig richtige Weg war. Und so war es auch. Wer die Basilica di San Francesco mit ihrer Meisterhaftigkeit und ihrer wunderbaren Dekoration bestaunt sollte auch daran denken, dass sie das Ergebnis der spirituellen Anstrengung und der Beharrlichkeit eines Mannes mit enormer Verantwortung sind, der stets mit sich selbst und anderen in Konflikt war.

Zwei Jahre später war die untere Basilika bereits in einem sehr guten Zustand, denn es wurde der Beschluss gefasst, den Leichnam des Heiligen im Inneren dieser Basilika unterzubringen, der bis dahin in der Chiesa di S. Giorgio (Kirche zum Hl. Georg) untergebracht war, an deren Stelle sich heute die Basilica di Santa Chiara erhebt. Betreffend den Bau der oberen Basilika herrscht im Hinblick auf die Daten mehr Unsicherheit, aber die letzten Nachbearbeitungen wurden im Jahr 1267 gemacht. Das Gebäude, das aus zwei getrennten Kirchen, die übereinander angeordnet sind, sowie aus dem Sacro Convento (Mutterkloster des Franziskanerordens) besteht, wurde nach dem Willen von Franziskus – der in diesem Fall respektiert wurde – auf einem Hügel errichtet, der gemeinhin als Colle Inferno (Höllenhügel) bezeichnet wurde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Hügel vor der Errichtung der Basilika ein düsterer Vorstadtbereich war, der für Hinrichtungen genutzt wurde. Sobald der erste Stein für den Bau der Basilika gesetzt wurde, nannte man den Hügel Colle Paradiso (Paradieshügel) umbenannt.

Die Errichtung der Basilika zog Künstler und Baumeister aus aller Welt an. Frate Elia wollte wie bereits erwähnt nur das Beste und so wählte er für den Bau nur das damals modernste am Markt verfügbare Baumaterial aus. Er vergab den Auftrag an die Maestri Comacini (privilegierte langobardische Bauhandwerker), die in großer Zahl von Norditalien herkamen, um sich zur Gänze der Basilika zu widmen. Sie sorgten für eine noch nie dagewesene Innovationswelle. Zum Beispiel importierten sie aus Europa die Verwendung des gotischen Baustils. Die Basilika war eines der ersten Bauwerke in Mittel- und Süditalien, für das die gotische Architektur mit dem vorherrschenden Stil der damaligen Zeit, dem romanischen Stil, vermischt wurde. Aber wie kann der gotische Einfluss erkannt werden?

Wenn wir an den Mailänder Dom denken, der ein klassisches Beispiel für gotische Architektur ist, und ihn mit der Basilica di S. Francesco vergleichen, werden wir bestimmt nicht viele Übereinstimmungen finden. Tatsächlich liegt die „Gotik” der Basilika nicht in ihrer flachen, breiten und mächtigen Bauweise, die jener romanischer Kirchen entspricht, sondern in den architektonischen Besonderheiten. Beispielsweise die Ausführung des Gewölbes und der Fenster in Form von Spitzbögen; die Rippen, also jene Elemente, die sowohl dekorativ als auch strukturell sind und das Gewölbe in gleichmäßige Teile unterteilen – im Fall der Basilika vier – und Deckensegel genannt werden; das Vorhandensein von Rosetten an der Fassade sowie der enormen Lichtfenster, die zu den ältesten der Welt gehören. Diese Elemente sind ein unvergleichliches Zeichen für den gotischen Einfluss. Die Maestri Comacini, die während der langen Bauphase der Basilika nach Assisi gekommen waren, mussten sich sehr wohl gefühlt haben, denn einige von ihnen ließen sich hier nieder und beteiligten sich an der Errichtung anderer Gebäude, um so ihr Zeichen in der Stadt zu hinterlassen. Bei einem Spaziergang durch Assisi ist an den Fassaden und Stürzen das Wappen der Vereinigung zu finden, das aus einem offenen Kompass mit einer Blume oben besteht. Beispielsweise ist dieses Wappen am Sturz der Loggia de Comacini in der Via S. Francesco zu finden, die von der Basilika zum Platz Piazza del Comune führt. Im 15. Jahrhundert blühte der Kult um den Hl. Franziskus richtig auf und anstelle des vor dem Basilika befindlichen Hofes wurde der heutige Platz errichtet, um während der Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen die große Anzahl an Pilgern zu beherbergen. Diese enorme Menschenmenge zog eine weitere große Menge an Händlern und Verkäufern an, die mit ihren Marktständen den Platz bis in das Innere der unteren Basilika einnahmen. Der Papst ordnete daraufhin auch die Umgestaltung des Platzes vor dem Tor zur unteren Basilika an, die so auf geordnete Weise Platz für den Markt unterhalb der Bogengänge bot.

Aus Angst vor Grabplünderern oder überschwänglichen Gläubigen, die auf der Suche nach Reliquien waren, wurden die sterblichen Überreste von Franziskus an einer sehr tiefen Stelle begraben, deren genaue Position entweder aufgrund der seit dem Begraben vergangenen Zeit oder wegen des Geheimnisses, das nicht preisgegeben werden durfte, schnell vergessen wurde. Im Jahr 1818 gab der Papst die Untersuchung des Gebiets unter dem Altar der unteren Basilika in Auftrag und in der 52. Nacht der grabungsarbeiten, als alle schon die Hoffnung verloren und anzweifelten, ob Franziskus wirklich hier begraben war, traf die Spitzhacke eines Arbeiters auf ein hartes Stück Granit. Endlich wurde die Grabstätte des Heiligen gefunden.

Im darauffolgenden Jahr wurde Assisi so stark wie nie zuvor und nie danach von Pilgern überströmt. Um dem Heiligen Ruhm und Würde zu erweisen und seinen Leichnam unterzubringen, wurde die Krypta unterhalb der unteren Basilika errichtet. Der bereits komplizierten Schichtarchitektur der beiden Kirchen wurde eine weitere Ebene hinzugefügt.

 

Wer die beiden Basiliken besucht, nimmt selbstverständlich die unterschiedliche Atmosphäre wahr, die die beiden Gebäude belebt: Die untere Basilika mit der unterirdischen Krypta ist dunkler, drückender und besinnlicher, wohingegen die obere Basilika entschlossen heller, anmutiger und ruhmreicher ist. Es gibt einen genauen Grund, den mit großer Wahrscheinlichkeit Frate Elia bei der Planung des Bauwerks nutzte. Die untere Basilika musste dem irdischen Leben des Heiligen genutzt werden, das aus Opfern und Entbehrungen bestand; die obere Basilika musste hingegen die Heiligkeit und dem Ruhm des himmlischen Lebens von Franziskus darstellen. Das war die Idee von Elia: Um die Größe von Franziskus zu vermitteln, musste die Basilika selbst kommunizieren. Ein Gläubiger, selbst ein Analphabet, musste den Hl. Franziskus sowie sein Leben und seine Werte sowohl anhand der von der Architektur geschaffenen Atmosphären wie auch anhand der von den Bildern und Dekorationen sowie von der Fröhlichkeit der Farben ausgehenden Botschaften erkennen.

Aber das ist noch nicht alles: Zwischen der unteren und der oberen Basilika befindet sich ein weiterer Übergang, jener der Malerei. Dort bietet sich die Gelegenheit mit nur einem Blick einen epochalen Übergang in der Kunst zu entdecken – vom griechisch-byzantinischen Stil mit orientalischen Einflüssen und Akzenten hin zum typisch italienischen Stil, mit dem die Genies dieses Landes eines der wichtigsten kulturellen Produkte der Geschichte wahrnehmen konnten: die Renaissance.

Aus diesem Grund folgen wir beim Besichtigen der unteren Basilika der Idee von Elia. Die Fresken am einzigen Schiff sind wie bereits erwähnt die ältesten Fresken und starz von der byzantinischen Malerei beeinflusst, was am statischen Charakter, bei dem die Figuren weniger realistisch und symbolisch erscheinen, zu erkennen ist. An den Deckensegeln sind tatsächlich viele Fresken mit blauem Hintergrund und goldenen Sternen sowie mit geometrischen Mustern verzierte Rippen zu sehen. Im rechten Teil des Querschiffs ist eines der schönsten und ältesten Kunstwerke von Cimabue untergebracht: Madonna in trono con S. Francesco. Erzählungen zufolge war es derart schön, dass sich der Maler, der einige Jahrzehnte später mit dem Nachmalen beauftragt wurde, weigerte, das Kunstwerk zu übermalen. Und dies war ein großes Glück, denn auf diesem Kunstwerk ist das orginalgetreueste Bild vom Hl. Franziskus zu sehen. Es entspricht genauestens den Beschreibungen seines Erscheinungsbildes, das uns seine Altersgenossen hinterließen. Zwischen den Szenen an der Rückwand, an der sich der Bogen öffnet, über den man zur Cappella di S. Nicola (Kapelle zum Hl. Nikolaus) gelangt, befinden sich einige Fresken, die den Wundern des Hl. Franziskus gewidmet sind. Auf einem Fresko ist ein eingestürzter Palast zu sehen und es ist dem Wunder „Miracolo del fanciullo di Suessa“ gewidmet, bei dem ein Kind unter den Trümmern starb und wieder zum Leben erweckt wurde, als die Mutter Franziskus um Hilfe anflehte. Das von der Bottega di Giotto gemalte Fresko soll auch Dante und Giotto selbst enthalten, der links neben der verzweifelten und weinenden Menschenmenge mit der Hand an der Stirn dargestellt ist, enthalten. Im linken Teil des Querschiffs sind einige Fresken anderer prestigeträchtiger Künstler wie Pietro Lorenzetti mit seiner großartigen Crocifissione (Kreuzigung) zu finden.

