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Perugia

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Entdecke Perugia

Perugia ist der Hauptort der Region Umbrien und zählt heute 165.000 Einwohner. Im Vergleich zur Region selbst hat die Stadt eine besonders vorteilharte Lage, denn sie befindet sich in der Mitte Umbriens, unmittelbar unterhalb dem Apennin und vor dem Tibertal, an einer Art Kreuzungspunkt für Menschen und Waren im Zentrum Italiens.

Perugia ist in Italien und in aller Welt als Stadt der Schokolade sowie für das berühmte Festival Umbria Jazz bekannt. Außerdem befindet sich hier eine sehr bekannte und geschätzte Universität, die jährlich über 25.000 Studenten anzieht.

Die Stadt erstreckt sich über einen Hügel auf einer Seehöhe von 493 m zwischen dem Tibertal und dem Tal Valle Umbra und scheint über die beiden Täler zu herrschen.

Egal, von welcher Himmelsrichtung aus Sie Perugia erreichen, Sie werden sofort erkennen, dass es sich schön über den Hügel erstreckt ohne die Umgebung zu stark zu beeinflussen, aber mit dem Bewusstsein und dem Stolz, der seit jeher hier zu finden sind.

„Seit jeher“ wird häufig falsch verwendet und in Zusammenhang mit einer Stadt ist die eigentliche Bedeutung „schon seit immer“. Mit Sicherheit ist die Überheblichkeit nicht groß, aber die Ursprügne der Stadt reichen bis in sehr weit entfernte Epochen, eigentlich bis zu einigen der ersten Völker, die die italienische Halbinsel bewohnt haben, zurück.

Etrusker und Umbrier haben die Ursprünge der Stadt gleichermaßen gekennzeichnet und das urbane Erscheinungsbild wie auch die damalige wirtschaftliche Lage geprägt und ermöglichten, dass die Stadt in den Beziehungen zwischen den beiden Völkern eine deutliche Rolle gespielt hat.

Im Römischen Zeitalter hat Perugia glänzende Zeiten abwechselnd mit Zeitabschnitten voller Elend erlebt, die insbesondere auf die Rolle, die die Stadt in verschiedenen regionalen Streitigkeiten selbst innerhalb des Römischen Reichs gespielt hat, zurückzuführen waren. Während der Schlacht zwischen Marc Anton und Augustus wurde Perugia beispielsweise zerstört, aber gleich danach wieder vollständig aufgebaut und von Augustus selbst saniert.

Ein Wechsel aus unterschiedlichen Herrschaften und Reichen hinterließ verschiedene Zeichen in der Stadt, bis letztere endgültig dem Kirchenstaat zufiel. Doch auch diese Herrschaft zeichnete sich durch wenig Stabilität aus, vor allem aufgrund der Päpste, die ihre Anwesenheit und ihre Macht nur teilweise nutzten, wie auch aufgrund der verschiedenen Familien, die miteinander verfeinet waren, oder auch aufgrund der Bedrohung durch Gutsherren und Eroberer aus angrenzenden Reichen, die kontinuierlich in die Stadt einfielen, um sie in ihre Ländereien zu integrieren. Eine stürmische Geschichte, bei der Peruga der Hauptort von Zerstörungen, aber auch von meisterhaftem Wiederaufbau war. All das hat bis heute sichtbare Zeichen hinterlassen und machte die Stadt zu einer der schönsten Städte Italiens. Mit ihren Palazzi aus der Renaissance und den zahlreichen Zeugnissen der Etrusker und Römer bleibt Ihnen Perugia mit Sicherheit in Erinnerung.

Auf Erkundungstour durch Perugia

Sie können einfach nur durch das Stadtzentrum von Perugia spazieren, sich in den engen und unregelmäßigen Gassen, die das Gewebe des Straßennetzes der Stadt darstellen, verirren, und Sie werden sich sofort wohlfühlen. Gehen Sie zum Beispiel einfach den Corso Vannucci ausgehend vom Brunnen Fontana Maggiore auf der Piazza IV Novembre entlang über die Piazza della Repubblica, um die Piazza Italia zu erreichen und das Panorama über das Tal Vallata Umbra aus den Gärten Giardini Carducci zu genießen.

Das Labyrinth aus verschiedenen Wegen, die vom Corso Vannucci ausgehen, erinnert an das originale Straßennetz der Etrusker und entwickelt sich zu einer wunderbaren Kombination aus kleinen Sträßchen, Engstellen zwischen alten Palazzi, atemberaubenden Bögen und lebendigen Pastellfarben, die so erscheinen, als würde sie die Sonne ständig verändern. Das Ende des mittelalterlichen Aquädukts mit der breiten Treppe ist ein atemberaubender Anblick, der den zahlreichen Dekorationen der umliegenden bunten Häuser zu verdanken ist.

Während der Besichtigung der Stadt atmen Sie sofort Kunst und Kultur ein – egal ob Sie sich dazu entscheiden einfach nur der Nase nachzugehen oder einen vertieften Rundgang zwischen den verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu machen. Sie werden zum Beispiel zahlreiche Reste etruskischen Ursprungs entdecken: vom Brunnen Pozzo Etrusco bis hin zum Bogen Arco Etrusco, der sich in der originalen Stadtmauer befindet und im Römischen Zeitalter restauriert wurde (von Kaiser Augustus, daher wurde er später auch Arco Augusto genannt).

Auf der Piazza IV. Novembre können Sie neben dem berühmten Brunnen Fontana Maggiore auch die Cattedrale di San Lorenzo und gleich daneben, an der gegenüberligenden Seite der Piazza, den Palazzo dei Priori sehen, der beim Betreten des Saales Sala dei Notari besichtigt werden kann. Im Palazzo befindet sich die Galleria Nazionale dell’Umbria (Umbrische Nationalgalerie), in der zahlreiche Meisterwerke aus Mittelalter und Renaissance bestaunt werden können.

Gleich außerhalb der Hauptstraße, in Richtung Corso Cavour, finden Sie die fantastische Basilica di San Pietro, die genau vor den Gärten Giardini del Frontone liegt. Ein Rundgang durch dieses wunderbare Gebäude ist ein Muss für jeden Touristen. Beim Hinuntergehen vom oberen Teil der Stadt kann vor der Piazza Italia in Richtung Piazza Partigiani im wahrsten Sinne des Wortes die Rocca Paolina überquert werden, die im Inneren zu besichtigen ist und sich samt vieler der original erhaltenen Räumen in einem optimalen zustand zeigt.

Im gesamten Stadtzentrum sowie außerhalb der Stadtmauern befinden sich die zahlreichen Adelspaläste, die zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert entstanden und teilweise besichtigt werden könnten. Dabei ist insbesondere zu erwähnen der Palazzo Antinori-Gallenga Stuart, heute Sitz der Università degli Stranieri, der auf der Piazza Fortebraccio unmittelbar außerhalb der alten Mauern zu finden ist und in einem wunderbaren Barockstil errichtet wurde, oder der Palazzo della Penna oder der Palazzo Sorbello, die jeweils das Museo Civico (Stadtmuseum) und das Museum Museo Sorbello beherbergen.

Auf der Piazza IV Novembre, im Herzen von Perugia, wird jeder vom Blick auf eines der schönsten und elegantesten Gebäude der italienischen Kommunalzeit fasziniert sein. Es ist der Palazzo dei Priori, sicherlich eines der wichtigsten und bedeutendsten Denkmäler (wenn nicht sogar das bedeutendste Denkmal) von Perugia und seiner Geschichte.

Es wurde 1293-97 gebaut, aber bis 1500 wurden verschiedene Änderungen und Umbaumaßnahmen vorgenommen. Das Gebäude befindet sich im Zentrum der Stadt, das früher und auch heute noch als Zentrum des politischen und sozialen Lebens der Stadt gilt. Der Bau wurde ausgeführt, um dem Organ der Justiz einen angemessenen Sitz zu schaffen, aber vor allem, weil Perugia seine größte Blütezeit erlebte und es als notwendig erachtet wurde, den Wohlstand zu zeigen und zu versuchen, die großen Ambitionen der Gemeinde darzustellen.

Das Gebäude überblickt auf der einen Seite die Piazza IV Novembre und auf der anderen Seite den Corso Vannucci. Er ist etwa hundertzwanzig Meter lang, achtundzwanzig breit und dreißig Meter hoch. Das verwendete Material ist weißer Travertin aus Assisi und weißer sowie rosafarbener Stein aus Bettona. Die Struktur des Palastes, die erst später zu dem geworden ist, was wir heute sehen, ist das Ergebnis von drei verschiedenen Erweiterungen in drei verschiedenen Perioden.

Die Grundzüge entsprechen einem gotischen Stil, die erste Zubau, der zwischen 1333 und 1353 erfolgte, befindet in der Nähe der Kirche San Severo, mit den drei Bögen auf der rechten Seite der Fassade vor dem Brunnen. Die zweite Erweiterung wurde im Teil mit Blick auf den Corso Vannucci zwischen 1429 und 1443 durchgeführt, mit der Vergrößerung des Bogens, der über die Via dei Priori führt. Die dritte und letzte Erweiterung erfolgte erneut am Corso Vannucci in Richtung Piazza della Repubblica und wurde vom Architekten Alessi aus Perugia geplant.

Die Fassade zur Piazza IV Novembre verfügt über einen Eingang oben an der Treppe, über den man in die Sala dei Notari gelangt. Über der Türbefanden sich ein Greif und ein Löwe, die beinahe die ganze Piazza überwachten (die Originale befinden sich derzeit in der Lobby der Nationalgalerie Umbriens). Auf der Seite mit Blick auf den Corso Vannucci ist sofort die Schönheit der Linien zu erblicken und die verschiedenen Erweiterungen sind harmonisch zu erkennen. Im Obergeschoss ist eine schöne Reihe von gotischen Triphoren zu sehen, die den Stil der bereits an der Fassade vorhandenen Triphohren widerspiegeln. Das prächtige Haupttor ist zweifellos erwähnenswert. Darüber sind in drei Basreliefs die drei Schutzheiligen von Perugia eingearbeitet: Hl. Herkulanus, Hl. Konstantin und Hl. Lorenz. Das 1346 erbaute Tor ist ein Werk raffinierter und wertvoller Handwerkskunst, enthält mehrere Dekorationen als Bildhauerei, die verschiedene Szenen des Stadtlebens darstellen.

Der gesamte obere Umfang des Palazzo ist mit Zinnen verziert, markante Zeichen, die typisch für die städtische Architektur sind, aber dem Papststaat nicht geflielen. Daher wurden sie entfernt, als Perugia wieder unter die päpstliche Herrschaft kam und erst mit der Vereinigung Italiens wieder errichtet.

Heute beherbergt der Palazzo dei Priori nicht nur den Sitz der Gemeinde Perugia, sondern auch die Nationalgalerie Umbriens. Im Inneren können Sie auch die Sala dei Notari, die Sala del Consiglio, die Sala del Nobile Collegio del Cambio, die Sala del Nobile Collegio della Mercanzia und die Cappella dei Priori besuchen.

PIAZZA IV NOVEMBRE

Der Brunnen Fontana Maggiore befindet sich mitten auf dem Platz Piazza IV Novembre, der wiederum im Zentrum Perugias liegt. Die Piazza hat das öffentliche Leben der Stadt durch jeden Zeitabschnitt begleitet und war das Zentrum vieler institutioneller Funktionen. Sie befindet sich nämlich genau zwischen dem Dom Duomo di S. Lorenzo, in den der Bischofssitz im 10.Jahrhundert übersiedelt wurde, und dem Palazzo dei Priori mit Zugang zum Saal Sala dei Notari, institutionelles Zentrum sowie Zentrum der Stadtverwaltung seit der Entstehung der Gemeinde.

Heute verfügt die Piazza über die nach der zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert erfolgten Restaurierung geschaffene Struktur, durch die die Piazza immer mehr zum Zentrum des Lebens in Perugia wurde – sowohl aufgrund ihrer administrativen Funktion als auch betreffend die Aspekte des alltäglichen Lebens.

 

FONTANA MAGGIORE

In der Mitte der Piazza IV Novembre befindet sich eines der repräsentativsten Denkmäler von Perugia: die Fontana Maggiore.

Zwischen 1254 und 1278 errichtet, ist die Fontana Maggiore eines der kostbarsten Werke der Architektur aus dem Zeitalter der Kommunen. Von Nicola und Giovanni Pisano, Vater und Sohn, mit der Hilfe von Frà Bevignate gemeißelt und mit dem von Boninsegna Veneziano eingerichteten hydraulischen Teil, besteht der Brunnen aus zwei polygonalen, konzentrischen Becken aus Marmor und einer Tasse aus Bronze. Die außen an den Becken angebrachten Dekorationen erinnern an die politische und kulturelle Struktur in Perugia und feiern die Gründung der Stadt sowie die Rolle, die die Stadt in der gesamten Region einnahm.

Das untere Becken verfügt über insgesamt 24 verschiedene Seiten, die mit Streifen aus drei kleinen Säulen unterteilt sind. Jede Seite enthält ein Paar aus Flachreliefs, auf denen verschiedene Situationen und Zusammenhänge dargestellt sind – begonnen bei den Monaten des Jahres, dargestellt anhand eines besonderen Ereignisses im entsprechenden Monat, das im Allgemeinen ein landwirtschaftliches Handwerk oder ein Kontext aus einem speziellen Zeitabschnitt ist. Der Januar wird beispielsweise mit zwei Figuren, einem Mann und einer Frau, dargestellt, die sich am Feuer wärmen. Der Februar wird durch die Fischerei, der Mai durch die Falkenjagd dargestellt usw., bis hin zum Dezember, der durch die Tötung des Schweins und die Verarbeitung seines Fleisches dargestellt wird. Mit den Monaten wechseln die Tierkreiszeichen und weitere Symbole wie der Löwe, der Greif aus Perugia, die sieben freien Künste (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arrithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) sowie der Philosophie ab.

Außerdem sind noch folgende Abbildungen zu sehen: zwei Adler, Adam und Eva, Geschichten von David und Goliath, Romulus und Remus und zwei Fabeln von Äsop (Der Wolf und das Lamm, Der Kranich und der Wolf).

Das obere Becken verfügt hingegen nicht über Flachreliefs an den Seiten, die vielmehr aus glatten Mustertafeln bestehen. Doch es gibt eine einzige Ausnahme in Form einer Schrift, die erst infolge von Restaurierungsarbeiten im Jahr 1322 zum Vorschein gekommen ist. An den Ecken jeder Mustertafel wurden Statuen eingearbeitet, insgesamt 24. Sie sind Giovanni Pisano zuzuordnen. Diese Statuen erinnern an einflussreiche Persönlichkeiten der Geschichte und des Alltags der früheren Stadt Perugia. Die dargestellten Personen sind: San Pietro (Hl. Petrus), die Kirche Chiesa Romana, Rom, die Theologie, Chierico di S. Lorenzo, San Lorenzo, Ninfa del territorio Chiusino, Perugia, Ninfa del Trasimeno, Sant’Ercolano, Il Chierico Traditore, San Benedetto (Hl. Benedikt), San Mauro, Il Battista, Salomone, David, Salomè, Moses, Matteo da Correggio, der Erzengel Michael, Euliste (Gründer Perugias), Melchisedec, Ermanno da Sassoferrato, der Sieg.

Ein Besuch in der Rocca Paolina, oder besser gesagt, in dem, was davon noch übrig geblieben ist, vermittelt sofort einen Eindruck von der Größe des Gebäudes und der Bedeutung, die es zum Zeitpunkt seiner eigentlichen Nutzung hatte.

Tatsächlich kann man auch heute noch die Majestät des Gebäudes sehen, indem man es einfach von innen durchquert, was dank eines teilweise automatischen Treppensystems, das in den 80er Jahren gebaut wurde, möglich ist.

 

Die Rocca Paolina wurde unter großem Zeitdruck zwischen 1540 und 1543 erbaut. Der Grund, warum Papst Paulus III. beschloss, sie errichten zu lassen, war kein klassischer Grund, etwa um die Stadt vor äußeren Einflüssen zu schützen, sondern als Beweis der Stärke und Macht eines Papstes, der sich den Herrschaften aufdrängen wollte, in diesem Fall der den Baglioni, die die Stadt in den letzten Jahren mit zu viel Autonomie geführt hatten. Mit dem Bau der Rocca Paolina setzte er ein starkes Zeichen, und zwar dass die päpstliche Macht verteidigt wird, wenn nötig sogar gegenüber den Bürgern selbst.  Kurz zuvor hatte es in der Tat eine Volksrevolte gegen die Erhöhung der Steuern (gegen die berühmte Salzsteuer) durch den Kirchenstaat gegeben, der daher viele Probleme hatte, seine Macht in der Stadt auszuüben.

 

Das Projekt der Festung wurde Antonio da Sangallo anvertraut, der die ersten Skizzen (heute erhalten in den Uffizien in Florenz) zeichnete, in denen die Festung perfekt in den städtischen Kontext eingefügt wurde, ohne das architektonische Gleichgewicht zu beeinträchtigen. Leider wurde dieses Projekt von Paulus III. nicht eingehalten. Vielmehr beschloss er, sich den Baglioni aufzuzwingen und das Bauwerk über ihrem Besitz zu errichten, weshalb er außerdem den Entschluss fasste einen schützenden Graben um den gesamten Umfang zu graben, eine Lösung, die für die damalige Stadt eine große architektonische Belastung darstellte.