Zurück im Hauptschiff ist an der linken Seite eine der schönsten Kapellen der Kirche, nämlich die Kapelle zum Hl. Martin, vorzufinden, die zur Gänze mit Fresken von Simone Martini gestaltet ist. Er war ein Meister der Schule von Siena sowie einer der Wenigen, die mit Giotto um den Titel des besten Malers ihrer Zeit rivalisierten. Auf seinen Fresken ist eine raffinierte und treue Reproduktion der Stile und der Gewänder der Aristokraten und Ritter aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Das Reliquiar am Hochaltar enthält die Rippen von Giovanni Battista und wurde auf den Willen von Papst Innozenz IV. dort untergebracht. Vom linken Querschiff aus gelangt man in die verborgene Sakristei, in der sich unter vielen Reliquien auch das originale Schriftstück zur Freigabe der Regel, das von Honorius III. im Jahr 1223 erlassen wurde, sowie einige persönliche Gegenstände von Franziskus wie etwa Kleider, befindet. Über die Treppe links im Schiff gelangt man in den majestätischen Kreuzgang von Sixtus IV., der häufig Ausstellungen und Veranstaltungen beherbergt. In der Mitte des Schiffs gelangt man über die Treppe rechts hingegen in die Krypta.

Die heutige Kapelle der Krypta wurde zwischen 1925 und 1932 errichtet. Das Grabmal enthält die originale Urne, in der Elia die sterblichen Überreste von Franziskus unterbrachte. Hier sind auch vier treue Schüler des Heiligen begraben: Rufino, Leone, Masseo und Angelo. Die Atmosphäre und das Gefühl, das man unabhängig vom Glauben beim Anblick des Grabmals des Heiligen erlebt, ist unbeschreiblich. Eine Beschreibung wäre sinnlos und auch unmöglich.

Beim Hinaufgehen in die obere Basilika können die schönsten Fresken von Cimabue bestaunt werden, darunter die Crocifissione (Kreuzigung), im linken Teil des Querschiffs. Leider sind die Fresken aufgrund der Oxidation der Farbe Bleiweiß geschwärzt, sodass quasi der Effekt eines Negativs von einem Foto entstanden ist. Trotzdem ist die großartige belehrende Wirkung des Themas deutlich zu erkennen. Giorgio Vasari, einer der wichtigsten italienischen Kunsthistoriker, erklärt sehr gut, wie die Fresken vor der Oxidation ausgesehen haben könnten: „Das wirklich großartige und reiche und ausgezeichnet ausgeführte Kunstwerk muss meiner Einschätzung nach die Welt in Staunen versetzt haben […] und als ich es 1563 sehe erscheint es mir wunderschön und ich glaube, dass ich an vielen dunklen Stellen Cimabue aufleuchten sehen kann“.

Unter den Lehrlingen, die Cimabue beim Bemalen der Basilika unterstützten, war ein gewisser Ambrogio di Bondone, der auch Giotto genannt wurde. Er wurde wenig später zum Sinnbild eines Schülers, dessen Kenntnisse besser waren als jene des Meisters. Er wird von vielen als einer der Väter der Renaissance angesehen. Die Meisterhaftigkeit und Innovation, über die er im Gegensatz zu seinen Vorgängern verfügte, ist in den Fresken der Basilika und insbesondere im Freskenzyklus von den Geschichten des Hl. Franziskus, der den unteren Bereich des Schiffs bedeckt, so deutlich wie sonst nie zu erkennen. Wir empfehlen Ihnen einen etwas längeren Augenblick vor der Szene der berühmten „Vogelpredigt“ zu verweilen und anschließend zur „Bestätigung der Regel“ überzugehen, die von dem Moment berichtet, in dem Franziskus die Regeln des von ihm gegründeten Ordens an Papst Innozenz III. übergibt. Der Maler aus Florenz wurde von der Kurie dazu gezwungen das Gemälde im letzten Augenblick zu ändern und Franziskus kniend und nicht stehend darzustellen. So groß die Revolution, die der Arme anführte, auch war, musste sie trotzdem unterliegen und keine Zweifel an der Macht der Kirche offen lassen; darauf folgt die „Presepe di Greccio“, die von der Geschichte der ersten Krippe der Welt erzählt, die von Franziskus geschaffen wurde. Sehen Sie sich die Ordensbrüder, die im Chor singen, genau an: Zum allerersten Mal in der Geschichte der Malerei sind die Zähne einer Person zu sehen. Begeben Sie sich danach zum oberen Bereich des linken Teils des Schiffs, wo Giotto die „Deposizione dalla Croce“(Kreuzabnahme) gemalt hat. Achten Sie die Ausdruckskraft der erstunten und verzweifelten Gesichter, die den wehrlosen Körper von Christus sehen, und vergleichen Sie sie mit der Ausdruckskraft der von Cimabue gemalten Gesichter. Um die Idee etwas zu verdeutlichen: Für einen Gläubigen im 14. Jahrhundert war das Betreten der Basilika und der Anblick der Fresken von Giotto ähnlich wie heute eine Kirche zu betreten und zu beobachten, wie sich die Bilder wie Hologramme von der Wand lösen und durch die Kirch spazieren. Kein Bild kam der Realität näher als diese Fresken.

 

Ebenfalls von der Basilika aus gelangt man in das Sacro Convento, das gleich hoch wie die untere Basilika liegt und die Papstresidenz beherbergt. Das Gebäude, das auch als Festung genutzt wurde, wirkt solide und schwer. Durch die kontinuierlichen Arbeiten zur Erweiterung, die im Lauf der Jahre ausgeführt wurden, musste man zu den ursprünglichen Außenmaßen zurückkehren. Aus diesem Grund wurden die majestätischen 53 Stützbögen errichtet, deren Bau im Jahr 1300 begann und die ein Jahrhundert später fertiggestellt wurden, Sie sind schon aus mehreren Kilometern Entfernung zu erkennen. Im Inneren der Papstresidenz befindet sich auch das Museo del Tesoro, eine bedeutende Sammlung aus sakralen Kunststücken und Goldschmiedearbeiten aus dem Mittelalter, die in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf den Willen von Papst Gregor IX. entstand. Hier werden einige der schönsten und wertvollsten Gegenstände, die dem Franziskanerorden im Lauf der Zeit geschenkt wurden, aufbewahrt, darunter der Kelch Calice di Guccio di Mannaia, heilige Mess- und Gebetsbücher sowie die Kollektion Perkins, ein Geschenk des Kunsthistorikers Frederick M. Perkins aus den 50er-Jahren, in der die wunderschönen bemalten Tafeln von  Pietro Lorenzetti, Lorenzo Monaco und Sassetta enthalten sind.

Klara lag müde und schwach, jedoch glücklich da. Sie wusste, dass der Zeitpunkt gekommen war, um das irdische Leben hinter sich zu lassen, und war gerührt. Ihr Herz schlug freudig, denn schon bald würde sie in die Ewigkeit gleiten. Doch dann kam auf einmal Traurigkeit auf und sie dachte an all jene, die ihre letzten Momente in Angst lebten, weil sie ein bewegtes und sündhaftes Leben geführt haben und nicht einmal am Sterbebett ihre Ruhe finden konnten. Es machte sie traurig, dass sie nicht mit all diese Menschen sein konnte, um sie zu erlösen und ihnen dabei zu helfen, den Glauben wieder zu finden.

Die Schwestern, die sie ein Leben lang begleitet hatten, standen wie in Trance in der kleinen Zelle des Konventes San Damiano (zum Hl. Damian) um sie herum ohne ein Wort zu verlieren. Um diese Situation zu beschreiben gibt es keine geeigneten Worte. An diesem warmen Sommertag herrschte im Konvent San Damiano eine irreale Ruhe. Die Vögel, die Hunde, die Tiere auf den Höfen, ja sogar der Wind schien verstummt zu sein und sich auf das Warten und die Andacht zu konzentrieren. Klara durchlebte auf ihrem ärmlichen Bett alle Kämpfe, die sie angeführt hatte, erneut – zuerst zusammen mit Franziskus zur Bestätigung des Franziskanerordens, und danach, als ihr geliebter Meister das irdische Leben hinter sich gelassen hatte, alleine zur Anerkennung des Frauenordens. Sie konnte einfach nicht vollständig zufrieden sein. Während jahrelanger Anstrengungen war es ihr nicht gelungen die Franziskus-Regel für Frauenklöster durchzusetzen. Der Papst, an den sie sich mehrmals wendete und den sie mehrmals anflehte, wollte ihr niemals Gehör schenken. Ein Kummer, der ihr friedliches Hinscheiden störte und dafür sorgte, dass sie sich unvollkommen fühlte.

Plötzlich wurde die irreale Ruhe in der Zelle durch einen dumpfen Lärm in der Ferne unterbrochen. Sobald das Geräusch lauter wurde war Pferdegalopp sowie das trockene und hölzerne Gepolter einer Kutsche zu erkennen, auf den zerrütteten Wegen zum Konvent San Damiano. Als sich das Gepolter in der Nähe des Konventes befand, war ein lautes Schreien zu vernehmen, das einige Minuten lang andauerte und anschließend schlagartig endete. Die Tür der Zelle von Klara öffnete sich und an ihrem Bett stand Papst Innozenz IV. persönlich. In der Hand hielt er ein Stück Pergamentpapier, von dem zwei Bleisiegel herunterhingen. Das war das Schriftstück Solet Annuere Sedet, mit dem der Papst ihre Regel für das Kloster vollständig anerkannte und ratifizierte. Der Papst stattete dem Ort einen seelsorgerischen Besuch ab und wollte der Ordensschwester das Schriftstück persönlich übergeben. Als er ihr dieses überreichte erkannte er ihren Gesundheitszustand und freute sich darüber, dass er noch rechtzeitig angekommen war und nahm Abschied, indem er allen seinen Segen erteilte. Dies geschah im August 1253. Unmittelbar danach verstarb Klara. Ihr Körper wurde zu einer Prozession getragen und unterhalb der Kirche Chiesa S. Giorgio (zum Hl. Georg) in der Nähe der Stadtmauern sowie der Stadtbewohner begraben.

Im Jahr 1893 fand die Äbtissin Matilde Rossi beim Betten des einige Jahrzehnten zuvor ausgegrabenen Leichnams der Heiligen zwischen den Kleidern das Schriftstück, das anschließend in der Krypta der Basilika Santa Chiara als Reliquie verwahrt wurde.

Der Bau der Basilika begann im Jahr 1257, zwei Jahre nach der Heiligsprechung von Klara. Die Pläne wurden so erstellt, dass die kleine Kirche San Giorgio Platz in der großen Basilika findet, denn in ihr wurden zuerst auch die sterblichen Überreste von Franziskus von Assisi aufbewahrt und in dieser Kirche wurde er auch heilig gesprochen. Im Jahr 1263 wurde der zweite Orden des Hl. Franziskus, der Orden der Klarissen, allgemein anerkannt und im Jahr 1265 übersiedelten nach der feierlichen Einweihungszeremonie der Basilika, an der auch Papst Clemens IV. teilnahm, die Mitschwestern von Klara dorthin. Sie hatten zuvor vierzig Jahre im Konvent San Damiano zugebracht.

Der architektonische Baustil ist jenem der Basilika San Francesco sehr ähnlich, die im selben Zeitraum entstand. Die am deutlichsten sichtbaren Unterschiede zur „Schwesterbasilika”, die sich am gegenüberliegenden Ende der Altstadt erhebt, liegen in der Dekoration der Außenfassade aus typischen weißem und rosafarbenem Stein vom Berg Monte Subasio sowie im Vorhandensein von Strebebögen an der Seite. Sie wurden nachträglich hinzugefügt, um dem Gebäude Stabilität zu verleihen und verleihen der Kirche ihr unvergleichliches Erscheinungsbild. Der Glockenturm, der direkt hinter dem Hauptgebäude der Kirche hervorragt, ist das höchste Gebäude in Assisi.

Beim Betreten der Kirche erblickt man an den Seiten des Schiffs die Kapelle Cappella di S. Agnese (zur Hl. Agnes), Bluts- und Geistesschwester von Klara, sowie die Kapelle Capella di S. Giorgio (zum Hl. Georg), also das, was vom kleinen Kirchlein, in dem die Leichname der beiden wichtigsten Persönlichkeiten Assisis untergebracht waren, übrig geblieben ist. Über dem Altar hängt das Kreuz des Hl. Damian, dessen Geschichte die Geschichten der Heiligen unauflöslich miteinander verbindet. Dieses Kreuz wurde vom Konvent San Damiano in die Basilica Santa Chiara gebracht, als die Ordensschwestern dorthin übersiedelten, da es einen besonderen Wert hatte. Dieses Kreuz sprach als erstes Kreuz zum jungen Franziskus, als er den Herrn um Hilfe bat, da er nicht wusste, was er aus seinem Leben machen sollte. „Vade Fransisce, repara domum meam!“ („Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her!“) lautete die Antwort, die der junge Mann nicht vollständig verstanden hatte. Erst später verstand er, dass das „Haus” des Herrn, das er wiederherstellen sollte, nicht dieses kleine Gebäude war, sondern das Haus der gesamten Christenheit.

Das Kreuz geht auf das 12. Jahrhundert zurück, vor dem Beginn des Realismus von Giotto und Cimabue. Das, was der Maler mit dem Blick und der Position des Christus zum Ausdruck bringen möchte, ist weniger der Schmerz und das Leiden des menschgewordenen Gottes, als der Ruhm und die Größe der Geste, die er für seine Kinder zeigte. Man erzählt sich, dass das Kreuz auf eine Tafel aufgemalt wurde, die vor der Offenbarung vollkommen flach war. Als sich das Kreuz zu Franziskus wandte, löste sich der Kopf des Christus von der Tafel und streckte sich in dreidimensionaler Form – so wie wir das Kreuz heute wahrnehmen – zu Franziskus aus. In Wirklichkeit wissen wir jedoch, dass das Aufmalen von Gesichtern auf ein hervorragendes Relief eine im Mittelalter sehr weit verbreitete Kunstform war.

Im Inneren des linken Querschiffs befindet sich ein weiteres Kunstwerk, das zu den wichtigsten Kunstwerken in der Kirche gehört: die Pala di Santa Chiara (Bild  der Hl. Klara). Diese Tafel entstand einige Jahre nach dem Tod der Heiligen. Auf ihr ist Klara im byzantinischen Stil mit acht Szenen aus ihrem geistlichen Leben inklusive jener Szenen, von denen wir am Beginn dieses Textes erzählen, dargestellt. Können Sie diese Szene wiedererkennen? Zusammen mit der „Schwestertafel“ der Madonna della Cortina, die sich im rechten Arm des Querschiffs befindet, sind die beiden Kunstwerke dafür bekannt, dass sie von einer einzigartigen, mysteriösen Hand eines Kunstwerkes gemalt wurden, der keine Spuren hinterließ: Maestro di S. Chiara.

Im Jahr 1850 wurde infolge des Enthusiasmus, der aus dem Fund des Grabsteins vom Heiligen Franziskus von Assisi entstand, die Exhumierung des Körpers seiner heiligen Schülerin angeordnet. Es wurde ein Stollen „in einer Tiefe von 16 Spannen unter dem Erdboden“ ausgegraben, und dort fand man den Grabstein, bestehend aus einem Sarkophag aus rohem Travertin, umrahmt von einem Streifen aus Eisen. Heute kann in den Stollen hinabgestiegen und die Krypta bestaunt werden, die rund um die Grabstätte errichtet wurde. Neben dem Grabstein, der aus einer Urne aus Kristall und einem Stein vom Berg Subasio besteht, auf dem das Reliquiar ausgebreitet ist, sowie einem Kleid der originalen Kutte, das die Reste der Heiligen enthält, kann auch ein weiterer Bereich besichtigt werden, in dem sich viele weitere Reliquien befinden, darunter auch das ersehnte Schriftstück, das die Hl. Klara am Sterbebett bei sich trug. Das Dokument in Papierform wurde zugunsten seiner Aufrechterhaltung kürzlich durch eine Fotokopie ersetzt. Der originale Rahmen und die originalen Siegel sind jedoch unverändert.

Wer in dieses Ambiente hinabsteigt, wird von einer mythischen und spirituellen Atmosphäre erfasst und macht eine einmalige Erfahrung, um in einem Augenblick in die Kraft einzutauchen, mit der eine einzelne Geschichte, ein einzelnes Leben,  nach acht Jahrhunderten Einfluss auf die Geschichte aller nehmen kann.