Die Festung wurde durch die Einnahme eines strategischen Punktes der Stadt erbaut, von dem aus sie vollständig kontrolliert werden konnte. Die Form der Konstruktion ist eher asymmetrisch, was sowohl für defensive als auch für strukturelle Bedürfnisse günstig ist. Sie ähnelt der Form eines Skorpions. Ausgehend von den beiden Stadtmauern an den Ecken des Bauwerks, die auf der heutigen Piazza Italia bestehen, entwickelte sich die Festung zum Tal hin zu einem langen Korridor bis zur sogenannten „Zange“. Diese Erweiterung hätte in den Momenten der Belagerung die Versorgung des Gebäudes und die mögliche Flucht der Bewohner in das Umland erleichtert.

Wie bereits erwähnt, wurden nach Abschluss des Baus rundum Gräben ausgehoben, um die Struktur noch imposanter und bedrohlicher zu machen. Diese und andere von Papst Paulus III. gewünschte Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Projekt hatten verheerende Auswirkungen auf das umliegende Stadtgefüge. Mehrere Gebäude und sogar ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, um diese Arbeiten abschließen zu können (wie etwa das Dorf Santa Giuliana). Insgesamt wurden 26 Türme, elf Kirchen, zwei Klöster, die Teil der alten etruskischen Mauer sind, und etwa dreihundert Häuser (von denen die meisten, wie oben erwähnt, der Familie Baglioni gehörten) abgerissen.

Die Rocca Paolina ist nie den Ereignissen getroffen, die ihren Bau tatsächlich rechtfertigten, aber in verschiedenen Quellen wird berichtet, wie sie in verschiedene Aspekte des Lebens in der Stadt einbezogen wurde. In den darauffolgenden Jahren kommt es zu einem Wechsel aus Beliebtheit und Unbeliebheit der Festung..  Es wird auch versucht, ihr einen neuen Nutzen zuzuweisen und die Festung wieder zum Leben zu erwecken, aber in der Tat bewegte man sich in Richtung eines Strukturwandels: der Abriss eines Teils der Festung und das Auffüllen der Gräben. Der Abriss erfolgte in drei Phasen: 1798 durch die Franzosen sowie 1848 und in den 1860er Jahren mit der Vereinigung Italiens. Die Gründe dafür waren vielfältig. Die Rocca Paolina wurde allgemein als ein altes Gebäude angesehen, in Bezug auf die Verteidigung oder lediglich auf den Zugang zur Stadt. In der Folge versuchte die Regierung ihren Ruf durch die Renovierung von Gebäuden und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu verbesserun. Heute sind nur noch der Südwestausläufer, die Keller und vier Kanonen der Sala della Cannoniera (Kanonensaal) erhalten.

Derzeit werden die Räume der Rocca Paolina häufig für Ausstellungen und verschiedene Veranstaltungen genutzt. Im Herzen des Gebäudes wurden auch einige zeitgenössische Skulpturen installiert.

Der Pozzo Etrusco, oder Pozzo Sorbello, ist sicherlich eines der bedeutendsten etruskischen Bauwerke in Zusammenhang mit Wasser, die bis heute bekannt sind, wie auch 1966 von Professor Filippo Magi von der Universität Perugia erklärt wurde, der in diesem Jahr einen Tauchgang führte, um die Aspekte des Brunnens zu entdecken, von dem bis dahin nur der etruskische Ursprung bestätigt war. Dem Marquis Uguccione, dem damaligen Besitzer des Palazzo Sorbello (unter dem sich der etruskische Brunnen befindet), ist es zu verdanken, dass die Universität auf den Fund zugreifen und eine sorgfältige Analyse durchführen konnte.

Nach diesem ersten Tauchgang, nachdem die Bedeutung des Bauwerks klar war, wurden bis 1980 mit großem Interesse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zwei weitere Tauchgänge durchgeführt. Im selben Jahr machte die Familie, die den Palazzo Sorbello besaß, den Brunnen der Öffentlichkeit zugänglich, wodurch die Besucherzahlen deutlich anstiegen und ein großes Interesse an diesem Bauwerk geweckt wurde, das im Laufe der Jahre eine sehr wichtige Rolle betreffend den Touristenzustrom in der Stadt Perugia spielen sollte.

Der Pozzo etrusco befindet sich im Untergeschoss des Palazzo Sorbello, daher der zweite Name, unter dem er auch bekannt ist, nämlich Pozzo Sorbello. Es liegt genau in der Nähe der Porta Sole, vom Corso Vannucci kommend, überquert man die Piazza IV Novembre und geht auf der linken Seite am Dom vorbei. Dann findet man den Brunnen ganz leicht, indem man weitergeht und sich auf der rechten Straßenseite hält.

Der Brunnen wurde am höchsten Punkt der Stadt, genau auf 477 m ü.d.M., in einem ursprünglichen Fluss- und Seengebiet erbaut, wo sich Kieselsteine und Ton ansiedelten. Er hat ein Fassungsvermögen von 424 Kubikmetern und wurde um die zweite Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Chr. gebaut, um den Wasserbedarf der Stadt zu decken, in deren Gebiet damals viele Brunnen entstanden (sehr ähnlich ist der Pozzo di San Paolo in Todi).

Die Bedeutung des Brunnens sowie der unbestrittene architektonische Wert des Objekts ist auch auf seine Größe zurückzuführen, die tatsächlich 37 Meter Tiefe erreicht. Die Bauweise ist zylindrisch und das Rohr hat an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 5,6 Metern und an seiner schmalsten Stelle von 3 Metern.

Die verwendeten Baumaterialien sind Klassiker der etruskischen Architektur, der obere Teil des Brunnens wurde tatsächlich mit Travertin aus dem nahegelegenen Dorf Ellera verlkeidet. Die Eigenschaften der für den Bau verwendeten Materialien haben es ermöglicht, den Ursprung des Brunnens zu datieren, da sie den für den Bau der Stadtmauern verwendeten Blöcken ähnlich sind.

Ein weiteres Element, das dazu beigetragen hat, die Bedeutung und den wohlverdienten Ruhm des Brunnens zu erhöhen, ist die obere Abdeckung des Brunnens. Erbaut aus Travertinquerplatten, getragen von Steinbalken und völlig trocken ineinander gesteckt, ohne Verwendung von Mörtel oder speziellen Mischungen. Die Verzahnung der Träger bildet zwei Fachwerkträger mit einem Gewicht von jeweils etwa achtzig Zentnern. Es wird angenommen, dass die Konstruktion des Daches mit Hilfe von Gerüsten durchgeführt wurde, von denen die verschiedenen Blöcke aus Stein und Travertin von oben nach unten transportiert wurden.

Der Pozzo etrusco hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen sowie strukturelle Eingriffe erfahren. Ursprünglich war die Öffnung in Bezug auf das Rohr zentriert, die heutige Öffnung (Vèra) wurde im Mittelalter gebaut. Die ursprüngliche Vèra scheint einen quadratischen Grundriss zu haben.

Was die Technik der Wassergewinnung betrifft, so wurde zunächst der klassische Eimer mit Seil und dann ein moderneres Rollensystem verwendet.

Der Brunnen wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder genutzt, bis kurz vor seiner „Wiederentdeckung“ als Fund von enormer archäologischer Bedeutung.

Heute wird er von der Stiftung Ranieri in Sorbello verwaltet, der er von der Familie, die den Palast besitzt, geschenkt wurde.

Das Hypogäum Ipogeo dei Volumni ist sicherlich eines der bekanntesten und bedeutendsten etruskischen Gräber, die heute bekannt sind. Das Hypogäum kann bis in den Zeitraum vom dritten bis zum zweiten Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden. Es befindet sich im Stadtteil Ponte San Giovanni von Perugia, direkt vor den Toren der Stadt, und ist Teil des größten archäologischen Gebietes von Palazzone, das insgesamt etwa zweihundert Gräber umfasst, alle etruskisch, aber nicht alle von gleicher Bedeutung.

Das Grab wurde 1840 während Ausgrabungen für eine neue Straße entdeckt. Die Bedeutung der Entdeckung wurde sofort erkannt, sodass viele Neugierige aus der Umgebung, aber später auch aus dem Ausland angezogen wurden.

Das Grab gehörte der Familie Velimna, im lateinischen Volumni, und scheint bis ins erste Jahrhundert v. Chr. benutzt worden zu sein. Man erreicht es über eine Treppe nach unten, die Dromos genannt wird, mit einer Steintür endet und Inschriften betreffend den Bau der Struktur trägt. Durch die Tür gelangt man direkt in das Grab, das aus zehn Räumen besteht. Es beginnt mit dem Tablinium, in dessen Mitte sieben Urnen, sechs etruskische und eine römische, angeordnet sind. In der Mitte befindet sich die bedeutendste, die des Gründers der Familie Arnth Velimna Aules (Arunte Volumnio), ein imposantes Artefakt aus Travertin, auf dessen Spitze sich eine geschnitzte Figur des Familiengründers in halb liegender Position befindet. An den Seiten sind zwei beflügelte Dämonen (Lase) dargestellt, die den Eingang zum Hades bewachen. Auf der rechten Seite befinden sich vier weitere Urnen, jene des Großvaters, des Vaters und der Brüder, die alle mit dem geschnitzten Körper des jeweiligen Verstorbenen und den Kopf der Medusa tragen.

Links von Arnth ist seine Tochter Veilia, sitzend dargestellt und geschmückt mit verschiedenen Juwelen, begraben. In der Nähe befindet sich die Urne des Publio Volumnio, die einen paradiesischen Garten darstellt. Diese Urne ist die einzige aus der Römerzeit.

Das Grab besteht aus insgesamt zehn Räumen, ein klares Zeichen für die Absichten zum Zeitpunkt des Baus – es sollte mehreren nachfolgenden Generationen dienen. Die Abfolge der historischen und politischen Situationen ließ dies jedoch nicht zu.

Das Dach des Grabes scheint den Formen einer aristokratischen Behausung nachgeahmt zu sein, während auch Trauerdekorationen und Kriegerkleidung vorhanden sind.

Unmittelbar vor dem Haupteingang des Grabes wurde eine Reihe von Urnen aufgestellt, die in der gleichen Nekropole, in anderen Gräbern anderer Familien gefunden wurden. Fast alle von ihnen wurden in Perugia aus Travertin gefertigt. Es scheint, dass sie alle mit Szenen verschiedener Art bemalt sind: auf einigen ist ein Greif dargestellt, Symbol von Perugia, auf anderen befinden sich Szenen aus der griechischen Mythologie.

Die übrige Nekropole beherbergt mehrere andere, kleinere Gräber, die aber dennoch einen Besuch wert sind, wenn sich auch heute dort keine Urnen mehr befinden, denn sie wurden alle im Haupteingang des Ipogeo dei Volumni zusammengeführt.

Die Galleria Nazionale dell’Umbria ist einer der wichtigsten Museumssammlungen Italiens nach der Anzahl der Kunstwerke und vor allem aufgrund der Qualität der Kunstwerke. Mit Sicherheit ist sie auch die umfassendste Sammlung der Region.

Heute befindet sie sich im Palazzo dei Priori und enthält eine Sammlung an Kunstwerken aus dem Zeitraum zwischen dem 13. und dem 14. Jahrhundert.

Der Ursprung der Galleria Nazionale dell’Umbria kann in der Accademia del Disegno, die im 16. Jahrhundert geschaffen und zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert deutlich erweitert wurde. Dies war zuerst dem Napoleonischen Reich und später insbesondere dem neu entstandenen Königreich Italien zu verdanken.

Und tatsächlich wurde 1863 die Schaffung einer öffentlichen Gemäldegalerie erforderlich, in der alle bis zu diesem Zeitpunkt im ganzen Gebiet verteilten Kunstwerke gesammelt wurden. Diese Gemäldegalerie wurde nach Pietro Vannucci, auch als Il Perugino bekannt, benannt (seinen Namen trägt auch die Hauptstraße von Perugia, auf der sich der Palazzo dei Priori befindet).

Im Jahr 1918 wurde die Gemäldegalerie verstaatlich und ihr wurde der Name „Galleria regia Pietro Vannucci“ gegeben. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Sammlung immer größer, bis sie zu den größten Sammlungen Italiens gehörte.

Die zahlreichen Restaurierungsarbeiten, die einen Großteil der Räumlichkeiten des Palazzo dei Priori umfassten, sorgten dafür, dass die Galerie im Lauf der Jahre öfters übersiedelt wurde.

Die heutige Beschaffenheit des Museums geht auf das Jahr 2006 zurück und das Museum erstreckt sich über zwei Etagen des Palazzo dei Priori und nimmt insgesamt 4.000 Quadratmeter ein. Heute ist die Sammlung chronologisch geordnet und für alle Schüler enthält sie Künstler wie: Gentile Da Fabriano, Beato Angelico, Arnolfo di Cambio, Piero della Francesca. Besondere Aufmerksamkeit kommt den Künstlern aus der Region wie Bartolomeo Caporali, Benedetto Bonfigli, Fiorenzo di Lorenzo, Pietro Vannucci, auch Il Perugino genannt, Bernardino di Betto, bekannt als Pinturicchio und ihren Schülern zu.

 

DAS 13. JAHRHUNDERT

Zwischen den bedeutendsten Skulpturen der Stadt, die in der Galerie präsentiert werden, befindet sich der Cristo Deposto aus dem Jahr 1236. Er ist ein Teil mehrerer Figuren, die die Kreuzabnahme darstellen. Außerdem können die fünf Skulpturen von Arnolfo di Cambio besichtigt werden, die zwischen 1278 und 1281 aus Carrara-Marmor gefertigt wurden. Es scheint, als wären diese Figuren für einen Brunnen auf dem heutigen Corso Vannucci vorgesehen gewesen. Im selben Bereich sind auch die Due Fornelle, Bildhauereien der Gebrüder Pisano zu sehen. Sie gehören der Fontana Maggiore an und stellen Romulus und den Wolf dar.

Betreffend die Malerei des 13. Jahrhunderts stammt das bedeutendste Kunstwerk mit Sicherheit von Maestro di S. Francesco (dieser Name wurde ihm aufgrund der ersten Kunstwerke, die er in der Basilica di S. Francesco in Assisi schuf, gegeben). Aus seiner Hand befinden sich in der Galleria Nazionale d’Umbria auch noch La grande Croce aus dem Jahr 1272, la Croce a due Facce aus demselben Zeitraum und Il Paliotto aus dem Jahr 1262. Außerdem finden Sie in diesem Bereich noch wichtige Kunstwerke wie Il Dossale del Maestro di Farneto (1290) und Il Dossale di Vigoroso da Siena aus dem Jahr 1291.

 

DAS 14. JAHRHUNDERT

Dieses Jahrhundert beginnt mit der Madonna col Bambino aus dem Jahr 1304 von Duccio di Buoninsegna. Von den anderen Kunstwerken sind unbedingt zu erwähnen die zweiseitigen Bildtafeln von Hl. Paulus – Hl. Lorenz und Hl. Apostel Petrus und Hl. Herculanus. Letzterer

schien die Stadt Perugia zu unterstützen. Unter den Schülern von Giotto finden wir Marino da Perugia mit seiner Madonna col Bambino e Santi, 1317, Puccio Capanna und Giovanni di Bonino mit den Kunstwerken Madonna in trono con Bambino e Crocifissione, ca. 1340, und la vetrata con Crocifissione, ca. 1345.

Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts ist auch durch die deutliche Präsenz der Scuola Senese geprägt, der ein eigener Abschnitt gewidmet ist, in dem sich beispielsweise das Polyptychon Polittico di Forsivo von Luca Tommé aus dem 1370, die Madonna col Bambino e Santi von Bartolo di Fredi und die kleine Kreuzigung von Nicolò di Buonaccorso befinden.

 

DAS 15. JAHRHUNDERT

Diesem Zeitabschnitt widmet die Galerie auch einen Bereich mit Einflüssen aus der internationalen Gotik mit dem Polyptychon Polittico di Pietralunga von Ottaviano Nelli aus dem Jahr 1404, der Madonna col Bambino e Angeli ebenfalls aus dem Jahr 1404 von Gentile da Fabriano und dem Fresko der Kreuzigung von Jacopo Salimbeni, ca. 1420.

Das 14. und 15. Jahrhundert stellen aufgrund der kontinuierlichen Änderungen der Trends der Renaissance La Madonna con Bambino e Santi aus dem Jahr 1439 von Pietro di Nicola Baroni, und das Polyptychon Polittico di Santa Giuliana, 1438, von Domenico di Bartolo dar.

Der Scuola Fiorentina ist auch ein großer Abschnitt gewidmet, zum Beispiel mit dem Polyptychon

Polittico di S. Domenico aus dem Jahr 1447 von Beato Angelico, von dem zahlreiche andere Maler inspiriert wurden, wie etwa Benozzo Gozzoli mit der Pala della Sapienza Nuova aus dem Jahr 1456. Außerdem enthält dieser Bereich des Museums auch das Polyptychon Polittico di S.Antonio, das zwischen 1455 und 1468 von Piero della Francesca gemalt wurde.

 

RENAISSANCE IN PERUGIA

Wenn von der Renaissance in Perugia gesprochen wird, kann ruhig von einer „Schule“ gesprochen werden. Die Personen, die zum typischen Erbe dieser Strömung beigetragen haben, sind zahlreich und viele ihrer Werke sind in der Galleria Nazionale dell’Umbria zu finden:

Bonfigli Benedetto ist der erste Maler der Renaissance in Perugia. Zu seinen Kunstwerken gehören die Madonna col Bambino e angeli musicanti, 1450, l’Annunciazione e S. Lucia, 1450-53, der Gonfalone di S. Bernardino, 1464. Außerdem befindet sich hier auch die Freskenserie Storie di S.Ludovico da Tolosa.

Bartolomeo Caporali von dem neben anderen Kunstwerken die Madonna col bambino e angeli, 1465, das Triptychon Trittico della confraternita della giustizia, 1475, und L’Aadorazione dei pastori, 1478-79, hier zu sehen sind.