Die Piazza del Comune di Assisi ist einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Plätze Umbriens. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Das gesamte historische, künstlerische und kulturelle Erbe, das sich an seiner Oberfläche befindet, liegt im gleichen Ausmaß oder vielleicht sogar etwas größer auch unter dem Platz. Der Boden aus Ziegeln der Piazza liegt auf überlagerten Felsschichten und über die Jahrhunderte stratifizierten Schichten, ausgehend von der ersten Bevölkerung, den Umbrern, die diese grünen Hügel im 6. bis 7. Jahrhundert v. Chr. erstmals bewohnt haben. In den Jahrhunderten rund um das Jahr Null wurde auf Wunsch einiger wohlhabender Auftraggeber in Assisi ein Forum, das wichtigste Zentrum des Stadtlebens, errichtet. Heute, nach fast 21 Jahrhunderten können wir dieses Forum teilweise noch immer betreten.

Der Eingang in das hypogäische Königreich der ruhigen Stadt befindet sich in der Via Portica. Dazu ist ein Abstieg von mehreren 10 Metern notwendig, und der Zutritt kann über nichts Anderes als die Krypta einer Kirche – ein Symbol für die Verschmelzung von Altem und Unterirdischen – sein, in diesem Fall der Kirche Chiesa di S. Nicolò. Hier befindet sich jedoch nicht nur der Zutritt, sondern ein wahres Museum, denn seit 1934 beherbergt die Krypta die städtische archäologische Sammlung von Assisi. Sie besteht aus wunderbaren und gut erhaltenen Sarkophagen, Urnen und Lampen, den wichtigsten historischen Dokumenten und zahlreichen Informationen über die Antike in der Stadt.

Über eine kleine Öffnung in der Wand der Krypta gelangt man zum Forum. Der Ausstellungsbereich wurde im Jahr 2008 komplett erneuert. Dabei wurden die Einrichtung sowie die Beleuchtungstechnik überarbeitet und ein langer, abgehängter Steg aus Glas wurde errichtet, der den ganzen Raum durchquert und über 100 Meter lang ist. Eine wichtige konservative Maßnahme, die jedoch die Möglichkeit, die Füße auf die von den Vorfahren verlegten Steine zu setzten, nimmt. Wir bewegen uns unter der Erde, aber eigentlich müssen wir uns einen großen, offenen Bereich vorstellen, aufgehellt durch den weißen Travertinstein samt Anstrich und geschützt durch den monumentalen Tempel Tempio di Minerva, der sehr viel höher war als heute, da der Boden mindestens fünf Meter unter seinem heutigen Niveau lag. Beim Gehen über den Steg befindet sich zu unserer Rechten und Linken Leuchten und Inschriften, Erinnerungen an Tote aus den Nekropolen in der Umgebung, die sich vor 2.000 Jahren nicht hier befunden haben, die jedoch die Menschen symbolisieren sollen. Die Anwesenheit von Menschen, die vor langer Zeit das Forum belebten: Einige kamen, um die Ernte ihrer Felder zu vermarkten und zu verkaufen, andere kamen, um öffentlichen Versammlungen beizuwohnen oder daran teilzunehmen, wieder andere kamen, um den Göttern zu danken. Vor uns befinden sich die Überreste des Tribunals, ein Gebäude aus Stein, bestehend aus Sitzgelegenheiten, auf denen die Richter der Stadt Platz nahmen, um die wichtigsten Entscheidungen zu treffen. Hinter dem Tribunal liegt eine Mauer, die man wiederum mit etwas Fantasie betrachten muss, um sich die weiße Wandfarbe und die Blumendekorationen sowie bronzefarbenen Girlanden vorstellen zu können. Das war die Mauer, über die man durch zwei Öffnungen zur Treppe des Tempels gelangt, die nicht gefunden werden konnte. Mit noch etwas mehr Fantasie können wir uns in das 1. Jahrhundert zurückversetzen und den Tempel bestaunen, der aus der Wand auftaucht ohne dass wir begreifen, was darunterliegt, sodass er in der Luft zu schweben scheint.

Wenn wir uns umdrehen und unsere Schultern zum Tempel richten, hätten wir im 1. Jahrhundert ein weiteres wichtiges Monument des religiösen Lebens in der Stadt betrachten können: den Tempel Tempio dei Dioscuri Castore e Polluce (Dioskuren Castor und Pollux), beide Halbgötter und Söhne von Jupiter. Von ihm sind heute nur noch das Fundament und eine große, perfekt erhaltene Inschrift vorhanden, auf der die Namen der Auftraggeber des Werks von den vorbeigehenden Besuchern gut erkennbar sind.

Beim Weitergehen entdeckt man eine der zahlreichen Zisternen, die sich wahrscheinlich in der ganzen Stadt befunden hatten. Obwohl Assisi in der Antike aufgrund der zahlreichen Quellen und gesunden Wasser bekannt war, blieb das Regenwasser ein grundlegender Beitrag zur Wasserversorgung. Allein auf dem Forum waren vier Zisternen zum Sammeln von Wasser vorhanden, von denen zwei bis heute erhalten sind. Deutlich zu erkennen ist noch das Abflusssystem, das dazu diente, das Wasser zu den Zisternen zu bringen.

Die kontinuierliche Erforschung und die Ausstellung führen uns weiter zu zwei Räumen, die wahrscheinlich als Tabernae, also als kommerzielle Läden dienten, in denen wichtige Güter verkauft wurden und in denen sich die Bewohner der Stadt untertags zum Essen aufhielten. Abschließend erwarten und einige Statuen aus Marmor, darunter eine, die wahrscheinlich eine der Dioskuren ist, die sich im Tempel Castore e Polluce befanden.

Der Besuch des Forums und der archäologischen Sammlung ist im Rahmen eines Besuchs in Assisi ein Muss und bestätigt ein weiteres Mal, dass diese Stadt eine unendliche Mine der Geschichte und der Kultur ist. Und wie in jeder Mine, die man besucht, werden mit zunehmender Tiefe immer größere Schätze gefunden.

Obwohl die Stadt über Jahrhunderte ausschließlich ein Ziel für Pilgerreisen und spirituelle Reisen war, bietet Assisi eine große Vielzahl an alternativen Aktivitäten sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner Stadtmauern an. Ein Element, das viele Besucher vergessen, ist dass das Gebiet der Gemeinde Assisi inmitten des Naturparks Parco Nazionale del Monte Subasio liegt.  Dabei handelt es sich um einen äußerst gepflegten und gut ausgestatteten Park mit üppiger Natur. Wenn Sie gerne Wandern oder Ausflüge machen, haben Sie die Qual der Wahl. Im gesamten Naturpark Subasio winden sich tausende Wandwerwege, die gut gekennzeichnet und leicht zu begehen sind. Über diese Wege können Sie wahre Schätze, die im Park versteckt sind, entdecken. Am südlichen Hang des Berges ragen zahlreiche „Felsen”“oder „Klippen“ hervor. Dabei handelt es sich um Felsbildungen, die aus dem Wald herausragen und für ein spektakuläres Panorama senkrecht zum Tal sorgen. Dazu gehört etwa der Sasso Piano auf dem Gipfel oder der Sasso Rosso, der zum Tal Spoleto hin ausgerichtet ist. Am Berggipfel (1290 m. Seehöhe) angekommen, erwartet Sie ein spektakulärer 360-Grad-Ausblick entlang des gesamten Bergrückens des Appennin in Umbrien und den Marken in Richtung Süden und an klaren Tagen sogar bis zum majestätischen Gran Sasso. Von dort aus können Sie noch einige Minuten weiter gehen, um eines der beeindruckendsten Naturschauspiele der Gegend zu sehen: die Mortari. Dabei handelt es sich um wahre Erdspalten, die riesengroß und karstigen Ursprung sind Sie sind über den gesamten Gipfel verteilt und reichen bis zu 60 m weit in die Erde. In der Fachsprache werden sie als Karsttrichter bezeichnet, früher glaubte man jedoch, dass es sich um stille Krater eines  früheren Vulkans handelt. Die Spalte Mortaro Grande reicht bis zu einer Tiefe von 260 m. Mit viel Willensstärke und kräftigen Beinen kann man bis ganz in die Tiefe hinabsteigen und das einzigartige Gefühl genießen. Für alle, die unter Höhenangst leiden, ist dieser Abstieg jedoch nicht geeignet!

Wenn Sie diesen Wegen weiter folgen, entdecken Sie die Reste alter Abteien oder Kirchen, die früher der Sitz von Ordensgemeinschaften oder die Wohnstätte von Einsiedlern waren: die Abtei Abbazia di S. Benedetto al Subasio und Eremo delle carceri sind die beiden berühmtesten Beispiele. Wer müde ist, kann eine Pause einlegen und sich in einem der kleinen, im Wald versteckten Bergorte wie Collepino, Armenzano oder Costa di Trex stärken. Etwas weiter hinunter zum Fluss Tescio können Sie sich erfrischen, ein kleines Bad nehmen oder – wenn Sie etwas dynamischer sind – in Forra del Ponte Marchetto auf ein tolles Canyoning-Abenteuer mit einem erfahrenen und spezialisierten Guide begeben.

Wenn Sie Zeit und Lust haben, können Sie von Assisi aus den Resten des Hl. Franziskus entlang der Via di Francesco folgen: Eine intensive, leidenschaftliche Strecke, die nach Norden zum mysthischen Weg von La Verna, in der Toskana, und nach Süden nach Rom führt. Diese Strecke kann zu Fuß oder mt idem Fahrrad zurückgelegt werden, Sie müssen lediglich früh aus dem Haus.

Wenn Wandern nichts für Sie ist, können Sie den Park auch im Pferdesattel entdecken. Wenn diese Emotionen noch nicht ausreichen, kann sowohl der Park als auch die Stadt Assisi samt dem Tal beim Paragleiten von oben bestaunt werden.

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ETRUSKISCH-UMBRISCHE EPOCHE

 

Die Legende verbindet die Ursprünge Assisis mit Dardanos, einer mythologischen Figur, dessen Geschlecht auch die Stadt Troja gründete. Er hat der Legende nach die Stadt acht Jahrhunderte vor Rom aufgebaut, und um Athene, der Göttin des Krieges und des Wissens, zu danken, errichtete er einen Tempel in ihrem Namen. Derselbe Tempel erhebt sich noch heute auf dem Hauptplatz und obwohl sich dort nun die Kirche S. Maria sopra Minerva befindet, ist er das wichtigste Symbol aus dem klassischen Zeitalter der ganzen Stadt.

Die Asisinates waren mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten direkten Vorgänger der heutigen Bewohner Assisis. Sie gehören zu jenen Völkern, die Plinius der Ältere in seinem Werk Naturalis Historica, das er in der Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. verfasste, zur Bevölkerung Umbriens zählte. Der Römische Historiker und Schriftsteller erklärt tatsächlich, dass die Einwohner umbriens eines der ältesten Völker Italiens waren. Assisi gehörte also dem Umbrien an, das bis zum 3. Jahrhundert v. Chr, als sie beide der Herrschaft Roms unterstellt wurden. in ständigem Kontakt und Konflikt mit dem etruskischen Perugia stand. Der Einfluss der römischen Res Publica sorgte dafür, dass die Streitigkeiten zwischen den Beiden aneinander angrenzenden und aufgrund ihrer Gestalt fast als Zwillinge zu bezeichnenden Städten einige Zeit beigelegt werden konnten. Aber die Auseinandersetzungen zwischen Perugia und Assisi hörten niemals wirklich auf und kennzeichneten die gesamte Geschichte dieser REgion, Die Römer schufen mit ihrer Weisheit nicht eine direkte Herrschaft, sondern führten die Marones, aus Umbrien stammende Amtspersonen, ein, die die Stadt in ihrem Namen verwalteten. Assisi blieb bis in die ersten Jahre des 1. Jahrhunderts v. Chr eine città foederata.

Den Spuren des vorrömischen Assisi zu folgen kann ein gleichermaßen kompliziertes wie aufregendes Abenteuer sein. Die Reste der umbrischen und etruskischen Völker wurden nach zwei Jahrtausenden immer weniger, aber dennoch gibt es eine Strecke, der man folgen kann. Sie beginnt bei der archäologischen Sammlung im Forum Romanum, im Inneren der Piazza Principale. Dort sind unter anderem Inschriften dieses Zeitalters aufbewahrt. Weiter führt das Abenteuer in das Diözesanmuseum in der Kathedrale Cattedrale di S. Rufino, wo es wunderschöne, architektonische Skulpturen zu entdecken gilt, die als Antefixe bezeichnet werden und noch heute in die Fundamente des Pfarrhauses integriert sind.

 

römisches zeitalter

 

Im römischen Assis verbreitete sich schnell das Christentum und auch die ersten Märtyrer wie etwa Rufino (Rufinus). Er war der erste Bischof der Stadt und kam im 3. Jahrhundert aus einer Region der Türkei nach Assisi, um das Evangelium zu predigen. Dabei wurde er natürlich von den Behörden behindert. Nachdem ihn der Prokonsul Aspasio entdeckt hatte, verurteilte er ihn zu schwerer Folter, um ihn anschließend mit einem Felsblock um den Hals gebunden  unweit vom Ort Costano in den Fluss Chiascio zu werfen. Heute ist der Heilige Rufinus der Patron vno Assisi und von der Kathedrale, in der sich sein Grabmal, eines der schönsten und ältesten Grabmäler der Stadt, befindet.

Während der ersten Kaiserzeit musste Assisi bereits für seine wohltuende Luft in Zusammenhang mit der Heiligkeit und der Heilsamkeit des Ortes bekant sein. In der Stadt ließen sich nämlich große Gruppen an Adeligen aus der Hauptstadt nieder, die jedoch die meiste Zeit in Rom verbrachten und hier lediglich Häuser zur Herrschaft über ihr Besitztum errichten ließen. So entstand ein wahrer Urlaubsort. Ein besonderes Phänomen dieser Zeit war tatsächlich der Zustrom von Freigelassenen in die Stadt, die den Besitz in der STadt für ihre Herren verwalteten. Ein Beispiel dafür ist Publio Decimio Eros Merula, der Chirurg, Augenarzt und Wohltäter der Stadt war. Er übergab der Stadt Zuwendungen, um die Straßen pflastern und Statuen für den Herkules-Tempel anfertigen zu lassen. Darauf weist eine noch heute vorhandene Inschrift in der archäologischen Sammlung im Forum Romanum hin.

Im Gegensatz zu früheren Völkern hat die römische Bevölkerung sehr tiefe Spuren in Assisi hinterlassen. Der unterirdische Bereich unter der Piazza Principale, der Piazza del Comune und dem Forum Romanum ist in einem optimalen Zustand und kann besichtigt werden. Hier befand sich jedoch nicht die Siedlung. Sie lag viel weiter oben am Berg. Der unterirdische Bereich diente vielmehr als Pilgerort, der dem Kult des Wassers gewidmet war, das mit großer Wahrscheinlichkei taus einer Quelle direkt hinter dem Tempel entsprang. Von der Piazza nach oben gehend entdecken Sie tatsächlich alte Reste der römischen Architektur wie etwa die Außenmauer einer Zisterne, Reste eines Aquädukts, ein Theater – heute in Privatbesitz – und ein Ampihitheater. Das Amphitheater bei einem Spaziergang durch die Stadt zu finden, ist schwierig. Wenn Sie die Anordnung der Gebäude im Bereich um die Piazza Matteotti jedoch auf einer Landkarte sehen, werden Sie sofort die Position erkennen: Die Häuser erheben sich heute auf den Fundamenten des Amphitheaters und sind in der typisch elliptischen Form der römischen Architektur angeordnet.

Aber der berühmteste kulturelle Hauptdarsteller des Römischen Zeitalters ist zweifelsohne Properz, einer der bedeutendsten Dichter der Klassik. Mit großer Wahrscheinlichkeit im ländlichen Gebiet um Assisi, in der Ortschaft Collemancio, geboren, wurden seine Elegien insbesondere während des neoklassischen Zeitalters zu einem lyrischen Beispiel, das von Autoren wie Ariosto, Tasso und Goethe analysiert und wieder aufgenommen wurde. Wenn Sie noch mehr entdecken möchten, dann sollten Sie sich keinesfalls den Domus Sesto Properzio, der sich unter der Krypta der Kirche S. Maria Maggiore befindet, entgehen lassen. Dort können Sie wunderbare und uralte Fresken und Inschriften bewundern, dank denen Forscher diese Räume als das vom Dichter in seiner Jugend, bevor er nach Rom übersiedelte, bewohnte Haus identifizieren konnten.

 

MITTELALTER

 

Nach dem Fall des Reiches fallen die Betretenheit und das Mysterium, durch die das Hochmittelalter gekennzeichnet war, auch über Assisi herein. Im 5., 6. und 7. Jahrhundert werden die Beweise für den Durchzug germanischer Völker aufgrund der eingeschränkten Verwendung von Schrift und der nicht besonders haltbaren Bauweise immer weniger.