Von Fiorenzo Di Lorenzo befinden sich hier die Werke S.Sebastiano, 1475-79, die Nische La Nicchia di S. Francesco al prato, 1487, und das Polyptychon Polittico dei Silvestrini, 1493.

Perugino ist mit Sicherheit eine der höchsten Kunstformen der umbrischen Malerei. Pietro Vannucci erhielt seine Ausbildung während der ersten Jahre in Perugia, um anschließend in Florenz zu studieren und sich bei Piero della Francesca und Verrocchio weiterzubilden. Nach verschiedenen Arbeiten in Perugia, darunter einige im Palazzo dei Priori, erlangte er einen gewissen Ruf, der dafür sorgte, das er vom Papst mit einigen Arbeiten beauftragt wurde , auch in der Sixtinischen Kapelle (Übergabe der Schlüssel, 1481), bis er zum wahrscheinlich einflussreichsten Maler am Ende des 15. Jahrhunderts wurde. Viele seiner Kunstwerke befinden sich in der Galleria, darunter sind die bedeutendsten: San Bernardino che risana da un’ulcera la figlia di Giovanni Antonio Petrazio da Rieti, 1473 (Teil der acht Tafeln, aus denen die Nische von S. Bernardino besteht), Madonna della confraternita della consolazione, 1496-98, Cristo Morto, 1495, La Pala dei Tezi, 1500, Il Gonfalone della Giustizia, 1501, und das Polyptychon Polittico di S. Agostino.

Pinturicchio: Er wurde 1454 in Perugia geboren und starb 1513 in Siena. Er erlebte die Einflüsse vieler Meister aus Perugia, vor allem von Bartolomeo Caporali. Er war über die Jahre Lehrling und Mitarbeiter von Perugino, dem er bei einigen seiner berühmtesten Werke half, darunter die Tafeln in der Nische von S. Bernardino und andere Werke in der Sixtinischen Kapelle. Er arbeitete bei vielen Gelegenheiten in Rom, selbst für den Papst, wo er aufgrund der Eleganz seiner Dekorationen und seiner Arbeiten im Allgemeinen berühmt wurde. In der Galleria Nazionale dell’Umbria befindet sich die Pala di S.Maria dei Fossi, 1495-96, eines der Kunstwerke, das die Scuola Perugina am besten abbildet. Dieses Werk wurde mit einer außergewöhnlichen Technik und Liebe zum Detail erstellt.

 

  1. JAHRHUNDERT

Unterschiedlich sind auch die hier befindlichen Kunstwerke dieses Zeitabschnittes, deren Autoren hauptsächlich von außerhalb Perugias kommen. Dies ist auch dem zurückerlangten Einfluss der Kirche zu verdanken, die viele Kunstwerke in Auftrag gab. Beispielsweise kann das Fresko Storie di Braccio Fortebraccio da Montone, ausgeführt von Lattanzio Pagani und Tommaso Bernabei in den Jahren 1545-48, besichtigt werden. Zu den lokalen Malern gehört hingegen Orazio Alfani mit seinen Werken Sacra Famiglia und Il Riposo nella Fuga di Egitto, ca. 1560. Außerdem ist noch die Natività della Vergine aus dem Jahr 1561, gemalt von Dono Doni aus Assisi zu erwähnen. Darüber hinaus sind Kunstwerke von flämischen Malern zu sehen,  wobei das bekannteste Werk von Hendrick van den Broeck stammt und den Namen l’Adorazione dei Magi, 1563, trägt. Er schuf auch La Crocifissione, 1565.

Bedeutend sind auch Sacra Famiglia con il Battista, 1573, von Raffaellino del Colle und L’Adorazione dei Pastori von Marcello Venusti.

 

  1. UND 18. JAHRHUNDERT

Das wichtigste Exponat des 18. Jahrhunderts in der Galerie ist mit Sicherheit Ventura Salimbeni, mit La Vergine col Bambino e S. Giovannino, 1606-1608. Außerdem ist auch Orazio Gentileschi mit S.Cecilia che suona la spinetta e un angelo, 1615, und Valentin de Boulogne mit Samaritana al pozzo, 1622, die beide der Strömung des Caravaggismus angehören, zu sehen.

Auch das 18. Jahrhundert hat interessante Kunstwerke zu bieten. Beispielsweise die Visione di San Bernardo von Giovanni Odazzi aus dem Jahr 1720. Außerdem sind weitere Kunstwerke ausgestellt, die damals aus Rom eintrafen, wie etwa La Famiglia della Vergine von Francesco Mancini, 1732, Comunione della Maddalena von Sebastiano Conca, 1738, und  S. Ambrogio Assolve l’Imperatore Teodosio von Pierre Subleyras, 1745.

 

Um die großartigen Sammlungen an Gemälden und Skulpturen abzurunden, gibt es in der Galleria Nazionale dell’Umbria zahlreiche Sammlungen, wie zum Beispiel eine sehr große mit Tischtüchern aus Perugia, die nachdem sie von privaten Sammlern öfters ge- und wieder verkauft wurde, vom Staat erworben wurde und in der Galerie zu sehen ist. Außerdem sind Ausstellungen an Manufakten der Goldschmiedekunst, die hauptsächlich aus den Museen Perugias stammen, jedoch 1863 ohne ihren Ursprung anzugeben gesammelt wurden, vorhanden. Aus diesem Grund kann ihre Geschichte jedoch bis heute nur schwer rekonstruiert werden. Weitere Sammlungen stammen aus der Sakristei der Kirche Chiesa di S. Domenico. Sie wurden im 15. Jahrhundert inventarisiert wurden, um die Arbeit regionaler Handwerker zu bezeugen.

Das Nationale Archäologische Museum Umbriens, abgekürzt M.A.N.U. (für Italienisch Museo Archeologico Nazionale dell’Umbria), befindet sich im Gebäudekomplex von S. Domenico, einem ehemaligen Kloster, das nach seiner Nutzung als Militärkaserne während der napoleonischen Herrschaft mit der Vereinigung Italiens an den Staat überging, um 1948 Sitz des Museums zu werden.

Das Museum entstand durch die Entscheidung, das Erbe der verschiedenen in Perugia verstreuten städtischen Museen, einschließlich einiger Privatsammlungen, in einem einzigen Museum zusammenzuführen, das heute zu den qualitativ und quantitativ reichsten Museen mit etruskischen und römischen Artefakten gehört.

Die aktuelle Einrichtung stammt aus dem Jahr 2009 und folgt einer chronologischen Reihenfolge, von der Vorgeschichte bis zur Römerzeit. Eine Route, die mit thematischen oder kontextuellen Räumen durchsetzt ist, wie zum Beispiel die Rekonstruktion des Grabes der Cai Cutu in einem unterirdischen Raum im Kreuzgang des Klosters. Diese wurde 1983 unberührt gefunden und enthielt etwa fünfzig Urnen im typischen Stil Perugias sowie einen Sandsteinsarkophag, in dem die Überreste einer Bestattung gefunden wurden (die Bestattung war in der archaischen Zeit eine gängige Praxis, die dann in der hellenistischen Ära durch die Verbrennung ersetzt wurde). Alle Urnen tragen eine Inschrift mit dem Namen des Verstorbenen und gehören derselben Familie an, der Cai Cutu.

Weiter auf dem Weg, entlang der Mauern des Kreuzganges des Klosters wurden mehrere Funde aus einigen Nekropolen Perugias sowie andere Fundstücke aus der Römerzeit und Epigraphien zur Veranschaulichung der Wiedergeburt Perugias (Perusia Restituta) nach der Intervention von Augustus nach der Schlacht gegen Lucius Antonius platziert.

In einem Raum in der Nähe der Treppe wurden einige römische Skulpturen aufgestellt, darunter ein Telamon aus Marmor, vermutlich aus der Kaiserzeit.

Wenn man nach oben geht, kann man die verschiedenen Travertin-Urnen aus der Zeit vom dritten bis zum ersten Jahrhundert v. Chr. sehen, die Szenen der griechischen Kultur darstellen und ebenfalls aus den Nekropolen Perugias stammen. Auf der gleichen Etage befindet sich der andere Ausstellungsraum, der dem Grab der Cacni (3.-2. Jahrhundert v. Chr.) gewidmet ist. Erst 2003 von den Carabinieri (Nucleo Tutela Patrimonio Culturale di Roma) im Stadtteil Elce gefunden, ausgerechnet entlang der wichtigen Straße, die Perugia mit Cortona und Chiusi verband. Das Grab enthielt den Sarkophag, die Urnen und die Grabbeigabe. Die Urnen bestehen aus Travertin und repräsentieren den typischen Stil der damaligen Nekropolen von Perugia. Sie sind üppig verziert, insbesondere mit Motiven aus der Welt der griechischen Mythologie.

Auf der gleichen Etage des Gebäudes befinden sich auch numismatische Sammlungen und Amulette (aus der Privatsammlung Bellucci).

Die eigentliche Route des Nationalen Archäologischen Museums Umbriens beginnt mit einem prähistorischen Abschnitt, in dem dank multimedialer Unterstützung, darunter verschiedene Bilder, den Weg der Entstehung des Menschen bis zum Verschwinden des Homo sapiens rekonstruiert wurde. Dann geht es in chronologischer Reihenfolge weiter, bis zu den Räumen der Umbrier und der Etrusker, die aufgeteilt sind und sich jeweils über einen Flügel erstrecken, um so die beiden Zivilisationen zu vergleichen, damit auch die dargestellten Gemeinsamkeiten erfasst werden können

Darauf folgt ein Abschnitt, der den Nekropolen Perugias gewidmet ist, mit wertvollen Gegenständen (wie dem Sarkophag von Sperandio). Die Route führt weiter in den angrenzenden Korridor, in dem die Geschichte Perugias von der Villanova- bis zur Römerzeit rekonstruiert ist.

Schließlich wird ein ganzer Raum dem berühmten Cippo Perugino gewidmet. Dieser wurde 1822 auf dem Hügel Colle di S. Marco gefunden.

Das M.A.N.U. ist sicherlich eine der beliebtesten touristisch-kulturellen Attraktionen des gesamten Angebots der Stadt, von der das Publikum immer besonders überrascht ist. Manchmal ist das Museum auch nicht überfüllt.

Verlassen Sie den Corso Vannucci, steigen Sie die Treppe von Sant’Ercolano hinunter, die zur gleichnamigen Kirche führt, und gehen Sie weiter geradeaus, um in eine der charakteristischsten Straßen Perugias, den Corso Cavour, zu gelangen. Obwohl es sich um eine der wichtigsten Straßen des historischen Zentrums handelt, hat sie dennoch die Merkmale der typischen Gassen der Dörfer. Wenn Sie auf halber Höhe der Straße sind, werden Sie von der massiven Fassade des so genannten „größten religiösen Gebäudes Umbriens“ überrascht sein. Die Basilika San Domenico erhebt sich aus der ebenfalls fast versteckten Piazza Giordano Bruno, die mit einem echten Brunnen von 1442 verziert ist.

Im Einklang mit den Ereignissen der Stadt kann auch die Basilika san Domenico auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Die erste Version wurde 1304 im gotischen Stil erbaut, unmittelbar neben einer ersten Kirche, die von den Dominikanern zwischen 1230 und 1260 errichtet wurde, an einem Ort, der zu dieser Zeit in Perugia bereits sehr berühmt war, da er sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche S. Stefano del Castellare befand, in der Versammlungen stattfanden, die auch von hoher politischer Bedeutung waren. Das Gebäude erlitt 1614 aufgrund schwerer Bauschäden einen schweren Rückschlag mit dem fast vollständigen Zusammenbruch der Schiffe und musste beinahe vollständig zu dem, was heute zu sehen ist, wieder aufgebaut werden.

Eine Doppeltreppe liegt auf der majestätischen Fassade auf und führt zum Haupttor, das 1596 errichtet wurde. Beim Betreten werden Sie den Eindruck haben, dass die Dekoration “nackt” erscheint, besonders wenn Sie bedenken, dass diese Kirche einst sehr reich mit Kunstwerken gefüllt war, die fast alle vom napoleonischen Königreich in seiner kurzen Regierungszeit beschlagnahmt wurden oder nach der Vereinigung Italiens in Staatsbesitz übergingen. Wenn Sie jedoch leicht nach oben schauen, beeindruckt Sie sofort die Pracht des Buntglasfensters, das den Boden der Apsis schmückt. es ist 23 Meter hoch und wurde 1411 von Bartolomeo di Pietro und Mariotto di Nardo gestaltet. Zusammen mit dem im Mailänder Dom ist es das größte in Italien und eines der höchsten in Europa. Die Größe ist ungewöhnlich für italienische Kirchen, in die in der Regel nicht zu viel Licht eindringen sollte, denn im Gegenteil bevorzugten Architekten meist kleinere Fenster, gerade um das Eindringen der Hitze einzuschränken.

Das Gebäude ist in drei Schiffe unterteilt, die mit dem großen Querschiff und dem majestätischen Presbyterium ein klassisches lateinisches Kreuz formen. Wenn man durch den rechten Gang geht, sind die Gemälde von Giuseppe Laudati in der zweiten Kapelle, die der Heiligen Rosa aus Lima gewidmet sind, sicherlich bemerkenswert, während man nach der dritten Kapelle, die dem Heiligen Pius V. gewidmet ist, zur vierten Kapelle gelangt, die ein Überrest des alten Gebäudes sowie der Madonna del Voto gewidmet ist und 1459 von Agostino Duccio dekoriert wurde. Weiter geht es zum Querschiff, das im rechten Bereich zahlreiche Freskenreste in den beiden Kapellen enthält und am Ende das Denkmal an Benedikt XI., ein raffiniertes und schönes Werk. Es ist dem Papst gewidmet, der 1204 in Perugia starb, und stammt wahrscheinlich von Lorenzo Maitani. Darunter befindet sich einer Ädikula, die wiederum von einem Sarkophag gestützt wird, der den Körper des Verstorbenen enthält..

Weiter in Richtung Mitte gelangt man zum Presbyterium, wo der von Pietro Carattoli entworfene Hochaltar steht. Mit Blick auf die Apsis, direkt unter dem prächtigen bemalten Glasfenster, befindet sich der Holzchor von Crispolto da Bettona auf drei Seiten. Auf dem Weg zur linken Kreuzung erreicht man den Altar, über dem der bewundernswerte La Pentecoste steht, ein Gemälde von Schwester Plautilla Nelli aus dem Jahr 1554. Noch höher oben ist die große vergoldete Orgel von Sallustio da Lucignano und Luca Neri da Leonessa aus dem Jahr 1660 zu sehen. Weiter in Richtung linkes Seitenschiff, in Richtung Ausgang, ist die erste Kapelle, auf die Sie stoßen, der Heiligen Katharina geweiht und enthält Reste von Fresken der ersten Kirche, die Benedetto Bindo 1415 gemalt hat. Weiter in Richtung Ausgang, auf der rechten Seite, befindet sich die Madonna del Rosario zwischen den Heiligen Dominikus und Katharina, gemalt von Giovanni Lanfranco im Jahr 1647, in der vierten Kapelle, und das Banner über dem Altar von Giannicola di Paolo aus dem Jahr 1494 in der dritten Kapelle.

Gleich am Ende der Piazza IV Novembre, nur wenige Meter vom Brunnen und vor der Fassade des Palazzo dei Priori entfernt, steht die majestätische Kathedrale von Perugia, die dem Heiligen Lorenz gewidmet ist. Vom Corso Vannucci kommend, etwa in der Hälfte der Straße, erblickt man die imposante Seite des Doms, direkt über der sogenannten „Scalinata del Centro„.

Das heutige Gebäude ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Renovierung eines ersten Gebäudes, das sich an gleicher Stelle befand und fast vollständig umgeworfen wurde. Die alte Kirche stammt aus dem Jahr 930 n. Chr., aber das Projekt, mit dem sie vollständig wieder aufgebaut wurde, geht auf das 14. Jahrhundert zurück, unter der Aufsicht von Fra Bevignate, dank dem 1345 mit der Arbeit begonnen wurde, bis zur Fertigstellung im Jahr 1490.

Der Dom liegt nicht gegenüber dem Haupteingang auf der Piazza IV Novembre, sondern auf der Piazza Danti. Vom ersten Platz aus kann man die Seite der Kirche sehen, die von großer Bedeutung ist, aber deren Dekoration nie fertig gestellt wurde. Mit den Schultern in Richtung Corso Vannucci gerichtet, fällt unten links die schöne „Loggia di Braccio„, 1423 von Braccio da Montone selbst erbaut und zunächst im Palazzo del Podestà untergebracht sowie 1534 in Brand gesetzt, in die Augen. Wenn man den Blick nach rechts richtet, kann man in der Reihenfolge eine Bronzestatue von Papst Julius III. sehen, die 1555 von Vincenzo Danti gemeißelt wurde. Diesem Papst war das Volk von Perugia dankbar, dass es die von Paulus III. ursprünglich unterdrückte Justiz zurückgebracht hatte. Weiter geht es mit der schönen Seitentür, die von Ippolito Scalza aus Travertin gebaut und 1568 von Galeazzo Alessi entworfen wurde. Noch weiter rechts befindet sich die sogenannte „Kanzel von San Bernardino„, von der aus der Heilige 1425 predigte.

Die Hauptfassade an der Piazza Danti, die ebenfalls unvollendet ist, erscheint ziemlich kahl, das einzige Dekorationselement ist die von Pietro Carattoli 1729 geschnitzte Tür.

Das Innere der Kirche vermittelt sofort den Eindruck von Breite und Helligkeit. Die architektonische Wahl ist von der nordeuropäischen „HallenKirchen“ inspiriert, d.h. mit dem Bau von drei gleich hohen Schiffen. Die Fresken auf den Gewölben stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und gehen auf Pietro Carattoli, Francesco Appiani, Vincenzo Monotti, Marcello Leopardi, Domenico Sergardi und Carlo Spiridione Mariotti zurück.

In der Kirche, in jedem der Kirchenschiffe einschließlich der Kapellen, deren Zugänge an den Seiten liegen, gibt es viele Kunstwerke, Gemälde, Fresken, Holztheken und Marmorfassaden, die alle aus der Zeit nach 1500 bis Ende des 19. Jahrhunderts stammen.

Bemerkenswert sind sicherlich im Mittelschiff ein Gemälde auf Leinwand mit der Madonna in Herrlichkeit mit Kind und den Heiligen Dominikus, Herkulaneum, Costano, Lorenzo, Augustinus und Franziskus sowie ein Fenster mit dem Märtyrertod des Heiligen Lorenz von Ludovico Caselli. Unmittelbar neben dem Haupteingang befindet sich das von Urbano da Cortona geschaffene Grab des Bischofs Giovanni Antonio Baglioni mit der Figur des liegenden Bischofs.

Im rechten Seitenschiff sehen Sie die Kapelle von S. Bernardino und die Kreuzablage, die von Federico Barocci 1567-69 gemalt wurde. Es gibt auch eine Holztheke von Jacopo di Antonio Fiorentino und Ercole di Tommaso del Riccio, von 1565-67. Weiter geht es mit dem Eingang zur Cappella del Battistero (Baptisteriumskapelle), die eine bedeutende Marmorterhebung von Pietro Paolo di Andrea da Como (1479) beherbergt, dessen Höhlung mit der Taufe Jesu bemalt ist, von Domenico Bruschi (1876).

Im linken Seitenschiff, in der fünften Bucht, das Altarbild der Frömmigkeit: der Christus, die Madonna, der Heilige Johannes sowie der Ewige und die Engel von Agostino di Duccio (1474). Zurück in Richtung Eingang befindet sich ein Altar mit einem Banner von Berto di Giovanni (1526), das Maria darstellt, die Jesus anfleht, die Pest zu beenden.

Im Presbyterium sieht man an den Seiten zwei Statuen des Heiligen Lorenz und des Heiligen Herculanus, die von zwei Ambos getragen werden. In der Mitte steht hingegen der Hochaltar von Francesco Caselli, in dem sich der Sarkophag mit den Reliquien des Heiligen Herculanus befindet.

Wenn man durch die Sakristei geht, von der Kapelle rechts vom Presbyterium, gelangt man zu den anderen Räumen des Pfarrhauses, die um zwei Kreuzgänge angeordnet sind. Von der Südseite des ersten gelangt man zum Museo Capitolare.

 

MUSEO CAPITOLARE (HAUPTMUSEUM)

Eingerichtet 1923 mit Hilfe von Umberto Gnoli, einem Kunsthistoriker, der die Funde aus der Kathedrale oder anderen nahe gelegenen Diözesen katalogisierte und ordnete.

Das Layout wurde überarbeitet und die Ausstellung erst kürzlich wiede überarbeitet. Im Jahr 2000, anlässlich des Jubiläums, wurde die Sammlung um neue Materialien erweitert und der Ausstellung wurden neue Räume hinzugefügt, darunter ein archäologischer Pfad, der etruskische und römische Überreste der Akropolis der Stadt enthält.

Die Kunstsammlung umfasst eine Reihe wichtiger Gemälde, darunter die Pietà von Bartolomeo Caporali und die Madonna mit den Heiligen Johannes der Täufer und Evangelist von Meo da Siena, aber insbesondere die Pala di S. Onofrio von Luca Signorelli. Unter den Skulpturen ragen hingegen die Testa di Diacono (Kopf des Diakons) von Arnolfo di Cambio und der Altar von Agostino di Duccio hervor.

Das vielleicht schönste und majestätischste Zeugnis von Perugias Zugehörigkeit zur alten etruskischen Zivilisation ist der Arco Etrusco (Etruskischer Bogen), auch bekannt als Arco Augusto (oder Porta Tezia, Porta Settentrionale, Porta Pulchra, Porta di Via Vecchia usw.). Seine Ursprünge gehen auf das dritte Jahrhundert v. Chr. zurück, als am Rande der alten etruskischen Mauern errichtet wurde und das wichtigste Tor in die Stadt war.

Das für seine Errichtung verwendete Material ist der für etruskische Gebäude typische Travertin, der im Steinbruch von S. Sabina gewonnen wird. Der Aufbau der Blöcke erfolgte ohne Mörtel. Der Bogen befindet sich in der Mitte zwischen zwei trapezförmigen Türmen, die mit denselben Techniken gebaut wurden.

Dieser Bogen ist mit Sicherheit der älteste aller Bögen in Perugia und hat im Laufe der Jahrhunderte nicht viele Veränderungen erfahren, mit Ausnahme einer Renaissance-Loggia über dem linken Turm und eines Brunnens aus dem 17. Jahrhundert, am Fuße dieses Turms.

Der Name, unter dem das Werk auch bekannt ist, nämlich Arco Augusto, geht auf ein Ereignis zurück, bei dem 40 v. Chr. Kaisers Oktavian Augustus der Hauptdarsteller. Der Kaiser war in der Tat dabei Lucius Antonius, Bruder von Marcus Antonius, mit dem Augustus im Krieg war, um die Macht Roms einzunehmen, vertrieb, verwüstete und verbrannte Perugia in einer der größten Belagerungen der Antike, die die Stadt erlitten hat. Augustus nahm die Stadt jedoch sofort in Besitz und kümmerte sich umgehend um die Neugestaltung und verlieh Perugia ein neues soziales und architektonisches Leben, indem er die Stadt „Augusta Perusia“ nannte, eine Inschrift, die noch auf dem doppelten Kreis aus Quadersteinen am Bogen sichtbar ist. Durch die letzte Restaurierung im Auftrag der Gemeinde Perugia wurde kürzlich eine bisher unbekannte rote Farbe ans Licht gebracht, mit der die Inschrift gefärbt wurde. Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass sie dadurch schon von weitem gelesen werden konnte.

Auf dem Bogen befindet sich jedoch eine weitere Inschrift, auf dem Rahmen direkt über dem Bogen, die „Colonia Vibia“ lautet. Sie wurde im Auftrag des römischen Kaisers, der aus Perugia stammte, Gaius Vibius Trebonianus Gallus (geboren in Monte Vibiano Vecchio, Gemeinde Marsciano, Kaiser von 251 bis 253 n. Chr.) angebracht. Damit nannte er Perugia eine römische Kolonie.

Der Arco Etrusco befindet sich auf der Piazza Fortebraccio, in der Nähe des Palazzo Antinori-Gallenga Stuart und durch ihn kann man das historische Zentrum von der Via Ulisse Rocchi aus erreichen, die direkt zur Piazza Danti führt, auf die die Hauptfassade der Kathedrale Cattedrale di San Lorenzo gerichtet ist.

Haben Sie die Stadt schon intensiv erkundet und möchten Sie einen kurzen Spaziergang auf einer eher unkonventionellen Strecke machen? Gut, dann verlassen Sie die Piazza IV Novembre über die zauberhafte Via della Maestà delle Volte, gehen Sie am Ende noch einige Meter weiter und biegen Sie in die Via Baldeschi ein. Gleich links finden Sie eine Treppe, die nach unten führt. Wenn Sie über diese Treppe nach unten gehen, werden Sie bemerken, dass sich die Straße seitlich aufteilt und einen Fußgängerweg bildet, der durch wenige, seitlich angeordnete Geländer geschützt ist. Der Weg geht unabhängig weiter und windet sich durch die Gassen und Häuser. Betreten Sie ihn und verlieren Sie sich zwischen den zauberhaften Perspektiven und Dächern, die Sie über diesen Gehweg erreichen. Sie befinden sich über der Stadt. Und sie gehen auf dem, was vor gut 1.000 Jahren errichtet wurde, um Wasser in das Zentrum von Perugia zu bringen. Sie befinden sich also auf dem mittelalterlichen Aquädukt.

Im Jahr 1254 errichtet, um den Wasserbedarf der Stadt zu decken, der dank der damaligen Erweiterung der Stadt und des Bevölkerungswachstums schnell anstieg, ist das Aquädukt ca. 4 km lang und wurde ausgehend vom Berg Pacciano errichtet, der über zahlreiche Quellen verfügte.

Wie ein Großteil der Geschichte Perugias und seiner größten Denkmäler, war auch die Geschichte des Baus des Aquädukts sehr ereignisreich. Der Beginn der Arbeiten war zwar im Jahr 1254, aber es dauerte nicht lange, bis der erste Baustopp erfolgte. Vielleicht wegen des Todes des verantwortlichen Architekten oder einfach aufgrund der Tatsache, dass die Beförderung des Wassers bis zum höchsten Punkt der Stadt Perugia eine zu große Herausforderung war. Tatsache ist, dass der Bau erst 1276 wieder aufgenommen wurde, mit Boninsegna, beauftragt von Fra Bevignate. Es scheint, dass er der Einzige war, der diese „Herausforderung“ angenommen hat, aber sicherlich nicht die Erwartungen enttäuscht hat, die an ihn gestellt wurden. Tatsächlich war es keine leichte Aufgabe, das Wasser bergauf zu bringen, aber Boninsegna gelang dies durch ein ausgeklügeltes System aus miteinander verbundenen Gefäßen und durch ein Bleirohrsystem. Die Größe und Bedeutung des Werkes wollte mit einem weiteren Denkmal gefeiert werden, das das Ende des „Wassersystems“ darstellt und die Aktivität und Dynamik unterstreicht. Tatsächlich wurde gleichzeitig die Fontana Maggiore gebaut, aus der 1278 zum ersten Mal das Wasser des Berges Pacciano sprudelte.

Heute ist das Mittelalterliches Aquädukt von Perugia gut erhalten und kann im historischen Stadtzentrum teilweise begangen werden. Leider ist jedoch der äußere Teil in Verwahrlosung geraten und zu einer Ruine geworden.

Beim Verlassen des historischen Stadtzentrums, vorbei an der Treppe und an der Kirche S. Ercolano und weiter über die zauberhafte Straße Corso Cavour, heute voll mit verschiedensten Restaurants und Lokalen, müssen Sie am Tor San Pietro vorbei, das den Eingang in den Borgo XX Giugno kennzeichnet.

Am Ende der Straße, in einer erhöhten Position zu Ihrer Linken, finden Sie sich direkt vor der Basilika San Pietro wieder. Das Gebäude ist Teil eines benediktinischen Gebäudekomplexes, der 966 von Pietro Vincoli auf den Resten einer vorchristlichen Kirche errichtet wurde, die wahrscheinlich die alte Kathedrale von Perugia war und im etruskisch-römischen Zeitalter errichtet wurde.

Am Ende des Gangs am Eingang liegt die Basilika S. Pietro mit einem mächtigen, jedoch schlanken Erscheinungsbild, das auch dem Glockenturm zu verdanken ist, der sich majestätisch mit zweibogigen Fenstern im gotischen Stil und einem spitzen Ziergipfel erhebt.

Nun können Sie Ihren Blick absenken, dem regelmäßigen Profil des Hofs bis zu seinem linken Bereich folgen, wo Sie das Eingangstor zur Basilika vorfinden. Dabei handelt es sich um ein Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, verziert von Giannicola di Paola mit Madonna und zwei Engeln.

Der Eingag ins Innere gestaltet sich als ein Spaziergang, der Ihnen einen Moment lang den Atem rauben wird. Bereiten Sie sich auf die Schönheit des Innenraums dieser Kirche vor. Sie werden vom wunderbaren Reichtum der Kunstwerke überwältigt sein: Leinwände, Holzschnitzarbeiten, Marmor, Dekorationen auf Bögen und Säulen Eine Reihe an Bildern, die Sie verzaubern werden. Die Kombination verleiht dem Besucher sofort einen Effekt aus trüben, jedoch sehr tiefen Farben und scharfen Abschnitten. Stets wunderbar und faszinierend, aber dunkel, als ob sie diesem Ort, der allen voran ein religiöses Gebäude ist, Ernsthaftigkeit verleihen möchten.

Das Gebäude besteht aus drei Schiffen. Das mittlere und höchste erhebt sich imposant im Vergleich zu den beiden Seitenschiffen, die weniger hoch und breit sind.

Bevor Sie sich nach vorne begeben, sollten Sie Ihren Blick anheben. Dann wird Ihnen gleich die Holzdecke in die Augen stechen, die kassettenförmig angelegt und von Benedetto di Giovanni di Pierantonio verziert wurden. Auf den Wänden, die die Erhöhung des Schiffs kennzeichnen, finden Sie zwischen den Säulen und der Decke eine Serie an Leinwänden mit den Szenen aus dem Leben von Christus, die zwischen 1592 und 1594 von Aliense gemalt wurden.

Auch die beiden Seitenschiffe sind voller Gemälde verschiedener Künstler der toskanischen und peruginischen Schule, die zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert entstanden. Darunter befinden sich Werke von: Eusebio da San Giorgio, Orazio Alfani, Giacinto Gimignani, Cesare Sermei, Ventura Salimbeni und anderen.

Hinten rechts befindet sich die Sakristei, erbaut 1451 und ebenfalls wunderschön dekoriert, beginnend mit dem Gewölbefresko mit Geschichten des Alten Testaments von Scilla Pecennini. Unter den vielen Werken sind der Boden aus Majolika-Kacheln von Giacomo Mancini da Deruta und die fünf kleinen Gemälde von Perugino aus einem seiner großen Werke „Die Himmelfahrt Christi“ besonders hervorzuheben, wobei letzteres während der napoleonischen Herrschaft entfernt wurde und sich heute in Lyon, im Musée des Beaux-Arts, befindet.

Entlang der Basilika erreichen wir das Presbyterium mit seinen gotischen Rippen, die von Giovanni Fiammingo im Jahr 1592 mit „Weinlese- und Erntebildern„, 1594 von Scilla Pecennini und Pietro d’Alessandro mit „Theologischen Tugenden und Kardinälen“ und von anderen Künstlern des späten 16. Jahrhunderts fein verziert wurden. Die heutige Struktur wurde nach dem Abriss der vorherigen halbkreisförmigen Apsis etwa im vierzehnten Jahrhundert wieder aufgebaut, um den Raum zu vergrößern und zwei große Orgeln und den Chor zu platzieren, der 1520 von Bernardino Antonibi und Nicola di Stefano da Bologna gebaut und geschnitzt wurde. In der Mitte des Raumes befindet sich der Hauptaltar, der von Valentino Martelli zwischen dem Ende des 16. und dem Anfang des 17. Jahrhunderts mit kostbarem Marmor erbaut wurde, und das Grab von San Pietro Vincioli enthält.

Unter den bestehenden Geschäftszweigen in Perugia freuten sich einige über großes Ansehen und erlangten im Laufe der Jahre eine enorme Macht. Dazu gehörte mit Sicherheit auch das Geschäft der Wechsler und Bankiers.

Dieses Geschäft war so einflussreich, dass es den prestigeträchtigen Sitz im Palazzo dei Priori einnahm, der zwischen 1452 und 1457 erbaut wurde. Die offizielle Besetzung war die der Geldwechsler, aber in Wirklichkeit wurde hier die Funktion der Überwachung der verschiedenen Geldwechsel ausgeübt, und wenn Meinungsverschiedenheiten auftraten, konnte das Kollegium seine Meinung äußern und beurteilen, was in seine Zuständigkeit fallen könnte, und so in jeder Hinsicht als Gericht handeln.

Der Zugang zu den Zimmern erfolgt über die Sala dei Legisti, deren Bezeichnung darauf zurückzuführen ist, dass das edle Collegio del Cambio beschlossen hat, das Zimmer an die Legislatoren zu vermieten. Im Inneren können Sie die prächtigen Holzdekorationen bewundern, die Giampiero Zuccari anvertraut und 1621 fertiggestellt wurden.

Danach gelangt man sofort in den Referendarsaal, den eigentlichen Sitz des Collegio del Cambio, der seinen Namen aufgrund der Tatsache erhalten hat, dass seine Mitglieder, die Meinungen zu Fragen im Zusammenhang mit dem Geldwechsel abgaben, als „Referendare“ bezeichnet wurden und ihre Aufgabe in diesem Saal wahrnahmen.

Mit der Verzierung im Inneren wurden verschiedene Künstler beauftragt, von denen der wichtigste sicherlich Perugino ist, der sich um den malerischen Teil kümmerte, der eines der schönsten Zeugnisse der italienischen Renaissance darstellt. Die Einrichtung und Dekoration der Räume wurde Domenico del Tasso anvertraut, der unter anderem die Holztheke und die Postergale schuf, während eine goldene Terrakotta-Statue bei Benedetto da Maiano in Auftrag gegeben wurde.

Der Eingang zu den oben beschriebenen Räumen erfolgt vom Palazzo di Priori, am Corso Vannucci, vor Beginn der Via Boncambi.

Die Sala dei Notari trägt diesen Namen, weil die Arte dei Notai di Perugia (Kunst der Notare von Perugia) sie 1582 zu ihrem offiziellen Sitz ernannte. Vorher war der Raum als Sala del Popolo (Volkssaal) bekannt, da er hauptsächlich für populäre Versammlungen verwendet wurde.

Heute dient der Sala dei Notari hauptsächlich der Kunst sowie Kongressen. Hier finden Tagungen, Kongresse, aber auch künstlerische, theatralische oder musikalische Veranstaltungen statt.