Wir wissen jedoch, dass mit dem Ende der römischen Herschaft, die üblicherweise mit dem Jahr 476 n. Chr. datiert wird, in Assisi eine turbulente und dunkle Zeit beginnt, die trotz einiger Pausen die Stadt bis zum Aufkommen der Vereinigung Italiens zermürbt. Die Belagerungen und Eroberungen wechseln von Anfang an seit dem anfänglichen Streit zwischen den germanischen und den byzantinischen Völkern pausenlos ab.

Nach der gotischen Garnison von Theoderich dem Großen, die anschließend unter den Einfluss des byzantinischen Generals Belisar gelangt, wird Assisi 545 von den Ostrogoten von Totila gestürmt, um im Jahr 552 mit Narses wieder an die Byzantiner überzugehen. Am Ende des 6. Jahrhunderts beginnt dank der Longobarden mit Alboin und durch den Anschluss der Stadt an das Herzogtum Spoleto ein Zeitabschnitt der als Pause angesehen werden kann. Das Longobardenreich fällt zwei Jahrhunderte später noch unter die Schläge des imposanten Heers Karls des Großen. Der Durchzug der Franken und des neuen Karolingerreichs, der in der Stadt keine Spuren hinterlassen zu haben scheint, zeigte sich deutlicher in den Schrecken außerhalb der Stadt, wo der Zeitraum kontinuierlicher Krieger die Regierenden dazu zwang die Verteidigung der Stadt mit Kastellierungen aufrecht zu erhalten. Viele der Burgen im Tal und die wunderschönen Dörfer, die sich rund um diese Burgen gebildet haben, gehen tatsächlich auf diesen Zeitabschnitt zurück. Die Burgen Torchiagina, Tordandrea, Castelnuovo, Sterpeto und Petrignano sind nur einige der Siedlungen, die sich während dieser Zeit entwickelt haben und die allen voran die Stadt verteitigten.

Das Burgensystem hielt bis 1174 stand, als die Truppen des deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa, nachdem sie einen Großteil Norditaliens eingenommen hatten, in Assisi einfielen. Er, der aus einer Familie stammte, die sich mit der Errichtung von Burgen beschäftigte (sein Enkel, Friedrich II, ließ das Castel del Monte errichten), ordnete den Bau der Rocca Maggiore auf den Überresten aus dem Römischen Zeitalter für einen Kurzaufenthalt an.

 

 

DIE KOMUNEN

 

Aber der Widerstand der Rocca war nichts gegen die Kräfte, die sich zu der Zeit in Italien entwickelten. Auf der einen Seite stand Papst Innozenz III. mit seiner Expansionspolitik in Mittelitalien, au fder anderen Seite die Lebendigkeit der Gemeindeinstitutionen, die sich im gesamten Land entwickelten. Im Jahr 1198 wurde die Kaiserliche Macht durch einen Volksaufstand abgesetzt und damit in Assisi eine Gemeindeverwaltung aus Konsuln und dem Capitano del Popolo (Volksanführer) eingerichtet, selbstverständlich nicht ohne, dass die kirrchlichen Institutionen dabei ihre Finger im Spiel hatten. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass hier der unendlich lange Kampf zwischen den Fraktionen der Guelfen, unterstützt vom Papst, und der Ghibellinen, Unterstützer des Kaiserreiches, in der Stadt begann. Mit derselben Dynamik, mit der sich die beiden Fraktionen häufig gegenüberstanden, taten dies auch die beiden Städte Perugia und Assisi: einmal wurde die eine Stadt von den Guelfen und die andere von den Ghibellinen beherrscht, ein anderes Mal war es wieder anders herum.

In der Zwischenzeit wurde zwischen 1181 und 1182 in einem kleinen Haus im Stadtzentrum, wo sich heute die Chiesa Nuova befindet, Giovanni di Pietro di Bernardone geboren. Er war der wichtigste Mann in Assisi und einer der berühmtesten Männer der westlichen Welt. Wenn Ihnen der Name nicht bekannt vorkommt, dann liegt dies am Namen der Person selbst, der sich zu einem späteren Zeitpunkt in Franziskus von Assisi änderte.

In diesem Zusammenhang wäre es unmöglich vom Leben und von den Tätigkeiten des Mannes zu berichten, der die katholische Kirche durch die Wiederentdeckung von Werten wie Frieden, Armut und Brüderlichkeit revolutionierte und mit großer Wahrscheinlichkeit vor einer unendlichen Krise bewahrte. Es gibt keine bessere Art Franziskus kennenzulernen, als seine Stadt zu erkunden. Jede Kirche, die Sie besuchen, jede Straße, durch die Sie gehen, jedes Kunstwerk, das Sie bestaunen: Überall werden Sie einen kleinen Teil mehr von der Erzählung dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit finden. In den Legenden und Überlieferungen seiner Heiligengeschichte entdecken Sie die Heiligkeit und die Bedeutung der Werte, durch die er sich auszeichnete in den Festlichkeiten und historischen Zeugnissen finden Sie die Schönheit und die Einfachheit eines so gewöhnlichen Mannes, der uns allen ähnlich ist.

Nach seinem Tod im Jahr 1226 und mit seiner Heiligsprechung, die zwei Jahre später erfolgte, erlebte die Stadt der Engel ihre künstlerische und kulturelle Blütezeit. Auf einmal füllten sich die Straßen mit Pilgern aller Länder und sozialen Schichten, von arm und aussätzig über den Prinzen bis hin zum Kardinal. Maler, Bildhauer, Baumeister und Künstler jeder Art kommen aus aller Welt und lassen eine Schmiede verschiedener Kulturen und Kunststile entstehen. Die orte, die wir heute mit offenem Mund bestaunen, wären nicht so wunderbar geworden, wenn ein Mann, unmittelbar nach dem Tod von Franziskus, sich nicht eingesetzt hätte, um sie mit derartiger Prakt zu errichten. Frate Elia, Leiter des Franziskanerordens, den der Heilige gegründet hatte, kämpfte für die Errichtung von zwei Kirchen, die Franziskus gewidmet sind: die Basilica Inferiore und die Basilica Superiore, die seiner Heiligkeit würdig sind. Die Gebote der Bescheidenheit, Armut und Enthaltsamkeit, die Franziskus gepredigt hatte und die sein Orden einhielt, riefen eine lange Debatte über die Art und Weise, auf die die in seinem Namen errichteten Gebäude gebaut und eingerichtet werden sollten. Wenn sich damals Elia nicht eingesetzt hätte, dann würden sich kleine und anonyme Gebäude ohne Dekoration und ohne wertvolle Gegenstände im Inneren, wie es die Regel besagt, an der Stelle der Basiliche di S. Francesco, der Basilica di S. Chiara, der Basilica di S. Maria degli Angeli und vieler anderer wunderbarer und meisterhafter Gedenkstätten für Franziskus stehen. Die Dinge nahmen jedoch ihren eigenen Lauf. Sie können sich einen Spaß machen, indem sie durch die Stadt spazieren und sich die Gebäude auf die franziskanische Art und Weise vorstellen. Dabei können Sie sich fragen, ob sich die Geschichte der Stadt, Italiens und der gesamten Kirche genauso entwickelt hätte.

Nur das Leben von Franziskus konnte der Stadt einige Jahre voller Frieden und Heiterkeit verleihen. Aber sehr schnell begannen die Feindseligkeiten, der Groll und die Gewalt zwischen den Fraktionen der Stadt wieder, was zu einer nur schwer vorstellbaren Eskalation führte. Im Jahr 1319 wurde die Stadt aufgrund der Vorstöße der Ghibellinen von Muzio Brancaleoni sogar von Papst Johannes XXII. höchst persönlich exkomuniziert und ihren Einwohner war es für mehr als 30 Jahre verboten die Sakramente zu empfangen und religiös begraben zu werden. Später wurde die Stadt wieder dem Schutz des Papstes unterstellt. Dies ist Kardinal Albornoz zu verdanken, der um neue Tumulte seitens der aufständischen Ketzer die Stadtmauern und Festungen der Stadt verstärkte und unweit von der Rocca Maggiore die Rocca Minore errichten ließ. Die beiden Festungen wurden außerdem durch einen langen Gang miteinander verbunden.

Am Ende des 14. Jahrhunderts loderten die internen Kämpfe wieder auf: Die Feindseligkeiten der beiden Fraktionen, die von der Familie Nepis angeleiteten Guelfen und die von Guglielmo di Carlo (Enkel von Muzio Brancaleoni) angeführten Ghibellinen erreichten einen Punkt, an dem die Stadt wörtlich entzweit wurde – in die Parte di Sopra mit den Stadtteilen Porta Perlici, S. Chiara und S. Maria Maggiore und in die Parte di Sotto mit S. Francesco, S. Giacomo und S. Pietro. Die Trennung war derart markant, dass die Stadt für immer in diese zwei Teile unterteilt blieb. Und heute können einmal im Jahr die Emotionen dieser Tage dank des Calendimaggio erlebt werden, allerdings ohne Todes- oder Exkomunikationsgefahr!