Sobald man die Schwelle überschreitet, kann man nicht anders, als sich von der Schönheit faszinieren zu lassen, die die Architektur des Raumes vermittelt, vielleicht wegen der vielen Rundbögen, insgesamt genau acht, oder der Tatsache, dass sie vollständig mit Gemälden verziert sind.

Von den ursprünglichen Fresken aus den Jahren 1200 oder 1300 sind leider nur noch wenige Überreste erhalten, aber die kostbare und elegante Verarbeitung, die wahrscheinlich auf den sogenannten Maestro del Farneto zurückzuführen ist, ist immer noch deutlich sichtbar. Die alten Fresken wurden 1885 von Matteo Tassi vielerorts ergänzt, und in anderen Bereichen hat sich der Künstler ganz mit der Bilddekoration beschäftigt.

Die Wände um den Raum herum zeigen hauptsächlich Geschichten und Legenden, mit eingearbeiteten Wappen der verschiedenen Stadtverwaltungen, darunter der Bürgermeister, der Anführer des Volkes und sogar Braccio di Fortebraccio.

Der Eingang zum Raum befindet sich an der zur Piazza IV Novembre ausgerichteten Seite des Palazzo dei Priori, gegenüber der Kathedrale San Lorenzo.

Unter den angesehensten und renommiertesten Künsten Perugias war die wichtigste der Handel, des Vertreter sich im Nobile Collegio della Mercanzia versammelten.

Seine Entstehung geht auf das Jahr 1218 zurück, während der Zeit der vollständigen kommunalen Unabhängigkeit. Das Nobile Collegio della Mercanzia wurde als Antwort auf die Notwendigkeit gegründet, eine Vertretung für einen der wichtigsten Berufe der Stadt zu schaffen. Langsam erkannte der Handel seine Bedeutung und seinen Einfluss , sodass er 1279 die ersten beiden der zehn Vorsteher der Stadt benennen konnte. Zu den weiteren wichtigen Kontrollfunktionen, die das Kollegium übernahm, gehörten: die Vereidigung der Offiziere, die Garantie des Anführers, die Mäßigung der Steuererhebung.

Heute sind die Statuten von 1323, 1356 und 1599 erhalten. Die Statuten regulierten einen Kodex, der aus einer Reihe von Regeln zur Regulierung des Handels bestand: das ius mercatorum. Dieses Dokument diente der Regelung der Zulassungsvoraussetzungen und der Geschäftsführung, des Wettbewerbs, der Gewichte und Maße, der Verkaufsmethoden, der Methoden und Folgen von Konkurs sowie der Zertifizierung, der Beschäftigung und der Handelsgerichtsbarkeit. Darüber hinaus sind auch die Immatrikulationen derselben Jahre noch vorhanden, die verwendet wurden, um die Namen der im Kollegium eingeschriebenen Personen zu erfassen.

Später ging der repräsentative Charakter des Kollegiums verloren, bis zur Änderung des Statuts 1670, bedingt durch eine Veränderung des politischen Lebens der Stadt und vor allem durch den Sieg der von Braccio di Fortebraccio unterstützten Adelspartei. Von diesem Zeitpunkt an war der Prozess der Bourgeoisie des Organs tatsächlich abgeschlossen, wodurch unter den Handwerkern tatsächlich jedes volksnahe oder demokratische Merkmal verloren ging und die Teilnahme ausschließlich den Adelsschichten möglich war.

Während der napoleonischen Zeit wurde die Funktion der Institution unterdrückt, aber das Kollegium blieb aufrecht, während es bis 1983 aristokratische Züge beibehielt.

Der Saal, in dem sich das Kollegium befand, auch als Audienzsaal bezeichnet, wurde in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts vollständig mit Holz-, Kiefern- und Nussbaumplatten dekoriert, die wahrscheinlich von Meistern aus Nordeuropa geschnitzt wurden. Im unteren Teil, entlang drei der vier Seiten des Raumes, befindet sich ein eingearbeiteter Sitz. An einem Teil der rechten Wand ist eine stärker untergliedertere Arbeit zu sehen, aus der sich der Greif der Stadt Perugia in einer Rosette oben und die eleganten Bögen unten hervorheben, die den Sitz in zwei REihen der Konsuln der Händler überragen. Unmittelbar davor befindet sich eine von Costanzo di Mattiolo 1462 geschnitzte Theke. Am Ende des Raumes ist eine mittelalterliche Kommode mit Schubladen zu sehen.

Der Eingang zu den Räumen kann vom Teil des Palazzo dei Priori mit Blick auf den Corso Vannucci aus erfolgen.

Der Palazzo dell’Università Vecchia befindet sich auf der Ostseite der Piazza Matteotti, früher Piazza Sopramuro genannt, neben dem Palazzo del Capitano del Popolo.

Es wurde im 15. Jahrhundert nach einem Entwurf von Gasperino di Antonio und Bartolomeo Mattioli da Torgiano erbaut und beherbergte zunächst den Auftraggeber im Erdgeschoss, nämlich das Krankenhaus Santa Maria della Misericordia, dessen Monogramm, gehalten von zwei Greifvögeln, tatsächlich über der Tür, die zur Piazza hin ausgerichtet ist, eingearbeitet ist.

Das erste Stockwerk wurde auf den Wunsch von Papst Sixtus IV. erbaut, der es dem Hauptsitz des Studium Generale Civitatis Perusii zuordnete, d.h. der Universität von Perugia, die ursprünglich 1266 gegründet wurde und nach Bologna die zweite Universität war. Der Sitz der Universität blieb bis 1811 aufrecht.

Der äußerste Teil des Palazzo dell’Università Vecchia beherbergte dagegen 1462 den Monte di Pietà, den ersten in Italien.

Das Gebäude wurde nie ganz fertiggestellt, wie man an der Fassade sehen kann, hat aber dennoch wertvolle Dekorationen, wie die kreuzförmigen Fenster im ersten Stock, deren Architrave durch einige geschnitzte Verse des Matthäusevangeliums verziert sind. Auch die Eingangstür ist sehr schön, über ihr wacht das Auge der zahlreichen Greife Perugias.

Der Palazzo Antinori Gallenga Stuart, besser bekannt als Palazzo Gallenga, beherbergt heute die renommierte Università degli Stranieri (Ausländeruniversität) von Perugia.

Wo auch immer Sie sich in der Stadt befinden, der Palazzo Gallenga sorgt bei seinem Anblick für ein angenehmes Staunen. Mit seiner spätbarocken Architektur zeigt er sich in einem eleganten, schlanken und brillanten Stil, der für das Auge nie trivial erscheint. Die Hauptfassade zur Piazza Grimana ist auf drei Ebenen angeordnet, die alle fein und sorgfältig dekoriert sind. Das verwendete Material ist Ziegel, und der mittlere Vorderteil wurde aus Travertin gebaut, der auch für die Dekoration des oberen Teils der Fensterrahmen verwendet wurde. In der Mitte befindet sich ein prächtiges Tor, an dessen Seiten sich vier dorische Säulen befinden, die auch einen Balkon tragen, der auf der Höhe des Obergeschosses liegt.

Das Gebäude wurde 1737 im Auftrag von Giuseppe Antinori nach einem Entwurf des Architekten Francesco Bianchi erbaut. Das Werk wurde von Giuseppes Sohn Girolamo abgeschlossen, der den Architekten Pietro Carattoli beauftragte.

Die Antinori lebten bis 1855 im Palast und verkauften ihn dann an Pietro Martinori, der ihn wiederum an Romeo Gallenga verkaufte. Letzterer kaufte den Palazzo, um dort mit seiner zukünftigen Frau Mary Stuart Montgomery zu leben. Jeder Besitzer passte die Inneneinrichtung an, ohne Bestehendes zu verändern. Während der Zeit des Besitzes von Martinori, der den Palazzo nur aus spekulativen Gründen kaufte, wurde Domenico Bruschi 1862 beauftragt, das Gebäude zur Feier der Vereinigung Italiens in einem Zwischengeschoss mit einer Dekoration zu versehen, die auch den Schild der Savoyen und das Albertino-Statut enthält. Später, unter der Familie Gallenga, wurde der Künstler Matteo Tassi aus Perugia mit der malerischen Dekoration des Ballsaals betraut, die er nach dem Vorbild des Auditoriums im Nobile Collegio del Cambio malte. Heute heißt dieser Raum „Sala Goldoniana“ zu Ehren des Dramatikers, dessen Vater Arzt der Familie Antinori war. Es scheint in der Tat, dass er als Junge diese Räume sehr oft besucht hat und hier gelegentlich als Schauspieler auftrat.

Die Innenräume sind in der Regel fein verziert. Im ersten Stock befinden sich eine Reihe von Büsten der Götter mit Details aus Rocailles, während im zweiten Stockwerk eine Reihe von Freskendekorationen und verschiedenen Leinwänden aus dem Jahr 1792 zu sehen sind, die Landschaften und Ruinen zeigen. Die von Petro Carattoli ausgeführte Dekoration der Räume befasst sich mit verschiedenen Themen ausgehend von der Zeit, mit dem alten Saturn und der Sanduhr, über die Vier Jahreszeiten bis hin zum letzten Raum, in dem das Wappen der Familie Antinori abgebildet ist.

Jüngeren Ursprungs, aber dennoch von großem Wert, ist die Umsetzung eines Wandbildes von Gerardo Dottori, einem der wichtigsten Vertreter der futuristischen Aeropittura (Luftmalerei), das als La luce dell’antica Madre (Das Licht der alten Mutter) bezeichnet wurde und Aeneas darstellt, der von einem Boot aus das Kolosseum betrachtet, während die Arbeiter mit der Errichtung eines Mauerwerks beschäftigt sind.

Die beiden Stadtmauern von Perugia, die im Laufe der Jahrhunderte zum Schutz der Stadt errichtet wurden, machten den Bau zahlreicher Tore für den Zugang zu den Straßen, die vom Stadtzentrum hinausführen, notwendig. Von ihnen entstanden 22, in verschiedenen Epochen und Stilen. Die ersten, die gebaut wurden, folgen dem Umfang der etruskischen Mauern, die teilweise noch sichtbar sind, während die anderen entlang der Mauern des Mittelalters liegen, die ab dem dreizehnten Jahrhundert errichtet wurden. Ausgehend vom etruskischen Bogen oder Augustusbogen, zu dem Sie auf dieser Seite weitere Einzelheiten finden, über den Hügel Sole in Richtung Zentrum von Perugia, gelangt man zu dem Punkt, an dem einst die Porta Sole stand, die heute ideologisch dem eigentlichen Arco dei Gigli zugeschrieben wird, einem der Tore, die sich an den alten Mauern erheben, jedoch im dreizehnten Jahrhundert gebaut wurden. Seinen Namen verdankt es dem Wappen der Lilie, das von Papst Paul III. angebracht wurde. In diesem Bereich sind die ursprünglichen Stadtmauern nicht mehr sichtbar, aber wenn man an der Stelle, an der sie standen, nach Süden geht, erreicht man die Porta Cornea (oder Sant’Ercolano). Der Name dieses Tors leitet sich aus der Nähe zur Kirche ab, die dem gleichen Schutzpatron von Perugia gewidmet ist. Auch dieses Tor ist ein etruskisches Tor, aber vom Original ist lediglich das Fundament erhalten, während der Spitzbogen im dreizehnten Jahrhundert neu aufgebaut wurde. Ganz oben auf diesem Tor befindet sich ein Löwe, Symbol der Welfen, um auf den Schutz hinzuweisen, den die Stadttore boten. Weiter entlang der alten Mauern erreichen Sie die prächtige Porta Marzia. Erbaut im 3. Jahrhundert v. Chr., war dieses Tor einer der wichtigsten Eingänge zur Stadt. Eigentlich gibt es den Haupteingang nicht mehr, denn der Bau der Rocca Paolina erfolgte genau dort, wo dessen Wände standen. Glücklicherweise entschied sich der Architekt Antonio da Sangallo jedoch, den Bogen zu aufrecht zu erhalten, indem er ihn in die Bastion stellte. Dank dieser „Rettung“ sind die Pracht und Bedeutung, die diese Tür damals hatte, deutlich zu erkennen. Über dem Bogen ist die Reproduktion einer Loggia mit fünf Skulpturen, die wahrscheinlich den Göttern gewidmet sind deutlich sichtbar, während oben und unten die Inschriften „Colonia Vibia“ von Vibio Treboniano Gallo, dem römischen Kaiser peruginesischen Ursprungs, zu sehen sind.

In westlicher Richtung, auch wenn es keine direkte Verbindung von der Porta Marzia mehr gibt, erreichen Sie die Porta Eburnea, auch Arco della Mandorla genannt. Die Kombination mit der Frucht ergibt sich aus dem Spitzbogen, der in der Zeit nach den Etruskern gebaut wurde und zu dem der Bogen gehört. Das Tor wurde im Mittelalter restauriert, aber das Fundament aus Travertin ist vollkommen unverändert, ebenso wie die Mauern, die in diesem Abschnitt gut erhalten sind. Der Name Eburnea leitet sich hingegen vom Elfenbein der Stoßzähne des Elefanten ab, dem Symbol des gleichnamigen Stadtteils am Tor.

Das letzte etruskische Tor ist die Porta Trasimena, das gleich wie die Porta Eburnea bis zum Sockel des erst im Mittelalter wiederaufgebauten Spitzbogens in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Der Name leitet sich aus der Tatsache ab, dass das Tor zum Trasimenischen See hin ausgerichtet ist. Es ist  aber auch als San Luca oder Madonna della Luce bekannt, deren Namen von den Kirchen abgeleitet wurden, die in der Nähe liegen. Es war das bevorzugte Tor der Familie Baglioni, die nicht nur in diesem Bezirk lebte, sondern auch glaubte, dass das Tor gute Ereignisse bescherte. So durchquerten sie ihn stets vor Kämpfen oder Schlachten.

Das erste Tor unseres Rundganges, das auf den mittelalterlichen Mauern errichtet wurde, ist die Porta Santa Susanna. Es erhebt sich im Westen der Stadt und gibt dem gleichnamigen Stadtteil seinen Namen, erhielt ihn jedoch wiederum von der Kirche Santa Susanna, die später zur Krypta von San Francesco al Prato wurde. Das Tor wurde um das vierzehnte Jahrhundert errichtet und überragt die Straße, die im Mittelalter eine wichtige Verbindungsstraße nach Perugia war, und verbindet sie mit der Toskana und dem Trasimenischen See, dessen Wasser wahrscheinlich für die blaue Farbe des Wappens verantwortlich ist.

Weiter nördlich, diesmal entlang der mittelalterlichen Mauern, vorbei am Stadtteil Elce und den Universitäten, erreichen wir den nördlichsten Teil der Stadt, gekennzeichnet durch das Tor Porta Sant’Angelo, das seinen Namen von der alten Kirche San Michele Arcangelo erhielt, von der auch sein Wappen stammt, das im gleichnamigen Stadtteil zu sehen ist: zwei Flügel und ein Schwert auf einem roten Hintergrund, um die Flammen zu symbolisieren.

Wenn Sie sich vor dem Tor befinden, überkommt Sie sofort die Größe des Tors. Es ist in der Tat das größte mittelalterliche Tor der Stadt. Erbaut zu drei verschiedenen Zeitpunkten, mit jeweils unterschiedlichen Materialien. Das Fundament besteht aus Sandstein und wurde 1326 errichtet. Die zweite Ebene wurde vom Abt von Montemaggiore gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts in Auftrag gegeben und besteht aus Kalkstein. Die dritte Ebene wurde von Fioravanti zwischen 1416 und 1424 im Auftrag von Braccio Fortebraccio in Ziegel gebaut, der das Tor zu einer Schalung mit Schießscharten, Falltüren oder Plumbatoia umwandeln wollte.

In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts restauriert, beherbergte es bis 2016 das Museum der Stadtmauern, während es heute eine didaktische musikalischen Ausstellung mit dem Titel „Musik, ein einzigartiges Erlebnis” beherbergt.

Wenn Sie unsere Route entlang der mittelalterlichen Mauern fortsetzen und leicht nach oben gehen, um dann nach Osten hin abzusteigen und nach Osten weiterzugehen, erreichen Sie den Bogen Arco dello Sperandio fast genau. Ein kleiner Zugang zur Stadt, ebenfalls mittelalterlicher Bauart, mit einer gotischen Inschrift auf dem Bogen, der seinen Namen vom nahegelegenen Frauenkloster erhielt, das wiederum nach der Inschrift „Spera in Deo 1696“ am Eingang benannt wurde, die bis heute sichtbar ist.

Nach Süden, entlang der perfekt erhaltenen Mauern, erreichen Sie die Porta del Bulagaio, ein relativ neues Bauwerk (1765), das 2013 restauriert wurde. Der Ursprung des Names, ein Wort im umbrischen Dialekt, das auf Verwirrung / Verwirrung hinweist, ist nicht eindeutig geklärt.

Wir gehen auf diesen Punkt am Ende des Corso Bersaglieri zurück, bis zum Tor Porta di Sant’Antonio, das ebenfalls im Auftrag des Abtes von Monmaggiore 1374 als Abschlusselement der päpstlichen Festung von Porta Sole erbaut wurde. Es diente als Eingang für die Truppen, die die Stadt von der päpstlichen Herrschaft befreiten, woran die Tafel am Bogen erinnert. Diese Veranstaltung gab der Straße, die sich hinter dem Tor liegt, ihren Namen: Corso Bersaglieri. Diese  Straße führt über ihre Parallelstraße zum Tor Porta Pesa oder Arco dei Tei. Auch dieses Tor ist gleich wie das vorherige Tor, das sogar denselben Namen Trägt, Teil des Ortes Sant’Antonio. Heute ist es ein wichtiger Zugang zur Stadt. Erbaut im 13. Jahrhundert mit einem Spitzbogen, erhielt das Tor seinen Namen von der alten Adelsfamilie, die in der Nähe lebte. Heute ist es jedoch viel besser unter einem anderen Namen, nämlich Porta Pesa, bekannt. Dies ist der städtischen Basilika an der Grenze zu verdanken, die einst direkt hinter dem Tor lag.

Weiter geht es nach Süden entlang der mittelalterlichen Mauern bis zur Porta Santa Margherita, die auch in diesem Fall ihren Namen dem nahegelegenen Sakralbau, dem Benediktinerinnenkloster, verdankt. Rechts ruht das Tor auf einer Bastion, einem Überrest einer alten Festung aus dem 16. Jahrhundert.

Weiter nach Süden, parallel zum Corso Cavour, kommen Sie zum Tor Porta San Girolamo, das sich direkt neben dem Cinema Zenith, einem ehemaligen Franziskanerkloster, befindet. Sie wurde im fünfzehnten Jahrhundert erbaut, aber Ende des sechzehnten Jahrhunderts im Auftrag von Kardinal Alessandro Riario (von dem der alternative Name stammt: Porta Alessandrina) während der Herrschaft von Gregor XIII. wieder aufgebaut, woran eine Inschrift am Tor erinnert. Heute ist es auch als Ausgangspunkt des berühmten Marsches für den Frieden bekannt.

Weiter geht es zum südlichsten Teil der Stadt, wo sich der Arco di Braccio und die Porta di San Costanzo befinden. Das erste Bauwerk, errichtet im Jahr 1250, war Teil einer wichtigen Route für die Stadt und hatte zwei Bastione an ihren Seiten. Der Name ist, wie man vermuten kann, dem perugiesischen Feldherrn Braccio Fortebracci gewidmet, der früher militärische Übungen in der Umgebung durchführte. Heute ist das Tor in den Komplex des Klosters San Pietro integriert, da es nicht mehr genutzt wird und durch ein weiteres Tor, die Porta di San Costanzo, ersetzt wurde. Letzteres wurde beginnen 1587 im Auftrag der Benediktinermönche errichtet, aber erst später, als der Arco di Braccio stillgelegt wurde genutzt. Es hat jedoch nie die Gunst des Volkes erlangt, vielleicht weil es immer wieder eindringenden Armeen oder Unterdrückern als Zugang diente (zum Schutz des Kirchenstaates und gegen die Bevölkerung von Perugia erfolgten zahlreiche bewaffnete Einfälle).

Von hier aus geht es über den Borgo XX Giugno nach oben, wo sich am Anfang des Corso Cavour das Tor Porta San Pietro befindet. Dieses Tor ist ein sehr wichtiger Zugang zur Stadt und erhebt sich majestätisch zwischen zwei der schönsten Straßen Perugias. Es wurde an mehreren Kreuzungen gebaut. Die Fassade zum historischen Stadtkern hin stammt aus dem 14. Jahrhundert und oben in einer Nische befindet sich ein Gemälde mit der Madonna del Rosario zwischen den Heiligen Franziskus und Dominik, während das jüngste am Ende des 15. Jahrhunderts von Agostino di Duccio und Polidoro di Stefano angefertigt wurde, um einen Stil in Form eines Triumphbogens mit zwei Seitentürmen zur Verstärkung der Struktur entstehen zu lassen..

Weiter nach Norden, entlang der mittelalterlichen Mauern, erreichen Sie das Tor Porta di Santa Croce oder dei Tre Archi. Bei den Umbrern ist dieses Tor sehr bekannt, da es ein städtisches Wahrzeichen ist, das vor allem für den Autoverkehr in der Stadt eine besondere Bedeutung hat. Ihren Namen hat auch dieses Tor von der angrenzenden Kirche San Giuseppe, der ehemaligen Kirche Santa Croce. Es wurde 1857 restauriert, da es in einem schlechten baulichen Zustand war.

In der Nähe, in Richtung des historischen Zentrums, befindet sich der Arco dei Funari, erbaut im 13. Jahrhundert. In diesem Fall ist der Name auf das Handwerk zurückzuführen, die damals in den angrenzenden Werkstätten ausgeübt wurde, also auf die Seilmacher. Im Laufe der Zeit verlor das Tor aufgrund der geringer werdenen Bedeutung der Durchfahrt sein Ansehen, sodass die Höhe der in den darauffolgenden Jahren angebrachten Bodenbeläge immer dünner wurden.

Wenn Sie sich von der Via Luigi Masi nach Westen bewegen, folgen Sie der alten Stadtmauer, die in diesem Abschnitt nicht mehr sichtbar ist, und erreichen das Tor Porta Crucia, auch bekannt als Porta Eburnea Nuova. Die ursprüngliche Version dieses Tors stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert, aber was Sie heute sehen können, ist eine Rekonstruktion aus dem sechzehnten Jahrhundert. Das verwendete Material entspricht jenem der etruskischen Wände, d.h. Travertin, kombiniert mit roten Ziegeln. Die Tafel oben zeigt den Schutzpatron des Tors, den päpstlichen Gouverneur Antonio Santacroce. Der Durchgang dieses Tores wurde häufig genutzt, um die Fische der Fischer des Trasimenischen Sees anzulierfern, so dass die Straße, die durch das Tor hindurchführt, Via del Pesce genannt wird.

Dem hier noch sichtbaren Mauerabschnitt folgend, erreichen Sie das letzte Tor der mittelalterlichen Stadtmauer, das Tor Porta di San Giacomo. Der kleine Spitzbogen, der ursprünglich im dreizehnten Jahrhundert gebaut wurde, hat seinen Namen der Kirche San Giacomo zu verdanken, die sich in der Nähe befand.

Das Theater wurde ursprünglich nicht nach Francesco Morlacchi benannt. Der Name wurde im tatsächlich erst nach der ersten großen Restaurierung durch Guglielmo Calderini im Jahr 1874 verliehen, bei der er eine wesentliche Rolle spielte. Wenige Jahrzehnte früher war der berühmte Musiker aus Perugia verstorben. Im Jahr 1784 geboren, stellte Franceso Morlacchi seine Begabung als Komponist schon früh unter Beweis, wodurch er zu Beginn des 19. Jahrhunderts vertiefende Studiengänge in Neapel absolvierte. Eine Erfolgsserie in Mittelitalien sorgte dafür, dass er den Posten als Kapellmeister in Urbino erhielt, bis er auch international bekannt und zum Kapellmeister der italienischen Oper in Dresden wurde. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, zu der die Politik äußerst konfliktgeladen war, sich die Deutsche Oper immer größerer Beleibtheit erfreute und ihre Verbreitung auch im politischen Interesse stand. Ausgerechnet aus diesem Grund wurde Morlacchi häufig kritisiert, da er als Symbol einer veralteten Kompositionstradition und nicht fortschrittlich, wie es die Epoche verlangte, angesehen wurde. Er starb 1841 auf einer Reise nach Perugia aus gesundheitlichen Gründen in Innsbruck. Seine Kapellmeisterstelle wurde mit Richard Wagner nachbesetzt.

Ausgerechnet seine Bekanntheit und sein Prestige, die er über die Zeit erlangt hatte, trieben die Accademia Perugina dazu an, dem neu renovierten Theater seinen Namen zu verleihen.

Das Theater Morlacchi wurde jedoch gut ein Jahrhundert zuvor errichtet und am 15. August 1871 mit dem Namen Teatro Civico del Verzaro sowie Platz für 1.200 Personen eingeweiht. Es wurde vom Bürtertum der Stadt in Auftrag gegeben, um ihre Macht im Gegensatz zur Errichtung des Teatro del Pavone durch den Adel Perugias zu demonstrieren. Gebaut wurde das Theater vom Architekten Alessio Lorenzini aus Perugia, der sein Talent unter Beweis stellen musste, indem er das Gebäude dem wenigen zur Verfügung stehenden Platz, auf dem sich zuvor ein Kloster befand, anpassen musste.

Die Aktivität im Theater ist seit damals unermüdlich und intensiv, außerdem traten im Theater zahlreiche wichtige Künstler wie Irma Gramatica und Oreste Calabresi auf.

Das Aufkommen des Faschismus und die daraus resultierende massive kulturelle Zensur ließen das Theater in eine Art produktive Apathie verfallen, ein Zustand, der in den ersten Jahren der deutschen Besatzung seinen Höhepunkt erreichte, als das Gebäude ausschließlich dazu diente, die Reichstruppen mit einfachen Shows zu unterhalten. Als die Akademie 1942 wieder den Besitz übernahm, musste sie sich mit den enormen Schäden an der Struktur auseinandersetzen und beschloss, das Theater der Stadtverwaltung zu übergeben, die Anfang der 1950er Jahre eine komplette Restaurierung finanzierte, bis das Gebäude entstand, das heute besichtigt werden kann.

Der Greif und der Löwe sind die Symbole Perugias. Während der erste mehr an die Geschichte der Stadt selbst gebunden ist, um das Heilige und das Profane zu feiern, das Perugia immer begleitet habet, ist der zweite den Welfen zuzuschreiben, der Fraktion, die in dieser historischen Periode hauptsächlich zur Unterstützung der päpstlichen Macht tendierte. Beide Symbole wurden als Bronzeskulpturen dargestellt, die sich heute im Atrium des Palazzo dei Priori befinden, unmittelbar am Eingang links zu sehen.

Bevor sie in den Palast gebracht wurden, wurden sie über der Nordtür des Palazzo dei Priori platziert, über den die Sala dei Notari betreten werden kann. Heute sind diejenigen Figuren, die in der Fassade sichtbar sind, eine Kopie und wurden nach dem Umbau im Jahr 1966 hier platziert wurde.

Ursprünglich wurde angenommen, dass sie von den Etruskern geschaffen wurden, aber dann wurden sie Arnolfo Di Cambio zugeschrieben, der sie 1218 anfertigte, um sie in die Architektur der Fontana degli Assetati aufzunehmen. Als der Brunnen demontiert wurde, wurden die beiden Statuen in den Palazzo del Podestà gebracht und nur während der Prozession für S. Ercolano gezeigt, der offenbar der Gönner war und der Symbolik des Greifs am nächsten stand. Der Greif und der Löwe von 1301 bis 1966 verschönerten sie die Fassade des Gebäudes, und heute sind sie vom Haupteingang aus leicht zu erblicken.

Wenn Sie sich dazu entschließen auf der linken Seite über die Piazza IV Novembre zu spazieren, um anschließend zur Piazza Morlacchi oder Piazza Cavallotti weiterzugehen, müssen Sie an der wunderbaren Via Maestà delle Volte vorbei.

Sie werden sich durch die Zeit zurückversetzt fühlen, während Sie die wenigen Schritte machen, um sie zu überqueren, während Sie zu Ihrer Linken den Brunnen in der Via Maestà delle Volte erblicken.

Im Jahr 1928 errichtet und damit relativ neu, scheint er sich jedoch gut in diesen historischen Kontext einzufügen, durch den Sie spazieren, wenn er nicht die Inschrift “XX Sec.” (“20. Jahrhundert”) tragen würde.

Entworfen vom Architekten Pietro Angelini wurde der Brunnen ausgerechnet unter einem Bogen der alten Gebäude dieser Gasse errichtet. Der Name – sowohl des Brunnens wie auch der Straße – ist auf ein Gemälde aus dem Jahr 1330 zurückzuführen, das unter einem Bogen des Palazzo del Podestà entstand und dazu gedient zu haben scheint, in einer dunklen und angstvollen Zeit das Schlechte aus dieser Straße zu treiben. Anschließend, im Jahr 1335, wurde zum Schutz des Gemäldes das Oratorium della Maestà delle Volte errichtet, das anschließend jedoch durch einen Brand zerstört und im Jahr 1567 wieder aufgebaut wurde. Bis heute ist das originale Gemälde in seinem Inneren erhalten.

Sarete ormai stanchi, avete girato in lungo e il largo Corso Vannucci con i suoi musei, magnifici palazzi e imponenti chiese, e state cercando un posto per riposarvi, per rilassarvi un attimo, ma senza perdere l’occasione di ammirare ancora una volta qualcosa di unico. Percorrete, allora, Corso Vannucci fino alla fine e giungerete ai Giardini Carducci. Li troverete immediatamente dopo il palazzo della provincia, dove un tempo sorgeva parte della Rocca Paolina. Al centro è situato un monumento al Perugino e i busti di Giosuè Carducci, Orazio Antinori, Galeazzo Alessi, Guglielmo Calderini e del Pintoricchio.

 

“…Cosí fece in Perugia. Ove l’altera
Mole ingombrava di vasta ombra il suol
Or ride amore e ride primavera,
Ciancian le donne ed i fanciulli al sol.

E il sol nel radiante azzurro immenso
Fin de gli Abruzzi al biancheggiar lontano
Folgora, e con desío d’amor piú intenso
Ride a’ monti de l’Umbra e al verde piano.

Nel roseo lume placidi sorgenti
I monti si rincorrono tra loro,
Sin che sfumano in dolci ondeggiamenti
Entro vapori di viola e d’oro.

Forse, Italia, è la tua chioma fragrante
Nel talamo, tra’ due mari, seren,
Che sotto i baci de l’eterno amante
Ti freme effusa in lunghe anella al sen?

Io non so che si sia, ma di zaffiro
Sento ch’ogni pensiero oggi mi splende,
Sento per ogni vena irmi il sospiro
Che fra la terra e il ciel sale e discende…”

 

Così scriveva Giosué Carducci quando, nel suo periodo di permanenza a Perugia, le sue soste nei giardini oggi a lui intitolati ispirarono i versi del “Canto dell’Amore”, di cui sopra è riportato un estratto. Il poeta ripercorre nell’Ode la sete di potere e controllo che avevano portato Papa Paolo III a costruire la Rocca Paolina, per sopprimere e schiacciare ogni possibile moto perugino. Come spiega nel canto, il “…popolo è..un cane…E i sassi addenta che non può scagliare…E specialmente le sue ferree zanne Gode ne le fortezze esercitare…”, così i perugini si sono ripresi i loro spazi, sradicando simboli di potere per donarli di nuovo al sorriso dell’amore e della primavera. Dove sorgeva la fortezza, ora cresce erba e germogliano fiori.

Bene, qua potrete prendervi un po’ di relax e sostare al verde, ma rimanendo sempre nel centro più antico della città. Potrete decidere di appoggiarvi alla balaustra e godervi il panorama della parte sud di Perugia, scrutando la rete delle ultime case che lentamente si dirada fino a perdersi immersa nel verde della vallata Umbra. Se passerete di lì al tramonto, assisterete ad uno spettacolo unico, con l’ultimo sole ad illuminare il verde in lontananza e a dorare con gli ultimi riflessi il travertino della città.

Magari riuscirete a sentirvi come il poeta, con il respiro incerto dall’emozione.

I Giardini Carducci sono un luogo molto frequentato, sia da turisti che da locali, ma non si presentano mai troppo affollati e riescono sempre a regalare al visitatore un momento di pace.

Von der Piazza Italia aus, bis zum Ende des Corso Vannucci, links an der Fontana Maggiore und der Kathedrale von S. Lorenzo (nicht ohne einen Besuch) vorbei, geht es weiter zur Piazza Piccinino, die von antiken Gebäuden umgeben und mit dem etruskischen Brunnen aus dem 16. Jahrhundert gestaltet ist, der aus den tiefen und alten Mauern seiner Zisterne feierlich in der Mitte der Ziegelkonstruktion aufsteigt.

Seit dem 15. Jahrhundert hat sich die Geschichte dieses außergewöhnlichen Beispiels für Wasserbau stets im Gleichschritt mit der Geschichte des Adelspalastes bewegt, der sich direkt gegenüber befindet. Der Besitzer des Palazzo wurde automatisch auch zum Besitzer des Brunnens, dessen Zisterne man ausgerechnet über die Kellergeschosse erreichte. Ebenfalls im 16. Jahrhundert errichtet, erhielt der Palazzo Sorbello seinen Namen von der Familie, die ihn bis zum Ende des 18. Jahrhundert besaß, die Bourbon di Sorbello, heute – nach einigen Episoden der dynastischen Hybridisierung – Ranieri di Sorbello. Die Geschichte des Palazzo, die Sie im Rahmen eines Besuchs der besonderen Casa Museo (Museumshaus) erfahren können, geht mit der Geschicht der Familie einher. Eine “fremde” Familie, die nicht aus Perugia stammte. Die Bourbon di Sorbello waren tatsächlich ein Zweig der Bourbon del Monte, ein glorreiches Adelshaus, das ausgehend vom 12. Jahrhundert in ganz Mittelitalien Ruhm und Macht erlangte, auch aufgrund ihres legendären Anspruch auf Abstammung aus der bourbonischen Linie der französischen Königsfamilie. Die Sorbello, Markgrafen, die ein kleines Feudalgut an der Grenze zwischen dem Kirchenstaat und dem Großherzogtum Toskana besaßen (mehr oder weniger die gleiche Grenze, die heute zwischen Umbrien und der Toskana besteht), zog erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Perugia.