 

RENAISSANCE

 

Nicht einmal das blühende Zeitalter der Renaissance, die tragende Periode für Kultur und Schönheit in ganz Italien, konnte die Streitigkeiten der geplagten umbrischen Stadt besänftigen. Während des gesamten 15. Jahrhunderts durch die Einfälle der rebellischen Feldherren aus Perugia geplagt, die die Stadt in mehreren Wiederholungen in Besitz nahmen und regelmäßig von den Verbündeten des Kirchenstaates wie etwa den Sforza oder den Montefeltro zurückgeschlagen wurden. Im Jahr 1398 fiel Braccio Fortebraccio da Montone mit der Absicht, später nach Perugia zurückzukehren, von wo er einige Zeit zuvor verbannt wurde, in Assisi ein. Im Jahr 1442 gelang es Niccolò Piccinino mit der Hilfe eines betrügerischen Ordensbruders die Stadtmauern zu überwinden und er zerstörte alles, was er aufd er Straße vorfand. Der Legende zufolge lehnte er von der Schönheit der Stadt geblendet 15.000 Gulden, die ihm die Gemeinde Perugia anbot, um Assisi dem Erdboden gleichzumachen, ab.

Assisi war in die Knie gezwungen, zerstört und desolat. Am Ende des Jahrhunderts begannen die Streitigkeiten zwischen den Fraktionen der Stadt gleichzeitig mit den internen Kämpfen zwischen den Familien aus Perugia erneut. Die Parte di Sopra der Guelfen unterstützte die Familie Baglioni, und die Parte di Sotto von den Ghibellinen half zur Familie Oddi. Und noch zu Beginn des neuen Jahrhunderts musste die Stadt das Gemetzel und die Zerstörung durch Valentino, Cesare Borgia, ertragen, der mit dem Vorsatz die Stadt unter die Herrschaft des Papstes zu bringen, jede Kirche skrupellos und ohne Zurückhaltung. ausplünderte.

Um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, in der sich die Stadt in diesem Jahrhundert befand, reicht es aus daran zu denken, dass neben der historischen Epidemie des Jahres 1348 zwischen 1416 und 1529 gut 26 Pestilienzen verzeichnet wurden, also im Durchschnitt alle vier Jahre. Während dieser Pestilienzen waren die Einwohner der Stadt dazu gezwungen ihre Heimat zu verlassen und zu versuchen sich zwischen den Risiken und dem Elend im Umland und in den Berggebieten weiterzubringen. Andernfalls mussten sie in der Stadt zurückbleiben und probeiren, dem sicheren Tod zu entrinnen. Ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Assisi zu einem festen Bestandteil des Kirchenstaates und es begann eine neue Ära des Friedens, in der jedoch paradoxerweise die Armut größer war als zuvor.

 

DIE MODERNE

 

Der Zeitraum der Stabilität und des Friedens in der franziskanischen Stadt dauerte fast zwei Jahrhunderte, bis eine neue Bedrohung ganz Italien erschütterte: Napoleon Bonaparte. Zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts und dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Assisi von den französischen Truppen eingenommen, die alle Schätze der Kirchen in der Stadt sowie viele Kunstwerke in Beschlag nahmen. Die Schlagzeilen berichten, dass alleine aus der Sakristei der Basilica di S. Francesco mehr als fünf Zentner verarbeitetes Silber geraubt wurden. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts war die Stadt sehr arm und trieb weder Handel noch verfügte sie über Industriebetriebe. Zudem war sie menschenleer. Der Großteil der Einwohner war ins Umland übersiedelt, um sich mit der einzigen verfügbaren wirtschaftlichen Tätigkeit, der Landwirtschaft, über Wasser zu halten. Als ob das noch nicht genug wäre, macht ein fatales Erdbeben die Stadt im Jahr 1832 dem Erdboden gleich und zerstört die Sehenswürdigkeiten stark. Nur die Basilica S. Francesca blieb verschont. Die Kuppen der Basilica di S. Maria delgi Angeli brach ein, aber wie durch ein Wunder wurde die Porziuncola, ein besonders wertvoller Ort der Geschichte des Hl. Franziskus, nicht beschädigt. Die kulturelle und wirtschaftliche Lebendigkeit der Stadt wurde ein weiteres Mal durch ein heiliges Ereignis in Zusammenhang mit dem Franziskuskult neu entfacht: Der Fund der sterblichen Überreste von Franziskus und Klara. Im Jahr 1818 wurde auf Anordnung des Papstes Pius VII. nach 52 Nächten harter Arbeit der Körper von Franziskus unter dem Altar der Basilica Inferiore ausgegraben. Diese Neuigkeit ging um die ganze Welt und zog Millionen Pilger, Gläubige und Neugierige an, um die sterblichen Überreste des Heiligen zu sehen, die in einer Krypta unter der Basilica selbst verwahrt werden. Einige Jahre später war seine Schülerin, die Hl. Klara, die von Franziskus in Schutz genommen wurde und den Klarissenorden gründete, an der Reihe. Im Jahr 1850 wurden nämlich ihre sterblichen Überrreste in der Basilika di S. Chiara ausgegraben und zu jenen ihres spirituellen Lehrers gebracht.

 

DAS 20. JAHRHUNDERT

 

Der Ruhm, der Glanz und die Wirtschaft der Stadt erreichten ihren Höhepunkt während des Faschimus dank der Arbeit des aufgeklärten Bürgermeisters Arnaldo Fortini. Die Feierlichkeiten zum 700. Todestag von Franziskus (1926-27) und seine Ausrufung als Heiliger Patron Italiens im Jahr 1939 durch Papst Pius XII. erfreuten sich weltweiter Resonanz. Assisi erhielt einen Glanz, den die Stadt nie mehr verloren hat.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Assisi vom deutschen Heer eingenommen. Während des Widerstandes schienen Bombardierungen unvermeidbar zu sein und für die Wahrzeichen der Stadt hätte sich das Ende abgezeichnet. Aber ihre Schönheit und ihre Spiritualität sorgten in Kombination mit der diplomatischen Arbeit einiger Bischöfe  sowie mit dem Weitblick der beiden Kommandanten, jenes der deutschen Besatzung und jenes der eintreffenden Verbündeten, sorgten dafür, dass Assisi zur „Spitalsstadt“ ernannt wurde, die nicht als Lager für Waffen und Munition verwendet und nicht bombardiert wurde. Während der deutschen Besetzung wurde die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes von Flüchtlichen überströmt, darunter 300 Hebräer. Einige vom Bischof Giuseppe Placido Nicolini angeführte Ordensbrüder und Pfarrer verwandelten Assisi in eines der Hauptzentren des bürgerlichen Widerstandes gegen den Holocaust in Italien. Als Ordensbrüder und –schwestern verkleidet, in den unterirdischen Räumen und Kellern versteckt, als Evakuierte getarnt, mit falschen Dokumenten, wurden die nach Assisi geflüchteten Hebräer von einem großen Netzwerk der Solidarität geschützt, das sich auch über andere Gegenden Umbriens erstreckte und nicht zuletzt dank des Radfahrers Gino Bartali Kontakt zu Widerstandsgruppen in Ligurien und der Toskana hatte.

Das Jahrhundert endete mit einem Bild, das um die Welt ging. Es war am 26. September 1997 kurz nach 11 Uhr, als eine starke Erdbebenwelle Assisi und die umliegende Gegend erschütterte. Das Gewölbe der Basilica Superiore di S. Franceso, die Erdbeben seit über 800 Jahren standgehalten hatte, stürzte erschütternd ein und tötete vier Menschen. Eine ungeheure Tragödie für die Menschheit, eine weiterer der wiederkehrenden schwarzen Zeitabschnitte der kleinen Stadt, die seit Jahrtausenden auf dem Gipfel eines Hügels steht und sich immer wieder erholt hat und immer wieder erholen wird.