Vielleicht hatte es der Markgraf Giuseppe I satt, in seinem prunkvollen, jedoch abgegrenzten Castello di Sorbello zu wohnen, das sich auf der Spitze eines waldigen Hügels in der heutigen Provinz Arezzo befindet, sodass er sich dazu entschloss neue Stimuli und neue Geschäfte in der wichtigsten und florierendsten Stadt des Gebiets zu suchen und dabei ein Haus als Landsitz zu nutzen, das seine Frau Marianna Arrigucci, eine berühmte Einwohnerin Perugias, als Mitgift erhalten hatte. Es war sein Sohn Uguccione III – oder besser einer seiner sechzehn Söhne – Erbe der Regentschaft des Markgrafentums, der den Palazzo Sorbello erwarb, der damals der Familie der Egueni-Oddi gehörte. Mit dem Spürsinn des großen Geschäftsmannes nutzte er die schwere finanzielle Krise der Besitzer, um die einfache Residenz seiner Mutter gegen das einzutauschen, was einer der prestigeträchtigsten Palazzi der Stadt war. Neben seiner ausgezeichneten Machart gab es einen weiteren speziellen Grund, aus dem der Palazzo so berühmt war: im Inneren eines seiner Räume hielt sich 1734 kein geringerer als Karl III., König von Spanien und des Königreichs Beider Sizilien, auf. Während des Polnischen Thronfolgekriegs kam Karl III. nach Italien, um seinen Besitz in Süditalien einzunehmen. Dabei kam er auch nach Perugia, eine verbündete Stadt. Sein Einziehen in die Stadt zusammen mit seinem Hof und seinem riesigen Heer war denkwürdig, und unter allen zur Verfügung stehenden Palazzi wählte er ausgerechnet den Palazzo aus, der einige Jahre später zum Palazzo Sorbello wurde. In der Casa Museo betreten Sie auch den Saal “Carlo III.”, der vom spanischen König wahrscheinlich als Schlafzimmer genutzt und nach dem Besitzerwechsel zu einem eleganten, großen Salon umfunktioniert wurde.

Der Palazzo, der sich bis heute im privaten Besitz der Nachkommen der Familie befindet, kann innen nicht besichtigt werden, aber ein Großteil des Erdgeschosses sowie der Bel Etage sind öffentlich zugänglich. Dies ist insbesondere der Tätigkeit der Stiftung Ranieri di Sorbello zu verdanken, die vor gut 10 Jahren die Casa Museo im Palazzo Sorbello eröffnet hat. Die Ausstellung vereint einen Teil der von der Familie ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gesammelten Werke, insbesondere von der Generation ab Giuseppe I. und seiner 16 Söhne, der zu den wichtigsten und blühendsten Zeitabschnitten der Sorbello gehört. Das Schlüsselelement der Kollektion ist die große Bibliothek, die ebenfalls zu dieser Zeit entstand und mehr als 26.000 Bände enthält, von denen einige auf das 14. Jahrhundert zurückgehen. Die Besichtigung ist geführt und lässt am Ende noch Raum für die heutigen Familienmitglieder, darunter Romeyne Robert mit amerikanischen Wurzeln und für ihre großartige unternehmerische Gabe bekannt, sowie Uguccione Ranieri di Sorbello, sein Sohn, ein vielseitiger und exzentrischer Diplomat sowie Hauptdarsteller des intellektuellen Panoramas der Nachkriegszeit, sowohl in Italien als auch in den USA. Eine wunderbare Besichtigung, um die Geschichte anhand der Geschichten dieser Personen und anhand der Orte, die sie besucht haben, zu erfahren. Nicht irgendein Ort, sondern ihr Zuhause. Der wichtigste Ort aller, an dem man geboren wirt, aufwächst, weint und lacht. Wo man einfach man selbst ist und wo man mehr als an anderen Orten Spuren seiner Anwesenheit hinterlässt. Im Palazzo Sorbello ist dies ebenfalls erkennbar und klar, sodass Sie sich in der Zeit zurückversetzt fühlen.

Beim Verlassen des historischen Zentrums nehmen Sie die Treppe der Via Sant’Ercolano, dann befinden Sie sich direkt hinter dem Palazzo della Penna, den Sie erreichen können, indem Sie in der Viale Indipendenza rund um das Gebäude gehen. Vor Ihnen steht ein prächtiges Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, dessen Eingang durch die imposante Holztür gekennzeichnet ist.

Dieser Palast war im 16. Jahrhundert die Residenz der Familie des Erzpriesters della Penna und wurde auf den Ruinen eines alten römischen Amphitheaters errichtet.

Ascanio della Penna selbst begann im siebzehnten Jahrhundert mit der Sammlung von Kunstwerken im Palast, die jedoch am Ende des neunzehnten Jahrhunderts an andere Ausstellungsorte verlegt wurden.

Heute beherbergt das Museum noch eine große Sammlung des deutschen Künstlers Joseph Beuys und des berühmten futuristischen Malers Gerardo Dottori aus Perugia, der auch für seine Beteiligung an der Entstehung des „Manifests der futuristischen Luftmalerei“ bekannt ist, das 1929 zur Feier des Mythos der Moderne geschrieben wurde.

Am Ende der Via Dei Priori, dort wo sich früher die Piazza degli Oddi, erhebt sich heute der Palazzo degli Oddi, Sitz des gleichnamigen Museums, das von der Stiftung Marini Clarelli Santi verwaltet wird.

Ein wunderschönes, am Beginn des 16. Jahrhunderts auf Wunsch von Guido degli Oddi, Vertreter einer der mächtigsten Adelsfamilie von Perugia und einer der bekanntesten Adelsfamilien der Halbinsel, errichtetes Bauwerk. Angeblich stammten die degli Oddi ursprünglich aus Ungarn und kamen mit Friedrich I. nach Italien. Im Zeitalter der Kommunen erfreuten sie sich in der Stadt großer Beliebtheit, nicht zuletzt auch weil sie viele Feudalherren im Gebiet um Perugia anführten. Sie waren auch als die Hauptrivalen der Familie Baglioni bekannt, die hingegen die volksnahen Familien repräsentierte. Die Rivalität endete mit dem überwältigenden Sieg an allen Fronten der degli Oddi und deren damit einhergehenden Exilverweisung sowie Beschlagnahmung ihres Stadtbesitzes, den sie jedoch dank einer Intervention des Papstes, der betreffend die Herrschaft in der Stadt stets in Konflikt mit der Familie Baglioni stand, wieder erhielten.

Leider sind nur noch die Reste des ursprünglichen Palastes im Erdgeschoss erhalten, genauer gesagt der mit Fresken aus dem siebzehnten Jahrhundert verzierte Saal, in dem sich heute eine bedeutende Kunstsammlung befindet, die aus Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafiken, Postkarten, Briefmarken und antiken Möbeln besteht.

Der erste, der sein Interesse an der Sammlung bekundete, war Angelo degli Oddi, der etwa 69 Gemälde und 35 Zeichnungen sammelte. Sein Sohn Francesco wollte diese Tätigkeit, der er sich mit der wichtigen Katalogisierung und Erweiterung der Sammlung durch den Kauf anderer Werke widmete, fortsetzen, um ein Erbe aus 210 Gemälden und 1268 Zeichnungen entstehen zu lassen.

Der Palast ist seit jeher Eigentum der Erben der degli Oddi geblieben, bis zur letzten Vertreterin der gleichnamigen nachkommen, Maria Vittoria degli Oddi (gestorben 1942), verheiratet mit Luigi Marini Clarelli.

Genau in der Mitte des Corso Vannucci gelegen, bleibt er beim Spazieren durch Perugia selbstverständlich nicht unbeobachtet. Der Palazzo Baldeschi verfügt über einen unregelmäßigen Grundriss, der quasi der Linie der Piazza folgt. Das ist nicht auf einen architektonischen Scherz zurückzuführen, sondern einfach nur das Ergebnis der Zusammenlegung der Gebäude, die sich früher hier befanden.

Die frühere Ballung aus der Renaissance hat bis heute erkennbare architektonische Zeichen hinterlassen. Hier lebte in der Mitte des 14. Jahrhunderts der berühmte Rechtsgelehrte Baldo degli Ubaldi, Baldeschi genannt. Der Kern des Gebäudes, der ursprünglich aus verschiedenen, miteinander verbundenen Wohnhäusern bestand, wuchs dank des Werks der Erben von Baldo. Es scheint hingegen, dass das Erdgeschoss ausschließlich Handelstätigkeiten gewidmet war.

Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde das, was zuvor ein loses Agglomerat war, zu einem homogenen Gebäude umgestaltet. Aber die Verzierungs- und Verschönerungsarbeiten wurden auch in den darauffolgenden Jahren fortgeführt.

Im Jahr 2002 wurde der Palazzo von der Stiftung Cassa di Risparmio di Perugia erworben, um “ihn einer Funktion der konstanten kulturellen Förderung und der Stimulation zum bürgerlichen Wachstum der lokalen Gemeinschaft” zu machen, wodurch er tatsächlich zu einem Museum wurde. Der Palazzo Baldeschi wurde kürzlich restauriert und beherbergt verschiedene Kunstwerke, die in zwei Kollektionen unterteilt sind. Die erste besteht aus Gemälden und Skulpturen von Künstlern aus Umbrien, die nach Themen aufgeteilt sind. So werden die verschiedenen Schulen, die der Region Prestige verliehen haben, hervorgehoben. Die wichtigsten Vertreter der Peruginer Schule, wie Il Perugino und il Pinturicchio, der Schule aus Foligno mit l’Alunno (Nicolò Liberatore), oder der Schule von Gualdo mit ihrem wichtigsten Vertreter Matteo da Gualdo sind ausgestellt.

Die zweite Kollektionist hingegen den Majolika-Kacheln aus der Renaissance gewidmet und besteht aus insgesamt 147 Manufakten aus verschiedenen Sammlungen.

Erwähnenswert ist außerdem auch die Sala delle Muse mit ihrer von Mariano Piervittori fein mit Fresken verzierten Decke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Oratorium von Santa Cecilia befindet sich an der Via dei Priori. Sie wurde zwischen 1687 und 1690 zusammen mit der nahegelegenen Kirche San Filippo Neri erbaut. Es kann als das einzige Gebäude im vollen Barockstil der Stadt Perugia angesehen werden. Von Pietro Baglioni entworfen, wurde es entsprechend der Regel der Philippiner auch als Musiksaal genutzt.

Das Innere des Oratoriums ist dank der vielen architektonischen Dekorationen und der verschiedenen Kurven, die an den Wänden gezogen wurden, ausgesprochen stimmungsvoll, wobei sich an einer der Wände eine Leinwand von Carlo Lamparelli aus dem Jahr 1688 befindet, die die Madonna mit Kind und die hl. Cäcilia darstellt.

Nach der Hektik, die das Gebäude im 18. Jahrhundert hauptsächlich erlebte, wurde es langsam für kleinere Ereignisse genutzt, bis es vollständig stillgelegt und einem langsamen strukturellen Verfall überlassen wurde.

Glücklicherweise wurde das Oratorium von Santa Cecilia 2001 sorgfältig restauriert und beherbergt heute mehrere kulturelle Veranstaltungen, hauptsächlich musikalische.

Der Palazzo del Capitano del Popolo befindet sich neben dem Gebäude der Alten Universität, mit dem es einige architektonische Aspekte teilt, wie z.B. die Bögen des Erdgeschosses mit Blick auf die Piazza Matteotti, die einst Piazza del Soprammuro genannt wurde. Dieser Name leitet sich von der großen Stützmauer ab, die errichtet wurde, um die neue Piazza zu erweitern und zu stützen.

Der Palazzo del Capitano del Popolo wurde zwischen 1473 und 1481 von Gasperino di Antonio und Leone di Matteo erbaut.

Das erste Detail, das ein aufmerksames Auge bemerken wird, ist die prächtige Tür, die im Stil jener des Palazzo dei Priori gehalten ist. Die Fassade hingegen enthält verschiedene Baustile, die verschiedenen Epochen entstammen. Dies ist auf die Bauarbeiten zurückzuführen, die durch die Zerstörung der alten Fassade bei einem Erdbeben im achtzehnten Jahrhundert notwendig wurden.

Zunächst wurde das Gebäude, wie der Name schon sagt, als Sitz des Capitano del Popolo (Volksvorsteher) und dann für mehrere andere Regierungsfunktionen genutzt. Heute ist es der Sitz des Gerichts von Perugia, kann jedoch nicht besichtigt werden.

Am Ende des Corso Vannucci, von der Piazza IV Novembre kommend, unmittelbar vor der Piazza Italia, laufen Sie am eleganten Palazzo Donini vorbei.

Zwischen 1716 und 1724 errichtet, wird seine Errichtung Pietro Carattoli übertragen und von Filippo Donini in Auftrag gegeben, der das Gebäude im 19. Jahrhundert an die Gemeinde Perugia verkaufte.

Der architektonische Stil erinnert an den toskanischen Stil des 16. Jahrhunderts, im Inneren befinden sich hingegen verschiedene Dekorationen von Künstlern aus Perugia aus dem 18. Jahrhundert, darunter das Gemälde Giove fulminante il Cocchio dell’Orgoglio (Jupiter vernichtet das Auge des Stolzes) oder Stuck, gemalt von Francesco Appiani sowie die Dekoration Sala del Caminetto (Kaminsaal) von Pietro Carattoli und Giacinto Boccanera.

Heute beherbergt der Palazzo Donini den Präsidenten des Regionalrates.

Im Auftrag der Adeligen aus Perugia wurde zwischen 1717 und 1723 aufgrund des steigenden Bedürfnisses an einem Gebäude, in dem Opern und Vorführungen stattfinden konnten, die zunehmend Einzug in das Leben der Adeligen und anderer Menschen hielten, das errichtet, was ursprünglich als “Teatro della Nobile Accademia del Casino” bezeichnet wurde. Dabei wurde eine besonders zentrale Lage gewählt. Das Teatro del Pavone befindet sich tatsächlich auf der Piazza della Repubblica, in der Mitte des Corso Vannucci.

Das erste Gebäude bestand zur Gänze aus Holz, wurde jedoch bereits 1765 abgerissen, da es sich sofort als ungeeignet für einen neuen Veranstaltungsort erwies, hauptsächlich aufgrund der Sicht.

So wurde der Architekt Pietro Carattoli damit beauftragt, das Theater neu zu planen. Diesmal wurde es gemauert und erhielt eine klassische Hufeisenform, wie sie beispielsweise auch das Teatro Argentina in Rom aufweist.

In den darauffolgenden Jahren wurde das Theater mehrfach erweitert, aber der Grundriss ist bis heute unverändert geblieben. 1816 wurde tatsächlich eine erste Balkonreihe rund um die Bühne errichtet und langsam kamen im Rahmen struktureller Erweiterungen, zu denen die Verbreiterung der Treppe am Eingang zur Bühne und der Anschluss eines Raumes, der als ARsenal für einige Theaterszenen genutzt wird, angrenzende Gebäude hinzu.

Besonders hervorzuheben sind die reichen Dekorationen, wie etwa die Geländer, die von Mariotti bemalt wurden, oder der Theatervorhang, der von Francesco Appiani bemalt wurde und “Turrena in atto di ammirare il trionfo della dea Giunone” (Turrena bei der Bewunderung des Triumphes der Göttin Juno ) darstellt, dessen Symbol ein Pfau war, durch den das Theater seinen Namen erhielt.

Perugia hat unglaublich viele Aktivitäten in der Stadt, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadtmauern zu bieten. Neben allen künstlerisch-kulturellen-sozialen Aktivitäten, mit denen ganze Wochen zugebracht werden können, gibt es auch Aktivitäten zur reinen Unterhaltung, die für jeden Touristen geeignet sind. In der Stadt befinden sich tatsächlich zahlreiche Reitsportzentren, die Kurse und Exkursionen mit Pferden organisieren. Unmittelbar außerhalb des Zentrums werden mehr oder weniger anspruchsvolle sportliche Aktivitäten wie Kanu, Rafting, Biking oder Trekking bis hin zu Orienting und Outdoor- sowie Indoor-Klettern organisiert. Außerdem sind Heißluftballonfahrten oder Höhlenforschertouren zusammen mit vielen entspannteren Aktivitäten wie etwa Golf oder Verngüngungs- sowie Naturparks  wie etwa La Città della Domenica verfügbar.

Außerdem gibt es auch viele Möglichkeiten sich bei PaintBall oder Laser Game zu vergnügen.

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URSPRÜNGE – ETRUSKISCH-UMBRISCHE EPOCHE

Leider gibt es keine genauen Angaben zum Ursprung der Stadt, aber einigen Quellen zufolge wurde Perugia von den Achaiern gegründet, anderen Quellen zufolge hingegen von Euliste, etruskischer Gründer Bolognas (Felsina).

Die letzte Hypothese würde die Errichtung der Stadt mit der Ausbreitung der etruskischen Bevölkerung in der Poebene in Verbundung bringen. Andere Quellen hingegen würden im Volk der Umbrer die Gründer der Stadt sehen.

Sicher ist hingegen, dass Perugia sich im Gebiet rechts des Tibers erhebt, der als etruskisch gilt, aber der auch an das Gebiet der Umbrer angrenzt, wodurch der Stadt zwei Ursprünge – umbrisch und etruskisch – zugeordnet werden. Im etruskischen Zeitalter wurde Perugia zu einem Teil des Zwölfstädtebundes Etruriens (Veio, Cerveteri, Tarquinia, Vucci, Volsini (Orvieto), Chiusi, Vetulonia, Volterra, Cortona, Arezzo, Fiesole), um die wirtschaftlichen Allianzen zu verstärken. Dabei war Perugia insbesondere durch seine Grenzlage begünstigt.

Die Form der Stadt entwickelte sich hauptsächlich um das 4. Jahrhundert v. Chr, in vollkommener Symbiose mit der umliegenden Region. Im selben Zeitraum wurde auch mit der Entwicklung des ersten Straßennetzes begonnen, auf dessen Grundlage anschließend im Lauf der Jahre die Hauptstraßen entstanden.