Entlang der mit Kopfsteinpflaster übersäten Straßen, zwischen den Restaurants und den Souvenirläden, gelangt man leicht in die Studios von Künstlern oder in die Werkstätten von Handwerkern, die hochwertige Objekte anbieten. Hier werden nicht nur die Tätigkeit des Handels, sondern auch die Arbeitstechniken und in einigen Fällen typische Beispiele für Kultur und lokale Tradition von Generation zu Generation weitergegeben. Wir möchten auf die Tätigkeit des Verarbeitens von Eisen und Kupfer, aus denen Gegenstände und wunderschöne mittelalterliche Waffen hergestellt werden, aufmerksam machen; und auch auf die Verarbeitung von Holz, insbesondere von Olivenholz, das schon seit der Antike hier angebaut wird und in diesem Gebiet üppig wächst. Aus diesem Holz werden raffinierte Gegenstände und Reproduktionen der sakralen Kunst hergestellt. Einer der berühmtesten Gegenstände aus Assisi ist das Tau, das als Anhänger führ Halsketten angefertigt wird, um es immer bei sich zu tragen. Das Zeichen erinnert leicht an den Buchstaben „T“ und stellte in der Antike den letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets dar – Tau – Ende. Seine Symbolik ist mit den Wurzeln des Christentums verbunden, es wird im alten Testament erwähnt und war Teil des Kodex, mit dem die ersten Christen im Römischen zeitalter ihren Glauben im Inneren von Katakomben zum Ausdruck brachten und darstellten. Das Tau war dem Hl. Franziskus sehr wichtig – sowol aufgrund seiner alten Symbolik, als auch weil die Form an ein Kreuz erinnert, ein weiteres, sehr wichtiges Symbol im Christentum. Tatsächlich unterschrieb er viele seiner Briefe an seine Ordensbrüder oder Verehrer mit diesem Symbol.

Wenn Sie das Textilhandwerk mögen, dann möchten wir Sie darüber informieren, dass Assisi das Ursprungsgebiet einer einzigartigen Stickerei – der Assisi-Stickerei – oder Franziskus-Stickerei ist. Im Stadtzentrum finden Sie zahlreiche Werkstätten, die Manufakte mit dieser Technik herstellen, auch auf Auftrag. Diese Stickerei hat einen hohen Wiedererkennungswert, denn sie umfasst die „Negativ-Technik“. Die Figuren, die stark an romanische und gotische Dekorations- und Architekturstile erinnern, werden durch Umrandung der Konturen hergestellt. Diese uralte Technik wurde schon im Jahr 1500 von Ordensbrüdern angewendet, die in den zahlreichen Klöstern lebten. Mit der Ankunft der Moderne wäre diese Tradition beinahe verschwunden. Ein großteil ihrer Rückgewinnung ist einer Adelsfrau aust dem Ort zu verdanken: Elisabetta Locatelli Pucci. Sie ließ 1903 in der Stadt eine spezielle Stickereiwerkstätte errichten, die sie in die Genossenschaft Industrie Femminili Italiane (Italienische Frauen in der Industrie), ein prestigeträchtiges italienisches Unternehmen am Beginn des 20. Jahrhunderts, einfügte. Die Assisi-Stickerei und ihre alte Tradition wurden so gesichert. Ab diesem Zeitpunkt entstanden viele Schulen in der Gegend und die Tradition wurde auch zu einer wichtigen Einnahmequelle.

Im 16. Jahrhundert war in einer Zusammenfassung für den Papst, die ein päpstlicher Funktionär während seines Besuches geschrieben hatte, zu lesen, dass das trotz der seit Jahrhunderten anhaltenden Kriege und Streitigkeiten zerrissene Assisi „si potria sopra tutte le città dell’Umbria chiamarsi felice, poiché di grano, vino et olio et altre cose necessarie al vitto abbonda sopra ogn’altra et di bonissimi frutti […]“ („sich mehr als alle Städte Umbriens glücklich schätzen kann, weil es über ausreichend Korn, Wein und Öl sowie über andere, für die Ernährung wichtige Dinge mehr als jede andere Stadt verfügt, und auch über köstliche Früchte […]“). Wenn uns bereits bekannt war, dass gutes Essen glücklich macht, dann wissen wir nun, dass das in Assisi seit Jahrhunderten so geschieht.

Das, was das Essen in dieser Gegend raffiniert macht, ist zweifelsohne der Kontakt mit der Geschichte, mit alten Traditionen und mit dem Wissen, anhand dem die Ernte vom Boden auf den Tisch gebracht wird. Einige Jahrhundert später ist wiederum in einem Dokument von einer landwirtschaftlichen Komission des Königreichs Italien zu lesen, dass „l’alimentazione dei mezzadri è nella maggior parte costituita di […] focacce o torte che si cuociono in un disco di terra refrattaria riscaldato al fuoco ad una temperatura piuttosto alta“ („die Ernährung der Pächter besteht zu einem großten Teil aus […] Focaccia oder Torten, die auf einer Tonscheibe gebacken werden, die im Feuer auf eine sehr hohe Temperatur erhitzt wird“). Dieselbe Technik wird von den Bäckern in Assisi noch heute, ein Jahrhundert später, für die Torta al Testo (ähnlich wie Piadina oder Fladen), eine der typischsten Speisen der Region, verwendet.

Eine weitere typische Spezialität ist mit Sicherheit das Öl. Die Stadt ist tatsächlich Teil der Fascia Olivata Assisi Spoleto (Olivenstreifen Assisi-Spoleto). Dabei handelt es sich um ein Landstück, das aus sechs verschiedenen Gemeinden besteht und eine einzige Landschaft bildet, in der seit Jahrhunderten mithilfe des Menschen auf einer Länge von über 40 Kilometern entlang der Hänge des Tales Valle Spoletana Oliven angebaut werden. Dabei erfolgt der Anbau so, dass er den Aspekten des Umweltschutzes und der Umwelterhaltung entspricht und für ein einzigartiges Gleichgewicht sorgt. Die Fascia Olivata wurde 2018 von der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen), als landwirtschaftliches Erbe von weltweiter Bedeutung anerkannt.

Und wenn Sie noch immer nicht davon überzeugt sind, dass man glücklich ist, wenn man gut isst, können Sie zusätzlich eine Tour durch die kleinen Dörfer unternehmen, die am Fuße von Assisi liegen und regelmäßig Dorffeste zu bestimmten Themen organisieren, in deren Rahmen typische Speisen angeboten werden. Beispiel gefällig? Torta al Testo mit Salsiccia und Kräutern, gebratene Gans, Schnecken in Sauce, Spanferkel Porchetta di Costano, Wildschweinragout, Parmigiana mit roten Zwiebeln aus Cannara sowie Spaghetti mit dem Schafskäse Caciotta del Subasio und Trüffel sind nur einige der Gerichte, die Sie auf den Tischen dieser Gegend vorfinden. Fühlen Sie sich schon ein wenig glücklicher?

Assisi ist nicht nur eine Stadt, die es zu besichtigen gilt, sondern auch eine Stadt, die es zu erleben gilt. Die Einwohner und Behörden sind stets lebendig und organisieren Veranstaltungen und Events jeglicher Art, um die Stadt voll aufblühen zu lassen – sowohl für Einwohner, als auch für Touristen. Das ganze Jahr hindurch fnden zahlreiche Konzerte in der ganzen Stadt und in ihrer Umgebung statt, vom klassischen Weihnachtskonzert in der Basilica Suuperiore di S. Franceso, das in der Eurovision übertragen wird, bis hin zum alternativen Riverock Festival, das seit Jahren eine Bühne für aufstrebende und besonders innovative nationale und internationale Musikgruppen ist. Außerdem finden zahlreiche kulinarische Events inklusive der Dorffeste, bei denen viele typische Produkte aus der Region angeboten werden, sowie viele kulturelle und theaterbezogene Veranstaltungen, wie etwa die Spielsaisonen in den wunderschönen Theatern der STadt, zum Beispiel Metastasio oder Lyrick.

Falls Sie Assisi zwischen Ende April und Anfang Mai besuchen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie Menschen in mittelalterlichen Kleidern begegnen, die beschäftigt durch die Stadt spazieren oder zu mittelalterlicher Musik tanzen oder mittelalterliche Lieder singen oder Sie die mächtigen und urzeitlichen Rhythmen von Trommlergruppen hören. Sie befinden sich inmitten des wunderschönen Calendimaggio, eine der ältesten und berühmtesten Traditionen Umbriens, die im Späten 14. Jahrhundert plötzlich nach Assisi verlagert wurde, als die Rivalität der beiden Gruppen in der Stadt die stärkesten Spannungen erlebte. Die Nobilissima Parte de Sopra (edler oberer Teil), angeleitet von der alteingesessenen Familie Nepis, war mit den italienischen Ghibellinen zum Kampf für den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zum Kampf bereit. Die Magnifica Parte de Sotto (wunderbarer unterer Teil), angeleitet von der Familie Fiume, hatte sich mit den gegnerischen Guelfen im Namen des damaligen Papstes auf den Kampf vorbereitet.

Aber jedes Jahr wurden in der Stadt während der „Calende di Maggio“ (also während des neuen Zyklus des Maimondes) die Streitigkeiten beigelegt, um die Ankuft des Frühlings und die Wiedergeburt der Natur zu feiern sowie um eine reiche Ernte zu bitten. Nach sieben Jahrhunderten  wird Assisi in diesem Zeitraum noch heute aufgezeizt, strotzt vor Lebensfreude und geht in eine einzigaritge und surreale Atmosphäre über.

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