Noch heute sind in der Gegend viele Beweise für die Bedeutung der Stadt Perugia in Etrurien sowie für die Verbindung mit anderen großen Städten dieser Zeit vorhanden. Zum Beispiel die Nekropolen (bekannt ist jene von Palazzone im Gebiet Ponte San Giovanni, zu der das berühmte Hypogäum Ipogeo dei Volumni gehört), die uns häufige Beziehungen zu Chiusi beweisen.

Das Museum Museo Archeologico Nazionale Dell’Umbria verwahrt die zahlreichen Beweisstücke, die die Lebendigkeit Perugias in diesem Zeitalter bezeugen, mit Inschriften auf Stein und Gravuren auf Manufakten, Waffen und verschiedenen Instrumenten.

Rund um das 3. Jahrhundert v. Chr. wird der Vorstoß Roms gegen Etrurien immer drückender. Der Einbruch der Etrusker ist unweigerlich durch die zahlreichen Niederlagen geprägt, darunter ragt jene von Sentino (296 v. Chr) besonders hervor. Sie wird auch als die Schlacht der Nationen (der Antike) bezeichnet. Bestritten einerseits von der Römern, die mit den Picenern verbunden waren, sowie andererseits von einem Bündnis aus Etruskern, Umbrern, Samniten und Senonen, wurde durch diese Schlacht die Ausweitung und die anschließende Herrschaft Roms über ganz Mittelitalien festgelegt.

AUFSTIEG ROMS-NIEDERGANG ETRURIENS

Die zentrale Position Perugias wurde während der Schlacht Battaglia del Trasimeno, eine der wichtigsten Schlachten des Zweiten Punischen Krieges, die genauer in Tuoro sul Trasimeno zwischen Hannibal, der die Karthager anführte, und dem Römischen Heer ausgetragen wurde, erneut untermalt. Hannibal griff die Legionen des Konsuls Gaius Falminius mit großer List und besonders strategischer Gabe überraschend an, wodurch erstere in Richtung der Soldaten Karthagos aufbrechen musten, die wiederum Etrurien in Richtung Rom durchquerten. Das Attentat verwandelte sich schnell in ein Massacker, bei dem gut 15.000 Römer ihr Leben lassen mussten. Ausgerechnet auf diesen Zeitraum soll der Bau der monumentalen Stadtmauer Perugias zurückgehen. Sie wurde aus großen Travertinblöcken hergestelt und hat eine Länge von ca. 3 Kilometern, da sie die beiden Hügel Landone und del Sole (mit Sicherheit erwähnenswert ist der sogenannte „Arco Etrusco“ oder „Arco Augusto“ oder „Porta Pulchra“, das einzige erhaltene Tor) umschließt. Die Stadtmauern sind zu einem großen Teil nocht sichtbar und gut erhalten, wie auch die Zisterne „Pozzo Etrusco“ in der Nähe der Piazza IV Novembre.

Die vollständige „Romanisierung“ der Stadt begann mit der Wahl des neuen Konsuls Paperna im Jahr 130 v. Chr., der die Aufstellung der umbrischen und etruskischen Bevölkerung mit Rom förderte und sie 89 v. Chr. mit dem Erhalt der Staatsbürgerschaft und dem darauf folgenden Anschluss vollendete.

Sofort danach war Perugia trotz alledem leider erneut Hauptschauplatz eines zerstörerischen Kriegsereignisses, das diesmal aus einem römischen Bürgerkrieg entstand, nämlich zwischen Marcus Antonius und Augustus. Infolge der Schlacht wurde Perugia (Perusia), in der sich Lucius Antonius, Bruder von Marcus Antonius – der geschlagen worden war – niedergelassen hatte, in Brand gesteckt und davon schwer gekennzeichnet. Augustus ließ die Stadt im romanischen Stil wieder aufbauen und verlieh ihr den Titel Augusta Perusia, setzte die Stadt wieder instand und ermöglichte so auch die spätere Ausweitung außerhalb der Stadtmauern.

MITTELALTER

Die ersten mittelalterlichen Ereignisse in Perugia sind ein weiteres Mal durch kriegerische Kämpfe gekennzeichnet, diesmal zwischen den von Totila angeführten Goten, die ganz Umbrien samt Perugia belagerten, und den Byzantinern.

Während der Gefechte wurden die Einwohner Perugias von Bischof Ercolano angeleitet, der ausgerechnet bei dieser Gelegenheit getötet wurde (die Stadtmauern stürzten über ihm zusammen und sein Körper wurde einer Legende zufolge erst nach 40 Tagen ohne Lebenszeichen gefunden). Die Goten gewannen das Aufeinandertreffen und nahmen Perugia in ihre Herrschaft. Diese war jedoch nicht von langer Dauer, denn die Byzantiner konnten sie einige Jahre später wieder zurückerobern. In den nächsten Jahren stand Perugia immer und immer wieder im Mittelpunkt neuer Konflikte, diesmal mit den Longobarden, die das Gebiet mit harten Kämpfen eroberten und mehrmals vor der endgültigen Eroberung der Stadt standen. Diese Eroberung erfolgte jedoch niemals zur Gänze, denn dem Byzantinischen Reich gelang es tatsächlich sich zu widersetzen und sich immer mehr im Gebiet sowie in der Umgebung zu festigen, bis das Herzogtum Ducato Perugino entstand.

Im 8. Jahrhundert n. Chr wurde Perugia von Pippin dem Jüngeren an Papst Stephan II. verschenkt, wobei ersterer es kurz zuvor im Auftrag des Papstes zur Eindämmung der Ausbreitung der Longobarden befreit hatte. Dasselbe Schicksal ereilte auch viele der angrenzenden umbrischen Regionen. So wurde das festgelegt, das später als Kirchenstaat bekannt wurde.

DIE KOMUNE

Zu Beginn wurden die Geschicke der Stadt nicht zuletzt durch den Bischof von einer Gruppe aus Männern geleitet, die die Verwaltung verschiedner Stadtbereiche übernahmen. So entstand langsam ein neues Organ in der Stadt, das als „Collegio dei Consoli“ („Konsulkollegium“) bezeichnet wurde. Dieses neue Organisationssystem repräsentierte immer mehr die Stadtbürger (Cives) und legte somit das Profil einer neuen Machtstruktur, der Komune, fest.

In der Zwischenzeit entwickelte die Stadt Perugia eine immer stärker werdenden Unabhängigkeit, die offiziell von König Heinrich IV. im Jahr 1186 und anschließend von Papst Innozenz III. bestätigt wurde, der die Macht des Konsulats anerkannte, es jedoch seinem Schutz unterstellte.

Die kommunale Struktur führte ihre Verwandlung weiter bis die Macht in die Hände eines Funktionärs super partes gelangte, der „Il Podestà“ („Bürgermeister“) genannt und von den milites (Adeligen) unter den Einwohnern Perugias gewählt wurde. Er wurde vom Kollegium unterstützt.

Am Übergang vom 13. auf das 14. Jahrhundert befand sich Perugia nach jahrelanger Ordnung und Blügezeit nicht zuletzt auch durch den Krieg mit Foligno vor einer politischen Krise. Die Consoli delle Arti sorgten auf physische Weise für Unzufriedenheit in der Stadt und riefen eine Phase der Instabilität unter dem „fetten Volk“ (wohlhabende Bevölkerungsschicht, die die wichtigsten Handwerksberufe aufsübte) und dem „kleinen Volk“ (das aus einfachen Arbeitern bestand) hervor. Am Ende siegte das „kleine Volk“ und die Richterschaft der Consoli delle Arti wurde durch die Priori delle Arti ersetzt. Dies gilt als sehr wichtige Änderung, da die Priori bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts aktiv blieben (mit Ausnahme einer kleinen Unterbrechung im 16. Jahrhundert) und sich in einem Gebäude trafen, das bis heute zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt gehört – der Palazzo dei Priori, in dem sich die Galleria Nazionale d’Arte befindet. Die darauffolgenden Jahre sind durch eine Reihe an Tumulten und einen Wechsel aus neuen Herrschern und unterschiedlichen Machtverteilungen geprägt. Die ersten internen Kämpfe fiaden zwischen den beiden Blöcken der Raspanti und der Beccherini, also zwischen dem „fetten Volk“ und dem Adel, der für die Wiedererlangung seiner ursprünglichen Macht kämpfte. In diesen Jahren der Unsicherheit wurde auch die päpstliche Herrschaft erneut in Frage gestellt – eine Konstante in der Geschichte Perugias, und die Stadt versucht immer auf irgendeine Weise den Weg in Richtung einer autonomen Verwaltung zu finden.

VERSCHIEDENE MACHTVERTEILUNGEN UND HERRSCHAFTEN

Am Ende des 14. Jahrhunderts befand sich Perugia hingegen in einem weiteren Konflikt mit einer ganz anderen Tragweite. Giangaleazzo Visconti, Herzog von Mailand, beschloss seine Herrschaft auf Mittelitalien auszuweiten und suchte sich Perugia als idealen Vorposten für seinen Einfall zugunsten einer Ausweitung in Richtung Süden aus. Die Kirche, die auf der anderen Seite stand, hätte die Stadt jedoch niemals hergegeben. Der Consiglio dei Priori beschloss hingegen am 19. Januar 1400 die Übergabe an den Herrscher Mailands und forderte im Gegenzug wirtschaftliche Hilfestellung und Versprechen.

Nach kurzer Zeit führte der Tod des Herzogs Visconti zur Rückkehr Perugias zu den vom Papst beherrschten Städten, doch auch dieses Zeitfenster war nur kurz. Einige Jahre später wurde der Feldherr Braccio Fortebraccio da Montone Teil der Geschichte Perugias. Er war schon seit einiger Zeit im Gebiet Umbriens unterwegs und führte Plünderungen und Eroberungen durch, mit dem Wunsch, in Perugia einzufallen und die Herrschaft zu übernehmen. Dieser Wunsch blieb jedoch anfangs durch Ladislao D’Angiò Durazzo, König von Neapel, der sich mit der Regierung Perugias verbündete, um die Stadt zu beherrschen, und versprach, sie gegen Angriffe von außen wie etwa jenen von Braccio, der den von der Stadt vertriebenen Adeligen sehr nahe stand, zu schützen, unerfüllt. Braccio Fortebraccio trieb sich jedoch weiterhin in der Gegend herum und wartete auf den perfekten Moment, den das Jahr 1414 mit sich brachte. Der Tod von Ladislao ermögliche Braccio eine Umstrukturierung und den erfolgreichen Einfall in Perugia im Jahr 1416. Ab diesem Zeitpunkt regierte Braccio ohne die internen institiutionellen Gleichgewichte zu verändern die Stadt bis zu seinem Tod im Jahr 1424. Danach feierten die Baglioni ihren Aufstieg.

Unmittelbar nach dem Tod von Fortebraccio übernahm die Kirche wieder die Macht und mit Hilfe der Familien, insbesondere der Baglioni, sollte die Ordnung wiederhergestellt werden ohne dabei die institutionelle Ordnung in der Stadt durcheinanderzubringen, jedoch einfach um die Kontrolle zu erhöhen. So wurden die Positionen eines päpstlichen Vertreters und eines Eigenmächtigen eingeführt, der als eine Justiz superpartes fungierte. In diesem Zusammenhang führten die Baglioni ihren Aufstieg fort und konnten in die verschiedenen Kontrollorgane der Stadt eindringen und somit tatsächlich ihre Macht ausweiten. Nicht zu unterschätzen ist außerdem auch die Freundschaft und das Bündnis mit den Medici, insbesondere mit Lorenzo il Magnifico. Die Macht der Baglioni wurde durch einen ständigen internen Kampf mit einer weiteren Adelsfamilie, den Oddi, kontinuierlich in Frage gestellt, da auch letztere unbedingt aufsteigen wollten. Jedoch wurden all ihre Versuche zunichte gemacht.

Am Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte die Kirche ihre Macht in Perugia wiederherzustellen, was jedoch vor allem aufgrund dessen, was von der Familie Baglioni zurückgeblieben ist, nicht gelang. Zwischen den 30er- und 40er-Jahren wurde sogar die Zahlung einiger vom Papst eingeführter Steuern verweigert (wodurch es auch zum berühmten Protest gegen die Salzsteuer kam). Diese Verweigerung schürte den Zorn des Papstes, der Perugia exkommunizierte. Darauf folgen Zeitabschnitte der Spannung, während denen die Stadt versucht dem Papst Widerstand zu leisten. Letzterem gelang es jedoch mit Hilfe der Farnese die Kontrolle wieder zu übernehmen. In diesen Jahren ar der Wille des Kirchenstaates seine Macht auszudrücken derart groß, dass Papst Paulus III. die imposante Rocca Paolina (1540-1543) als Symbol der päpstlichen Macht gegenüber der Einwohner der Stadt und insbesondere gegenüber der Familie Baglioni errichten ließ.

Die nun folgenden Jahre waren von der Herrschaft des Papstes gekennzeichnet, mit einer kleinen Unterbrechung während der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts, in denen das napoleonische Heer die Macht übernahm. In diesen Jahren folgte eine Abflachung ohne besonderes wirtschaftliches Wachstum und ohne deutlichen Fortschritt, mit Ausnahme der Errichtung verschiedener Adelspaläste in der Stadt. In diesen Jahrhunderten und insbesondere nach der Wiedererlangung der Macht nach der Zeit Napoleons reifte langsam eine Stimmung voller Kritik und geprägt vom Wunsch nach Änderung.

RISORGIMENTO

Ab der zweiten Hälfte der 1830er-Jahre stieg in Perugia die Anzahl der Unzufriedenen und es entstanden Untergrundorganisationen im Gefolge des nationalen Revolutionsgeistes. Die Bürger Perugias waren tatsächlich die Hauptdarsteller des ersten Unabhängigkeitskrieges, jedoch insbesondere auch des zweiten, als eine Gruppe Freiwilliger beschloss, sich dem piemontesischen Heer anzuschließen und Perugia gleich nach dem Ungehorsam gegenüber dem Kirchenstaat unverteidigt zu hinterlassen. So bekam der Papst die Möglichkeit, ein Kontingent des Schweizer Heeres hinter die Tore Perugias zu bringen, dessen Soldaten die Hauptverantwortlichen für die Massaker und die Gewalt gegen die schlecht bewaffnete und unorganisierte Bevölkerung Perugias bei der Verteidigung der Stadt waren (dabei kämpften 2.000 Schweizer gegen 1.000 Einwohner Perugias). Dies geschah am 20. Juni 1859 und ist als „Stragi di Perugia“ („Attentat von Perugia“) bekannt. Am 14. September 1860 wurde Perugia vom Piemontesischen Heer befreit und die Schweizer wurden dazu gezwungen in der Rocca Paolina Unterschlupf zu suchen. Danach erfolgte der Anschluss zuerst an das Königreich Sardinien, das später zum Königreich Italien wurde.

Perugia ist wie ganz Umbrien außerdem stolz auf viele kleine Handwerksbetriebe. Die Straßen sind noch voller kleiner Werkstätten, in denen geschickte und erfahrene Hände arbeiten und das alte Handwerk weitergeben. Die Zeit scheint in diesen Läden, die wie irgendeine Vorführung besichtigt werden können, stehengeblieben zu sein. Jedoch sind die Läden echt und authentisch, denn sie berichten vom Alltag der Handwerker. Zum Glück können ein paar Werkstätten besichtigt werden, um kleine Traditionen der Region zu verstehen und zu lernen. Insbesondere in Perugia ist es einfach in Glasverarbeitungs-, Goldschmiede-, Eisenschmiede- und Holzverarbeitungswerkstätten zu gelangen.

Wie für das Handwerk gilt auch für wein- und gastronomiebezogene Aspekte, dass sich Perugia durch eine unglaubliche Diversität auszeichnet. Umbrien ist eine natürliche Region. Die kleinen, lokalen Traditionen sind stark ausgeprägt, und das ist auch in den kulinarischen Produkten zu erkennen. Perugia steht keinem der kleinen Orte oder Dörfer in der Umgebung nach, denn die Produkte und Rezepte, die aus dieser Stadt stammen oder deutlich durch sie geprägt wurden, sind zahlreich. Für nähere Informationen möchten wir Sie auf den speziellen Abschnitt hinweisen, aber wir möchten auch einige Beispiele erwähnen: „Torcolo Di San Costanzo“, eine typische Süßspeise aus Perugia (San Costanzo ist einer der Patrone der Stadt), oder Brustengolo (eine Süßspeise mit Mehl, Äpfeln und Trockenobst) und die berühmte „Torta al Testo“ (eine Art Brot/Pizza, die belegt wird). Es gibt kein Stadtfest, bei dem die Torta al Testo nicht angeboten wird, und es gibt keinen Einwohner Umbriens, der sie nicht kennt, und es gibt keinen Touristen, der sie nicht probiert hat!

Perugia ist auch und vor allem eine lebhafte und dynamische Stadt, in der stets Veranstaltungen jeder Art stattfinden, insbesondere mit musikalischem oder kulinarischem Inhalt. Umbria Jazz, mit Sicherheit eines der wichtigsten Musikfestivals in Umbrien und Italien, das Mitte Juli in der ganzen Stadt verteilt stattfindet, ist mittlererweile weltberühmt. Im Oktober füllt sich Perugia dann erneut. Dies ist dem köstlichen Festival EuroChocolate zu verdanken, das das historische Zentrum mit Shows, Ständen und Vorführungen verschiedenster Art zum Thema Schokolade. Außerdem werden auf der Piazza IV Novembre zahlreiche kostenlose Konzerte organisiert. Saisonale Märkte an verschiedenen Ecken der Stadt, wie etwa der zauberhafte Weihnachtsmart in der Rocca Paolina gehören auch dazu. Zudem organisieren die zahlreichen Theater, von denen viele sehr alt sind, ein raffiniertes, jedoch stets reichhaltiges Theaterprogramm.

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